Von einem Bundesliga-Spieltag im Flüsterton

Brachte auf den heimischen Bahnen die zweitbeste Leistung aller Spieler der fünf Bundesligisten: Sebastian Heine vom 1. MSC Wesel.
Brachte auf den heimischen Bahnen die zweitbeste Leistung aller Spieler der fünf Bundesligisten: Sebastian Heine vom 1. MSC Wesel.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Die fünf Bundesliga-Teams im Minigolf war zum Spieltag in Wesel zu Gast. Dabei belegte der Neuling 1. MSC Wesel diesmal nur den vierten Rang.

Wesel..  Vor ihrem Wohnmobil genießt ein Rentnerehepaar die Frühlingssonne, an der Promenade macht der Eismann ein gutes Geschäft, und auf dem Kindertrödelmarkt am Rheinbad gehen einst geliebte Spielsachen über die klapprigen Ladentische. Das ist die eine Welt an diesem Sonntagvormittag am Rhein in Wesel.

In der anderen Welt wedeln die Menschen mit Handtüchern Blütenstaub von der Bahn, fachsimpeln über Zentrierschläge und wärmen in kleinen Söckchen noch kleinere Bälle. Erstmals sind die besten Minigolfer des Landes zu einem Spieltag der 1. Bundesliga Nord beim 1. MSC Wesel zu Gast, dem mit dem vierten Platz der wohl entscheidende Schritt zum Finale der deutschen Meisterschaft gelingt. Ein Besuch am Rand der Sportarten.

Minigolfer flüstern, wie Mitglieder eines Geheimbundes raunen sie sich Fachbegriffe zu. Oliver Rathjens hilft diese Ruhe bei der Konzentration. Der Hüne steht an Bahn 10 beim Abschlag, beugt sich leicht und lässt seinen Schläger mit einer kurzen Bewegung schwingen. Der kleine, blaue Ball rollt über die drei Betonwellen und scheint unkontrolliert nach rechts abzudriften. Im Endkreis verpasst er viermal das Loch, um nach dem fünften Bandenkontakt wie von einem Magneten angezogen klackend ins Loch zu fallen. Rathjens ballt die linke Faust und brüllt seine Erleichterung über das Ass heraus. Und aus allen Ecken der Anlage antworten seine Weseler Teamkollegen mit Zustimmung auf den Jubelschrei. Dann flüstern die Minigolfer wieder.

Das Wetter ist so gut, dass aus Regenschirmen Schattenspender werden. Beim Abschlag wollen einige Spieler nicht in der Sonne stehen und lassen sich deshalb den Schirm spannen und halten. Das mag für Neulinge etwas ulkig aussehen, doch die Minigolfer scheren sich nicht groß um ihre Außenwirkung. Es geht ihnen um Tempo, Rotation und Emotionen. Sie sind leidenschaftliche Sportler.

Heimbahnen bringen Druck

Nicole Warnecke ist etwa bereits am Freitag angereist und hat seitdem „Runden, Runden und Runden“ gespielt. „Man muss einfach in das Schlaggefühl kommen“, sagt die Braunschweigerin, die für den späteren Damen-Spieltags-Sieger MC Möve Cuxhaven antritt. Mit ihren Teamkameradinnen übernachtet sie in einer Ferienwohnung in Bislich, doch die meiste Zeit ihres Weseler Aufenthalts verbringt sie auf dem Minigolfplatz an der Rheinpromenade. „Diese schöne Anlage lässt sich gut spielen“, sagt Warnecke.

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Im Herrenwettbewerb fallen die Bahnrekorde, und der Tabellenführer BGS Hardenberg-Pötter ist dafür verantwortlich. Noch nie hat eine Sechser-Mannschaft in Wesel so wenige Schläge auf einer (144), zwei (297), drei (455) und vier Runden (605) benötigt. Harald Erlbruch stellt mit 93 Schlägen ebenfalls einen neuen Bestwert auf.

Hinter dem siegreichen Serienmeister mit 605 Gesamtschlägen folgen der MGC Dormagen-Brechten (623), 1. MGC Göttingen (630), 1. MSC Wesel (635) und der Niendorfer MC 63 Hamburg (639). „Als Heimmannschaft Vorletzter zu werden, war sicher nicht unser Ziel“, meint der Weseler Christian Zielaff.

Teamkollege Oliver Rathjens sieht als Ursache den „Druck, der beim Heimspiel immer am größten ist. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht. Es war wichtig, Niendorf noch einzuholen und auf Platz vier zu landen.“ Damit festigt der 1. MSC Wesel seinen dritten Rang in der Tabelle. Vor dem abschließenden Spieltag am 21. Juni auf den Filzbahnen in Bad Münder ist zwar auch die Abstiegsrelegation noch theoretisch möglich, doch deutlich größer sind die Chancen auf die Teilnahme am Finale der deutschen Meisterschaft.