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"Das Beste, was ich je erleben durfte"

28.02.2010 | 22:41 Uhr
"Das Beste, was ich je erleben durfte"

Wittenerin zu Gast bei wichtigen Entscheidungen in Vancouver. Besuch bei den "First Nations" bleibt nachdrücklich in Erinnerung

Vancouver (CAN). Die 19-jährige Sina Caspers war zwei Wochen lang im internationalen Jugendcamp bei den Olympischen Winterspielen im kanadischen Vancouver. Von ihren Eindrücken in Nordamerika bei einem der größten Sportereignisse berichtet die Wittenerin, die beim Kreissportbund EN ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, in einem Tagebuch für unsere Zeitung:

Biathlon

Früh ging es mal wieder in Richtung Olympic Parc nach Whistler. Wir freuten uns auf die deutsche Hoffnungsträgerin Magdalena Neuner, die bei der Verfolgung als Zweite an den Start ging.

Die ganze Strecke über versuchten wir, sie durch unsere lautstarke Anfeuerung zu „beflügeln” und zu unterstützen. Bis zur letzten Sekunde war es wahnsinnig spannend und wir waren umso mehr erleichtert und natürlich super stolz, dass es unserer Athletin gelang, sich Gold zu sichern.

Alle Anwesenden des olympischen Jugendendlagers - so auch ich -, waren außer Rand und Band und feierten noch sehr lange die Goldmedaille von Magdalena Neuner.

Sina Caspers aus Witten mit Bob-Pilot Andre Lange

Nach dem Verfolgungslauf der Frauen folgte der Lauf der Männer. Trotz einer schlechten Startposition (19. Platz) von Michael Greis kämpfte er sich durch einen starken Lauf und präzise Schüsse auf Platz fünf vor. Mit unserer guten Laune steckten wir viele Zuschauer an und so entstand eine riesig lange Polonaise - mit uns ganz vorne.

Auch das anwesende Fernsehnteam hielt diese Augenblicke fest. Die Schweizer freuten sich, treu dem Gedanken des Fairplays, mit uns und unterstützten unsere Gesänge durch ihre Kuhglocken. Ein Deutscher machte mit einer riesigen Rassel auf sich aufmerksam - seitdem nennen ihn alle nur noch den „Rasselmäään”. Nach diesem wunderbaren goldenen Tag freuten wir uns schon auf die nächsten Wettkämpfe.

Langlauf

Ohne jegliche Erwartungen, fuhr ich zum Skilanglauf der Männer nach Whistler. Herrlicher Sonnenschein gewährte mir noch einen viel schöneren Blick auf die wunderschöne Vielfalt von Kanada. Der Ozean glitzerte in der Sonne und die mit Schnee bedeckten Berge ragten im Hintergrund heraus. Bei 15 Grad plus sonnten wir uns im Schnee und verfolgten dabei den Lauf. Große Überraschungen gab es jedoch nicht. Nach dem relativ ruhigen Wettkampf trafen wir auf den Sportausschuss Deutschlands im Deutschen Haus in Whistler.

Wir diskutierten über die Zukunft des deutschen Spitzensports, die Bewerbung von München 2018 und über die Pläne des Ausschusses. (Die Chancen für München 2018 die olympischen Winterspiele austragen zu dürfen stehen gut, da man ein überzeugendes Konzept hat, die Austragungsorte sehr nah beieinander liegen und die extra für Olympia angelegten Wettkampfstätten auch nachhaltig genutzt werden könnten).

Eishockey der Frauen

Früh am Morgen lud uns das VIP-Shuttle ein (Audi stellte dem Olympischen Jugendlager sechs Autos zur Verfügung, mit denen wir von unseren Betreuern zu den Wettkampfstätten gefahren wurden). Vor dem Eishockeyspiel der Frauen zog es uns zum offiziellen „Olympic Store”. Als wir die endlos lange Schlange vor dem Geschäft sahen (und das, obwohl der Store 24 Stunden geöffnet hatte), wollten wir gerade umkehren, doch ein Dedektiv des Stores hielt uns auf, den wir durch unsere Einheitskleidung aufgefallen waren.

Bob Witten 1 mit Sina Caspers (vorne)...

Als er von uns erfuhr, dass wir vom Olympische Jugendlager kommen, lotste er uns durch die Hintertür in das Geschäft. Durch diesen Vorsprung bekamen wir noch einige von den heiß begehrten Klamotten.

