Stroetzel: „Schermbecks Chancen stehen 50:50“

Drückt seinem langjährigen Verein die Daumen: Der Schermbecker Martin Stroetzel.
Drückt seinem langjährigen Verein die Daumen: Der Schermbecker Martin Stroetzel.
Foto: Haenisch / waz fotopool

Am Niederrhein..  15 Jahre lang war Martin Stroetzel (Spieler-) Trainer der Fußballer des SV Schermbeck, führte die Rot-Weißen von der Bezirks- bis in die Oberliga. Dorthin soll es am Sonntag wieder gehen, wenn der mittlerweile von seinem langjährigen Weggefährten und Freund Christoph Schlebach trainierte SVS im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in Recklinghausen gegen Westfalia Wickede antritt. Untereinander haben sich die beiden natürlich bereits über den Kontrahenten ausgetauscht. Auch NRZ-Mitarbeiter Andreas Nohlen sprach mit dem 49-Jährigen im Vorfeld.

Herr Stroetzel, wie geht’s?

Gut! Ich genieße die Ruhe nach der Saison und freue mich auf den Urlaub mit meiner Frau im Lechtal. Wandern, frische Kuhmilch trinken und Ziegenkäse essen.

War es ein komisches Gefühl, nach 15 Jahren in Schermbeck zu einem anderen Verein zum Training zum fahren?

Nein. Ich habe vor meiner Zeit in Schermbeck ja auch bei einigen anderen Vereinen gespielt.

Sie haben den DSC Wanne-Eickel vor zweieinhalb Jahren im Winter als Abstiegskandidaten in der Westfalenliga übernommen, mit 32 Punkten in der Rückrunde gerettet, einen Umbruch eingeleitet und die jüngste Saison mit nur 25 Gegentreffern als Tabellenvierter abgeschlossen. Trotzdem wurde der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert. Warum?

Ein Verein braucht ein Ziel und einen klaren Weg dorthin. Diesen Weg muss man bis zu Ende gehen wollen. Zuletzt hatte ich nicht das Gefühl, dass das dort der Fall ist.

In der Meisterschaft haben sie zweimal gegen den Schermbecker Relegationsgegner Westfalia Wickede gespielt, zu Hause 1:0 gewonnen, auswärts 1:2 verloren. Was können sie über den Vizemeister der Staffel 2 erzählen?

Sehr viel! Wickede ist eine gewachsene, ausgebuffte Mannschaft mit einer starken Offensive. Sie haben mit Tim Schrade einen großen, aber beweglichen Angreifer, der auch mit dem Ball umgehen kann. Und er ist nicht der einzige, der dort Tore schießen kann. Sie wissen um ihre Möglichkeiten und entscheiden die Spiele häufig erst sehr spät.

Wie bringen sie den Ball am liebsten nach vorne?

Wickede hat ein gutes Flügelspiel und kann sehr schnelle Konter mit einstudierten Laufwegen fahren. Sie provozieren gerne Standards, weil sie auch dabei sehr gefährlich sind. Dazu zählen auch die sehr weiten Einwürfe.

Schwächen?

Die robuste Innenverteidigung muss man in Bewegung bringen. Wenn sie einmal richtig stehen, wird es schwer. Sie lassen sich sogar ganz gerne mal zurückfallen, gehen dann aber richtig dazwischen und kontern. Trotzdem hat der SV Schermbeck mit seiner starken Offensive die Qualität, in den Rücken der Abwehr zu kommen.

Wickede spielt zu Hause ausschließlich und auch auswärts häufig auf Kunstrasen. Das Endspiel um den Oberliga-Aufstieg findet im Stadion Hohenhorst auf Naturrasen statt. Ein Vorteil für den SVS, der zu Hause nach Möglichkeit immer auf Rasen spielt?

Es sollte zumindest kein Nachteil sein.

Wie sehen sie die Chancen für den SVS?

50:50.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen sie?

Gegen Coesfeld habe ich in Schermbeck wieder einige Leute im Trikot gesehen. Im Ort merkt man, dass die Mannschaft wieder mehr angenommen wird. Wickede hat einen kleinen Fanclub, dort ist einiges los. Für Sonntag rechne ich mit 1500 bis 2000 Zuschauern.

Sie sind natürlich darunter, oder?

Leider nicht, ich wandere dann schon in den Bergen. Aber ich drücke dem SV Schermbeck mit seinem Trainerteam natürlich die Daumen. Die Oberliga wäre für den Verein deutlich attraktiver als die Staffel 1 der Westfalenliga. Ich denke, dass dort auch wieder mehr Zuschauer kommen würden.

Auf welcher Trainerbank werden wir sie als nächstes sehen?

Ich hatte zwei, drei Anfragen, aber es gibt nichts Konkretes. Ich habe es damit aber auch nicht eilig.

Muss es für sie unbedingt Richtung Westfalen gehen?

Nein, das ist mir egal. Die Kinder sind erwachsen und ich bin mobil. Auch die Liga ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass alle im Verein an einem Strang ziehen. Ich brauche in einem Verein Manpower – und dann Attacke!