Weltmeisterin Hufe bleibt Amateurin
10.10.2011 | 19:33 Uhr 2011-10-10T19:33:00+0200Wesel.Die beiden Dopingkontrolleure mussten lange warten. Denn Mareen Hufe, die am Samstag beim Ironman auf Hawaii Triathlon-Weltmeisterin (W 30) wurde, war nach fast neuneinhalb Stunden erst zwei Kilometer vor dem Ziel in den Lavafeldern neben der Laufstrecke ausgetreten.
Die Sekunden konnte sie sich leisten: Ihre erste Verfolgerin, Titelverteidigerin Nina Pekerman aus Israel, lag gute neun Minuten zurück.
Mit ihrer persönlichen Bestzeit von 9:37,09 Stunden feierte Hufe, die für die Triminators des TV Voerde startet, ihren größten Erfolg – nach 3,8 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad und einem Lauf über die 42-Kilometer-Marathon-Distanz. Als Gesamt-17. der Frauen war sie nach der Deutschen Beate Goertz (W 40) die zweitbeste Amateursportlerin.
Ende September war die Weselerin nach Hawaii geflogen und hatte eine gute Woche, um sich an das Klima der nordpazifischen Inselgruppe zu gewöhnen. Mit bis zu 30 Grad waren die Temperaturen am Samstag für dortige Verhältnisse noch gemäßigt. Und auch der gefürchtete Küstenwind entlang der Rad- und Laufstrecke auf dem Queen K Highway, genannt „Mumuku“, blies schwächer als sonst. Die Widrigkeiten beim härtesten Rennen der Welt, werden aber auch dann nicht weniger, wenn die äußeren Bedingungen perfekt sind. Denn beim Schwimmen, vom Start in Kailua-Kona hinaus auf den offenen Pazifik und wieder zurück, wurde es an jeder Boje eng zwischen den Athleten. Eine Konkurrentin trat nach der 33-Jährigen und traf sie im Gesicht. Hufe stieg trotzdem als Zwölfte aus dem Wasser.
100 Kilometer brauchte Hufe, um die führende Pekerman auf dem Rad einzuholen; stets von ihrem Freund über die Abstände informiert. Hufe musste die Israelin aber wieder ziehen lassen, weil sie – wie schon bei ihrer Qualifikation in Frankfurt – eine Panne hatte: Die Kette sprang ab. 20 Kilometer später überholte sie Pekerman erneut und fuhr sich mit Bestzeit ein Polster heraus.
Nicht nur Hufes Triminators aus Voerde fieberten mit der neuen Weltmeisterin mit. Auch die Triathleten des Weseler TV verbrachten Nacht mit ihren Familien vor den Fernsehgeräten und verfolgten das Rennen der zweimaligen Sportlerin des Jahres (2009, 2010) aus der Hansestadt.
Der Vorsprung schwand zu Beginn des Marathons, weil „die Mädels hinter mir sehr viel Druck beim Laufen machten“, so Hufe, die ihren größten Erfolg aber abgesehen vom kleinen Päuschen vor dem Ziel souverän nach Hause lief.
Auch als Weltmeisterin wird Hufe, die im Vertriebscontrolling eines Chemie-Konzerns in der Hansestadt arbeitet, Amateursportlerin bleiben: „Ich habe einen Job, der mir sehr viel Spaß macht“, sagte sie. „Ich bin eine sehr gute Altersklassen-Athletin, aber ich wäre kein sehr guter Profi.“ Hufe trainiert ohne Trainer und ohne Trainingsplan – und das soll auch so bleiben. „Ich höre viel auf meinen Körper“, erklärte die Weltmeisterin, die vor und nach der Arbeit trainiert. „Mein Freund sagt immer, ich bin ein Organisationswunder. Ich bin fokussiert, und diszipliniert. Aber ich kann auch Fünf gerade sein lassen.“ Die nächsten Tage bleibt sie noch zum Urlaub auf den Hawaii-Inseln.
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