Nach unserer erfolgreichen Ausbeute beschlossen wir noch spontan, auf den Aussichtsturm „Vancouver look out” zu steigen. Auf einer Aussichtsplattform in einer Höhe von 177 Metern konnte man die ganze Stadt überblicken.

Vancouver hat nicht nur eine gigantische Skyline, sondern auch tolle Parks zur Erholung, wie zum Beispiel den Stanley Parc, der mit seinen riesigen Bäumen direkt am Meer liegt. Das Fraueneishockey zwischen der Schweiz uns Russland am Nachmittag war sehr spannend, da es nach der Verlängerung immer noch 1:1 stand und es zum Penaltyschießen kam. Die Schweizerinnen gingen am Ende als Gewinnerinenn vom Eis.

Am Abend waren wir auf der Sportlerparty im Deutschen Haus. Dort trafen wir auf einige Sportler wie zum Beispiel auf die deutsche Curlingmannschaft.

Olympisches Dorf/Bobfahren

Nur wenige von den Teilnehmer des deutschen Jugendlager durften in das Olympische Dorf nach Whistler. Umso mehr freute ich mich an diesem Morgen, dass ich diese Chance bekam.

Nach ca. 1000 Sicherheitskontrollen waren wir endlich im Dorf angekommen. Wir bekamen einen Begleiter zugeteilt, der uns die zeigte, wie die Sportler wohnen und leben während der Olympischen Spiele. Die Häuser der Sportler habe ich mir sehr luxuriös vorgestellt, doch diese Vorstellung wurde schnell widerlegt - sie sind klein und einfach ausgestattet. Die Athleten teilen sich mit bis zu sechs Leuten ihre Unterkunft.

Doch das Sport- und Erholungsangebot im Dorf war sehr gut. Vom Massageraum bis zum Fitnessstudio war alles vorhanden. Das Highlight war der Speisesaal im Olympischen Dorf, in dem es alles zu essen gibt, was das Herz begehrt - natürlich kostenlos. So aßen auch wir viel und trafen beim Essen auf viele Sportler.

André Lange, Olympiasieger im Zweier-Bob, kam zu uns an den Tisch und unterhielt sich mit uns. Er und auch alle anwesenden Sportler waren sehr freundlich - und in diesen Augenblicken fühlten wir uns, als wären wir selbst Teilnehmer des Spiele.

Nach diesem Erlebnis ging es dann am Nachmittag nach Whistler zum Zweier-Bob der Frauen. Wir sahen den ersten und zweiten Durchgang der Entscheidung. Man muss jedoch sagen, dass Bobfahren im Fernsehen besser zu verfolgen ist, da es an der Bahn viel zu schnell geht und man nicht wirklich viel sehen kann. Deshalb stellten wir uns an das Ziel, um die Fahrt auf der Leinwand zu sehen.

Einladung bei den First Nations

Danach luden uns die First Nations aus dem Ort Pemberton, welcher ungefähr eine Stunde von Whistler entfernt liegt, zu einem traditionellen Fest („Pow-wow”) ein. Bei dieser Feier zeigten uns die Ureinwohner ihre Tänze, Gesänge und Bräuche. Und so kam es, dass wir in einer Turnhalle mit den wie Indianer aussehenden Menschen, tanzten, trommelten und sangen.

Sina Caspers

Wir lernten, wie diese Menschen wohnen, leben und wie sie miteinander umgehen. Die Einwohner Kanadas sind überaus freundlich und hilfsbereit. Der Tag gewährte uns Einblick in ein Stück von der Geschichte Kanadas und das hat uns alle sehr fasziniert.

Abschied

Am 26. November hieß es dann: Good bye Kanada, tschüss Olympische Spiele. Das olympische Jugendlager war vorbei und mittlerweile sind alle wieder zu Hause.

In den nächsten Tagen werden wir noch oft berichten, was wir in Kanada erlebt haben und das Erlebte noch einmal Revue passieren lassen. Eines aber weiß ich ganz genau: Das Jugendlager bei den Olympischen Spielen war das Beste, was ich bisher erleben durfte und ich werde mich immer gerne daran zurück erinnern. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich das erleben durfte. Sina Caspers

Sina Caspers

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