Stefan Tigler holt nach einer Zitterpartie den DM-Titel

„Höhenflug“: Stefan Tigler steigerte seine Hallen-Bestleistung um sieben Zentimeter auf 2,15 Meter und gewann den deutschen Titel.
„Höhenflug“: Stefan Tigler steigerte seine Hallen-Bestleistung um sieben Zentimeter auf 2,15 Meter und gewann den deutschen Titel.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Was wir bereits wissen
Hochspringer des Weseler TV droht bei der U 20-DM in Neubrandenburg schon bei 2,02 Meter das Aus, doch dann läuft er zu großer Form auf.

Wesel..  Stefan Tigler nahm es einfach nur zur Kenntnis. Gerade waren seine zwei verbliebenen Konkurrenten bei der deutschen Meisterschaft in Neubrandenburg an den von ihm im ersten Versuch gemeisterten 2,11 Meter gescheitert. Doch eine emotionale Regung blieb beim Hochspringer des Weseler TV aus. „Im ersten Moment habe ich das gar nicht realisiert, überhaupt nicht verstanden“, erzählt der 18-Jährige. Kai Köllmann half weiter: Der nun für den TV Wattenscheid sprintende Ex-Klubkollege stürmte auf ihn zu, riss Tigler jubelnd in seine Arme. Da kam die Botschaft auch bei Stefan Tigler an: Deutscher Meister in der U 20-Klasse. Mit den 2,15 Metern im ersten Versuch pulverisierte er anschließend noch seine bisherige Hallen-Bestleistung (2,07 m).

Dabei lagen Triumph und mögliche Enttäuschung für den „Höhenjäger“ in Neubrandenburg ganz dicht beieinander. Zwei Fehlversuche über 2,02 Meter. „Hätte ich die Höhe nicht geschafft, dann wäre ich Vorletzter geworden“, sagt Tigler. Im dritten Anlauf wackelte die Latte ein kleines bisschen, sprang aber nicht aus der Verankerung. Die nächste Höhe, die nächste Zitterpartie. Auch bei 2,05 Meter riss er zweimal. „Da war ich ganz schön angespannt und nervös“, räumt der WTV-Athlet ein. Auf Anraten seines Trainer Hans-Jörg Thomaskamp verlegte er den Anlaufpunkt ein wenig nach vorne. Nun passte alles – 2,08, 2,11 und 2,15 Meter jeweils im ersten Versuch.

Sehr zur Freude auch von Thomaskamp, der für seinen Schützling nur lobende Worte fand. „Das war großartig, wie er sich aus der heiklen Situation herausgezogen hat.“ Erstmals in dieser Saison habe Stefan Tigler es geschafft, einen Wettkampf zu drehen, in dem es zu einem Spannungsabfall gekommen sei. Dass er solche Höhen springen könne, davon war der 57-Jährige überzeugt. „Im Training vor der DM ging es ohne Probleme über 2,10 Meter“, so Thomaskamp. Die drei Fehlerversuche über 2,18 Meter wertet der Coach als Annäherungsversuche. „Es ist wichtig, dass er sich an solche Höhen herantraut und gewöhnt.“

Nach dem Titelgewinn, „von dem ich wirklich nur geträumt habe“ (Tigler), folgte die Einladung des deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zum U 20-Länderkampf mit Frankreich und Italien im französischen Lyon (28. Februar/1. März), ehe die Vorbereitung auf die Freiluft-Saison beginnt. „Wenn ich die Höhe da noch mal schaffe, wäre das wohl die Qualifikation für die Europameisterschaft. Das wäre der Hammer“, sagt Stefan Tigler, dessen Bestmarke „draußen“ bei 2,13 Meter liegt. Bei der Junioren-Gala in Mannheim (27./28. Juni) werden die Tickets für die EM vergeben, die vom 16. bis 19. Juli im schwedischen Eskilstuna stattfindet.

Siege für Köllmann und Trutenat

Mit einer Bestleistung wartete in Neubrandenburg auch Simon Heweling auf. Der 16-Jährige wurde im Vorlauf über 200 Meter nach 22,03 Sekunden gestoppt, im Finale bedeuteten 22,16 Sekunden Rang fünf. „Er war der schnellste des jüngeren Jahrgangs, außerdem kann man auf Bahn zwei nicht schneller laufen“, meint sein Trainer Mecky Emmerich. Die fünftbeste Vorlaufzeit brachten Heweling nur in die Verlosung von Bahn eins oder zwei. „Mit meiner Platzierung bin ich sehr zufrieden, die Konkurrenz war schließlich teilweise vier Jahre älter als ich“, sagt Simon Heweling. Die Zeit im Endlauf hatte ihm allerdings nicht so gefallen. „Mein Ziel war es eigentlich unter 22 Sekunden zu laufen.“

Als Mitglied der 4 x 200 Meter-Staffel der Startgemeinschaft Rhede/Sonsbeck/Wesel erreichte Heweling zusammen mit den WTV-Kollegen Fabian Wenning und Lars Klösters sowie Henry Vißer aus Rhede den B-Endlauf. Als Gesamt-Siebter verbesserte das Quartett die eigene Bestleistung auf 1:31,50 Minuten. Auf den 60 Meter-Sprint verzichtete Heweling. „Die Entscheidung habe ich ihm überlassen“, so Coach Mecky Emmerich. DM-Erfahrungen sammelte Anna Storm in Neubrandenburg. Die Weselerin landete mit der Startgemeinschaft-Staffel über 4 x 200 Meter in 1:43,32 Minuten auf dem zwölften Platz.