Top-Talente im Badminton liebäugeln mit Olympia-Medaille

Aaron und Elina Sonnenschein mit ihren Medaillen von den westdeutschen Meisterschaften. Die Badminton-Talente des BV Wesel RW erhielten als Lohn für ihre sportliche Leistung – fünf Titel hatten die Geschwister insgesamt gewonnen – den Sportpreis des Monats.
Aaron und Elina Sonnenschein mit ihren Medaillen von den westdeutschen Meisterschaften. Die Badminton-Talente des BV Wesel RW erhielten als Lohn für ihre sportliche Leistung – fünf Titel hatten die Geschwister insgesamt gewonnen – den Sportpreis des Monats.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Elina und Aaron Sonnenschein vom BV Wesel RW haben zusammen fünf Titel bei den westdeutschen Badminton-Meisterschaften geholt. Dafür erhielten sie den Sportpreis des Monats.

Wesel..  Mehr als einmal haben sie mitbekommen, wie ihre älteren Vereinskollegen des BV Wesel RW den Sportpreis des Monats erhalten haben. Verdient hätten sie diesen selbst ebenfalls schon länger, doch bei Kindern jüngeren Alters möchte die Jury des Stadtsportverbandes in Sachen Rampenlicht nichts überstürzen. Anfang des Jahres hatten sich Aaron und Elina Sonnenschein mit insgesamt fünf Titeln bei den westdeutschen Badminton-Meisterschaften aber wieder genau in eben jenes Rampenlicht hineingespielt und wurden nun dafür mit dem mit einem Warengutschein in Höhe von 500 Euro verbundenen Sportpreis des Monats ausgezeichnet. Gesponsert wird diese Fördermaßnahme von der Volksbank Rhein-Lippe und Ropa-Sport, gefördert von der Stadt Wesel und dem Stadtsportverband sowie exklusiv präsentiert von der Neuen Rhein Zeitung.

An seine Badminton-Anfänge, daran kann sich Aaron nicht mehr so genau erinnern. „Im Sommerurlaub vor sechs Jahren“, hilft Vater Carsten Sonnenschein aus. Davon gebe es auch Fotos, kontert er die ungläubigen Blicke seines Sohnes. Federball am Strand war es damals, damit möchte der 13-Jährige wahrlich nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Seine Schwester Elina weiß, dass es ihr sofort Spaß gemacht hat. „Ich bin mit dem Sport aufgewachsen“, sagt sie. Bei der Elfjährigen ging es vor vier Jahren los und wie bei ihrem Bruder mit einer rasanten Entwicklung.

Die Geschwister Sonnenschein zählen zu den größten Talenten im deutschen Badmintonsport, Elina gilt sogar als Nummer 1 ihres Jahrgangs 2004. Aaron bekommt als jüngerer Jahrgang in der U 15 gerade die „Wettbewerbsverzerrung“ durch die unterschiedlichen körperlichen Entwicklungen in der Wachstumsphase zu spüren. Dass der Deutsche Badminton-Verband (DBV) aber auch weiterhin auf die Nummer 4 der U 15-DBV-Rangliste setzt, unterstrich er durch Aarons Berufung in den nur 64 Köpfe großen Verbandskader.

Viermal pro Woche trainieren die beiden, jeweils zweimal in Wesel sowie in Mülheim oder im Fall von Aaron auch Langenfeld. Hinzu kommen die zahlreichen Turniere oder Lehrgänge am Wochenende. „Badminton ist vielseitiger und anspruchsvoller als viele andere Sportarten. Man muss nicht nur schnell laufen und hart schlagen können, sondern braucht Schnellkraft, Ausdauer, Technik und Taktik“, begründet Aaron Sonnenschein seine Leidenschaft, die ebenso wie bei seiner Schwester einmal in der Weltspitze enden soll. Unisono geben sie die Top Ten der Weltrangliste als Karriereziel an. „Und eine Medaille bei Olympia“, ergänzt Aaron.

Ob sie bereits den Leistungsdruck spüren? „Teilweise schon, aber es macht trotzdem viel Spaß“, sagt Elina, deren Überkopf-Schlag als Blaupause für ein Lehrbuch dienen könnte. Bei Aaron ist der Druck „eigentlich noch nicht so angekommen. Aber man merkt schon, wie viele Leute sich um einen kümmern.“ Unterstützt werden die Geschwister derzeit von einem Sportgeschäft, Ausrüsterverträge sollten aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Jugend-DM in Gera steht an

Damit sind die Vorbilder bereits reichlich ausgestattet, es sind die Superstars des Badminton-Sports. Die Spanierin Carolina Marín hat es geschafft, als zweifache und amtierende Weltmeisterin die asiatische Dominanz im Badminton zu durchbrechen. Der Malaysier Lee Chong Wei prägt seit über einem Jahrzehnt das Gesicht seines Sports.

Doch Medaillen und Meisterschaften – Aaron startet am Wochenende bei der Jugend-DM in Gera – rücken für Vater Carsten Sonnenschein ein wenig in den Hintergrund. Für ihn ist es wichtiger, dass seine Kinder in der Realschule keine Probleme haben und glücklich aufwachsen. Er würde es zudem begrüßen, wenn die Rot-Weißen es schaffen könnten, mit Rainer Diehl einen äußerst erfahrenen Nachwuchscoach zu verpflichten und so mehr Top-Training vor Ort anbieten könnten. „Aaron und Elina sind noch sehr jung und der Profisport ist so weit weg“, sagt Carsten Sonnenschein, der selbst früher regelmäßig beim BV zum Schläger griff.

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Dabei sieht er eine Profi-Karriere auch kritisch. „Man muss sich nur einmal die Preisgelder im Badminton anschauen. Lee Chong Wei hat als Superstar über die vielen Jahre in seiner Karriere 1,5 Millionen Dollar stehen, Angelique Kerber hat für den Sieg bei den Australian Open im Tennis alleine schon 2,2 Millionen Euro bekommen“, rechnet Sonnenschein Senior vor. „Sicherlich kommen da auch im Badminton noch Sponsoren- und Mannschaftsgelder hinzu. Aber es ist als Badminton-Profi schon etwas anderes als in vielen anderen Sportarten, davon leben zu können.“

Das müssen die Geschwister Sonnenschein in naher Zukunft auch nicht. Gegessen wird nach wie vor zu Hause und Olympia gibt es bald wieder im Fernsehen. Sogar Badminton, nicht Federball am Strand.