Vanessa Borgmann denkt über Profi-Karriere nach

Vanessa Borgmann und der kleine Ledersattel aus Paris: Die Springreiterin erhielt jetzt den Sportpreis des Monats.
Vanessa Borgmann und der kleine Ledersattel aus Paris: Die Springreiterin erhielt jetzt den Sportpreis des Monats.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die für den RFV Jagdfalke Brünen startende Weseler Springreiterin Vanessa Borgmann hat den Sportpreis des Monats erhalten. In Drei-Sterne-Prüfungen der Klasse S überzeugte die 22-Jährige.

Wesel..  Der Sieg beim Großen Preis von Eschweiler in einer S***-Prüfung, zwei dritte Ränge und der Erfolg im Nationenpreis der U 25-Prüfungen beim Saut-Hermès-Turniers in Paris – Vanessa Borgmann nach ihrer deutschen Meisterschaft bei den Jungen Reitern vor knapp drei Jahren erneut den Weseler Sportpreis des Monats zu überreichen, fiel der Jury nicht schwer. Die Auszeichnung wird gesponsert von der Volksbank Rhein-Lippe und Ropa-Sport, unterstützt von der Stadt Wesel und dem Stadtsportverband sowie präsentiert von der Neuen Rhein Zeitung und ist mit einem Warengutschein in Höhe von 500 Euro verbunden.

Als bisher größten sportlichen Erfolg ihrer Karriere bezeichnet die 22-Jährige den Triumph in Eschweiler, wo sie unter anderem die Reitlegende John Whitaker auf Rang drei verwies. „Er hat mir ohne Probleme sofort gratuliert und mich gelobt“, sagt die Preisträgerin. Doch viel lieber redet die Amazone des RFV Jagdfalke Brünen über Paris. Nicht über die Preise wie handgefertigte kleine Ledersättel, Kaschmir-Decken und einen Porzellan-Teller. Am Verkaufsstand für Normalsterbliche – selbst ohne edles Turnierlogo – wäre man dafür das Vertrauen in die eigene Sehkraft beim Lesen von Preisschildern losgeworden. Oder einen fünfstelligen Eurobetrag.

Nein, Vanessa Borgmanns Augen glänzen, wenn sie über das wohl tatsächlich schönste Reitturnier der Welt redet. Der in Hünxe lebende irische Shootingstar Bertram Allen habe ihr schon erzählt, wie toll es dort ist. Und dies stimme. Vanessa Borgmann weiß eigentlich gar nicht, wo sie anfangen soll. „Die Halle mit ihrer großen Glaskuppel, in der sonst unter anderem Modenschauen stattfinden, ist sehr beeindruckend. Allerdings machen es die Lichtverhältnisse mit Sonne und Schatten auch nicht einfach, dort zu reiten.“ Ins Schwärmen gerät die Ausgezeichnete beim Publikum. In der Abreithalle habe man überhaupt nicht erkennen können, ob der Reiter zuvor null Fehler geritten ist oder aus welchem Land er kommt. „Die Leute waren für alle Starter immer gleich begeistert.“

Dass auf diesem Niveau schon mal Autogrammwünsche erfüllt werden müssen, gehört dazu. „Ich muss dabei aber immer schmunzeln und daran denken, wie ich vor Jahren mir ganz schüchtern in Gahlen ein Autogramm von Christian Ahlmann geholt habe“, erzählt Vanessa Borgmann. „Und dann läuft man plötzlich mit Ludger Beerbaum in Paris durch den Parcours und er meint: Vanessa, was soll ich dir sagen, reite so wie immer.“

Ihre Lockerheit vor großen Herausforderungen hat sich herumgesprochen. „Innerlich bin ich aber schon sehr angespannt. Genau wie die Pferde brauche ich nach den Prüfungen Zeit, um wieder runterzukommen.“ Für den körperlichen Ausgleich geht die Weselerin ins Fitnessstudio. Rückenschmerzen habe sie aber eigentlich nur nach einem ganzen Tag im Büro. Vanessa Borgmann ist Auszubildende im dritten Lehrjahr zur Groß- und Außenhandelskauffrau.

Künftige Besuche auf dem „Acker“

Demnächst stehen das CHIO in Aachen und die deutschen Meisterschaften in Balve an. Wie es auf längere Sicht weiter geht, ist unklar – das Thema Profi im Hause Borgmann noch nicht vom Tisch. „Vielleicht werde ich mich nach der Ausbildung ein Jahr lang nur auf Reiten konzentrieren“, sagt Borgmann, wohl wissend, dass für die Erfolge gute Pferde die Grundlage sind.

Schmusen mit den Pferden

Ihr DM-Siegerpferd Quismy des Vaux wurde von ihrem Nachfolge-reiter Kevin Staut für den ganz großen Sprung als nicht gut genug empfunden und verliehen. Ihr jetziges Toppferd, der neunjährige Wallach Come to Win, weckt nicht nur wegen des Namens erneut Begehrlichkeiten in größeren Ställen. Wie lange sie ihn noch reiten darf, steht in den Sternen. „Für Profis sind Pferde Sportgeräte, aber ich schmuse immer noch sehr gerne mit ihnen“, sagt die 22-Jährige, ohne Vorwürfe zu erheben. „Als Profi kann man sich zeitlich abseits vom Reiten gar nicht so intensiv um die einzelnen Pferde kümmern, dafür benötigt man Leute.“

Den siebenjährigen Lucky You wird Vanessa Borgmann wie die anderen Pferde davor wieder selbst behutsam an Hindernishöhen auf S-Niveau heranführen. „Er hat viel Potenzial, auch mit ihm habe ich ein gutes Gefühl.“ Vielleicht wird ja auch sein Name einmal Programm für Ross und Reiterin.