Überheblich und stümperhaft: HSV-Trainer übt harte Kritik

Pascal Krause versucht die Flanke auf Julian Weirather: Eine der vielen erfolglosen HSV-Angriffsbemühungen.
Pascal Krause versucht die Flanke auf Julian Weirather: Eine der vielen erfolglosen HSV-Angriffsbemühungen.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Das war wenig bis gar nichts: Fußball-Bezirksligist Hamminkelner SV kam gegen den Tabellenletzten TuB Bocholt nicht über ein 1:1 hinaus.

Hamminkeln..  Das dumpfe Zuschlagen der Kabinentür schallte bis zu den Trainerbänken auf der anderen Seite des Platzes. Konnte es ein präziseres Sinnbild für die miese Stimmung beim Fußball-Bezirksligisten Hamminkelner SV geben als Raik Wittigs wütenden und lauten Abgang?

Der Tabellenletzte TuB Bocholt hatte vier Minuten vor dem Abpfiff zum verdienten 1:1 (1:0)-Endstand ausgeglichen, da bedeutete HSV-Trainer Jörg Gonschior seinem zum Wiederanstoß bereiten Torjäger, dass er von ihm genug gesehen hatte. Wittig traute seinen Ohren nicht und fragte zweimal nach, ob wirklich er ausgewechselt werden solle. Dann schüttelte er verständnislos den Kopf und stapfte erbost direkt in Richtung der Umkleideräume. Dort kam er kurz darauf an, wie deutlich zu hören war.

„Ich hätte auch jemand anderen auswechseln können, aber ich hatte bei Raik nicht mehr das Gefühl, dass er noch etwas bewegen würde“, erklärte Gonschior den Tausch mit Mohamed Baydoun. „Raik ist damit nicht gut umgegangen.“ Dessen offen zur Schau getragene Enttäuschung machte den Nachmittag für die Hamminkelner endgültig zu einer unseligen Veranstaltung.

„Mit dieser Leistung haben wir nichts in der Bezirksliga verloren. Das war B-Liga-Niveau“, sagte Gonschior, und jeder wusste, dass dies keine Übertreibung war.

In einer ersten Halbzeit, in der sich beide Mannschaften an Harmlosigkeit überboten, ging der HSV mit der einzigen Chance in Führung. Und selbst in einem gutklassigen Spiel hätte dieser schöne Spielzug herausgestochen: Tom Wirtz erkämpfte sich mit einer Grätsche an der Seitenlinie den Ball und passte zu Alexander Höppner, der Wittig mit Übersicht einsetzte und Sekunden später über dessen Coolness vor dem Tor jubelte (37.).

„Wir waren allerdings von der ersten Minute an überheblich und teilweise stümperhaft“, urteilte Gonschior schonungslos. Es war schwer zu glauben, aber die Realität, dass seine Elf dieses Niveau in der zweiten Hälfte sogar noch unterlief. Die keineswegs furchteinflößenden Bocholter erspielten sich Chance um Chance: Dreimal hielt HSV-Torhüter Sascha Tünte (50./60./79.), dann stocherte Michael Elsenbusch den Ball zum 1:1 über die Linie (83.). Angesichts weiterer TuB-Möglichkeiten danach mussten die Hamminkelner sogar glücklich sein, überhaupt einen Punkt behalten zu dürfen.

HSV: Tünte; El Toufaili, Jörgens, Hütten, Sweers, Höppner, Wirtz, Storm (46. Krause), Weirather, Lamsat (68. Hollenberg), Wittig (83. Baydoun).