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Sport bei Minusgraden

Zwiebelprinzip und Vaseline

08.02.2012 | 16:23 Uhr
Zwiebelprinzip und Vaseline

Am Niederrhein.Im wahrsten Sinne des Wortes „holprig“ verläuft die Vorbereitung der Fußball-Klubs auf die Rückrunde. Aber auch andere Sportler leiden unter den Minusgraden, bei denen es sich viele Leute zweimal überlegen, ob sie Sport an der frischen Luft betreiben oder im Fernsehen genießen. Und bald soll noch Schnee dazu kommen. „Leistungssportler können auch bei diesem Wetter nicht 14 Tage lang die Füße still halten. Aber Otto Normalverbraucher würde ich schon empfehlen, bei Minus zehn Grad und Wind eher mal zu Hause zu bleiben“, erläutert der erfahrene Langstreckenläufer Thomas Wingerath.

„Wenn man laufen geht, ist es ganz wichtig, den Kopf warm zu halten“, weiß natürlich auch der Leichtathletik-Abteilungsleiter des Hamminkelner SV, dass rund 40 Prozent der Körperwärme über den Kopf verloren gehen. „Und anziehen sollte man sich nach dem Zwiebelprinzip.“

Die erste dieser Schichten sollte Funktionsunterwäsche sein, die den Schweiß nach außen leitet. Darüber empfehlen Experten einen Fleecepullover sowie eine Wind abweisende Jacke und unbedingt eine lange Hose. „Und sich vorher mit Öl oder Vaseline einreiben bringt auch sehr viel“, so Wingerath, der aber trotzdem dazu rät, das Laufpensum bei dieser Witterung zu dosieren und nach Möglichkeit auf dem Hinweg dem Wind entgegen zu laufen.

Die trockene, kalte Luft führe bei manchen Menschen zu einem Reizhusten, der nach Mediziner-Meinung aber noch nichts mit einer Erkältung zu tun habe. Lediglich Menschen mit Vorerkrankung wie Asthma bronchiale müssten bei Minusgraden besondere Vorsicht walten lassen und ihren Arzt nach dessen Einschätzung befragen.

Nicht so tief und vor allem durch die Nase atmen sowie nicht reden sind die weiteren Empfehlungen der Experten. Ein Tuch oder ein Schal vor Mund und Nase schützt vor einer Austrocknung der Schleimhäute. Des Weiteren sollte der Sport gleichmäßig und ohne Sprinteinlagen ausgeübt werden.

Diese Vorsichtsmaßnahmen sowie natürlich die Bodenverhältnisse machen es für Fußballer sehr schwer, sich ordentlich auf den anvisierten Meisterschaftsbetrieb Ende Februar vorzubereiten. So mussten beispielsweise die TuS Drevenack gegen Borussia Bocholt sowie BW Dingden beim SV Krechting heute ihre Testspiele einmal mehr wegen Unbespielbarkeit der Plätze absagen.

„Wir gehen regelmäßig in die Halle, um Zirkeltraining zu machen, spielen in einer Soccerhalle oder haben auch schon einmal draußen Intervallläufe gemacht“, erläutert TuS-Trainer Nikolay Glouhtchev. „Es ist aber beruhigend zu wissen, dass in unserer Bezirksliga-Gruppe bis auf Hamminkeln mit deren Kunstrasenplatz alle Mannschaften mit denselben Problemen zu kämpfen haben.“

Dingdens Trainer Sven Westhus hat seine Kicker in diesem Winter bereits zum Spinning, Krafttraining und sogar ins Hallenbad gebeten. „Natürlich waren wir auch schon in der Soccerhalle. Bei Mannschaften mit Kunstrasenplätzen ist es in diesen Tagen ja quasi unmöglich, noch Spieltermine zu bekommen.“

Westhus hat noch einen Tipp, der nicht nur souveränen Spitzenreitern, wie sein Team es in der A-Liga ist, helfen soll: „Zur Not macht man einfach mal einen Bowling-Abend . . .“

Einen ganz wichtigen Rat haben Lauf-Experten wie der einstige Europameister über die 5000 Meter, Prof. Dr. Thomas Wessinghage, für die Phase direkt nach dem Sport. Da sei es unbedingt zu beachten, die durchnässten Sachen sofort auszuziehen und lieber wenige Sekunden mit freiem Oberkörper auf dem Parkplatz zu stehen und das Shirt zu wechseln als in durchgeschwitzten „Klamotten“ im Auto nach Hause zu fahren.

Andreas Nohlen

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