Rütter: „Ich brauche drei Jahre Abstand - mindestens!“

Eine der letzten und emotionalsten Aktionen von Roger Rütter als Trainer des PSV war es, Necati Güclü nach dessen 1:0-Siegtreffer gegen Rellinghausen einzufangen. Damit verhinderte der Angreifer in Minute 90 die Relegation.
Eine der letzten und emotionalsten Aktionen von Roger Rütter als Trainer des PSV war es, Necati Güclü nach dessen 1:0-Siegtreffer gegen Rellinghausen einzufangen. Damit verhinderte der Angreifer in Minute 90 die Relegation.
Foto: Funke Foto Services

Wesel..  Wenn die Landesliga-Fußballer des PSV Lackhausen am Sonntag unter der Regie von Björn Assfelder in die Vorbereitung auf die neue Saison einsteigen, ist er nicht mehr dabei. Nach unzähligen Partien selbst auf dem Platz, zwölf Jahren als Coach im Nachwuchsbereich, drei Jahren bei der Reserve und fünf weiteren als Trainer der ersten Mannschaft sucht man Roger Rütter in diesen Tagen vergeblich am Molkereiweg.

„Ich freue mich tierisch darauf, im Sommer nicht mehr fünf bis sechs Abende pro Woche am Platz zu sein, sondern mehr Zeit für die Familie zu haben“, so der 40-Jährige. „Anfang des Jahres keine Gespräche mit den Spielern bezüglich der nächsten Saison mehr führen zu müssen, war schon eine große Erleichterung. Das Organisieren der Testspiele sind nach so vielen Jahren nur noch sieben, acht Telefonate. Aber die Vorbereitung selbst ist auch als Trainer schon ein enormer Aufwand. Phasenweise sehen einen die Kinder nur an der Linie und dort steht man immer unter Strom.“

Mit dem 1:0-Siegtreffer am letzten Spieltag in der Schlussminute gegen den ESC Rellinghausen hatte der PSV die Abstiegsrelegation aus der Landesliga vermieden und durfte auf seiner Mannschaftsfahrt kräftig feiern. „Normal konnte das auch nicht enden. Es war der Abschluss einer richtig intensiven und emotionalen Saison“, so Rütter, der den PSV vor zwei Jahren als erste Mannschaft aus Wesel mit dem Aufstieg in die Oberliga Niederrhein über die Landesliga hinaus geführt hatte. Dort wurden die Grünen ohne höherklassige Verstärkung gewogen und für zu leicht befunden. In Baumberg wurde es sogar zweistellig. „Ich bleibe dabei, dass uns diese Erfahrungen, die tolle Meistersaison, aber auch die Oberliga mit allem drum und dran, noch mehr zusammengeschweißt haben“, so der Weseler. „Ich bin überzeugt davon, dass wir uns auch in vielen Jahren noch treffen und Geschichten davon erzählen werden.“

Fast mehr gestört als sportlicher Misserfolg haben den nun ehemaligen Coach „die Zuschauer, die alles schlecht reden und nur dann kommen, wenn es nicht so läuft“, so Rütter. „Mit dem Druck als Trainer muss man lernen umzugehen und diese Neider gehören vielleicht heutzutage dazu. Aber für mich waren die Spieler und deren Schutz immer das Wichtigste.“ Das soll nicht bedeuten, dass bei den Postsportlern in den letzten fünf Jahren immer nur Friede, Freude Eierkuchen herrschte. „Es muss auch mal Scheppern, sonst kann man kein Feuer entfachen. Die Jungs wussten, wenn es ernst wird. Aber man darf sich auch nicht zu schade sein, sich zu entschuldigen, wenn man den Bogen mal überspannt hat.“

„Man konnte sich auf alle verlassen“

In diesem Zusammenhang möchte er sich auch noch einmal bei allen Spielern, Co-Trainern, Betreuern und Helfern bedanken. „Wir haben ein tolles Team, man konnte sich immer auf alle verlassen. Ich denke, dass wir da eine richtig gute Truppe aufgebaut haben.“

Er übergibt diese an den 32 Jahre jungen Björn Assfelder, der zwar beim VfL Rhede und zuletzt wieder drei Jahre bei seinem Heimatverein PSV höherklassig gespielt hat, für den es aber die erste Trainerstation ist. Zudem ist der ehemalige Kapitän zusammen mit Stefan Terhorst direkt zum Sportlichen Leiter der Senioren-Kicker bei den Grünen befördert worden. „Ich wünsche ihm viel Erfolg und immer die volle und gleiche Rückendeckung vom Verein, wie ich sie hatte“, so Rütter. „Er soll und wird seine Erfahrungen machen - hoffentlich nicht so viel mit Verletzungspech, wie wir es in den letzten Jahren hatten. Aber wir haben nie gejammert und da bin ich schon stolz drauf.“ Einzig die Entwicklungen in der Reserve, die mit dem Abstieg aus der Bezirksliga endeten, betrüben den 40-Jährigen. „Ich hätte das hier schon gerne mit Aycin Özbek beendet.“

Rütters Erfahrungen beim Tag des Jugendfußballs haben nicht den Wunsch geweckt, seine Söhne Lasse und Mats - zumindest nicht von Beginn an - als Coach bis zu den Senioren zu begleiten, wie er es mit Christopher Abel, Oliver Vos oder Matthäus Cwiek getan hat. „Ganz furchtbar“ findet Rütter den Umstand, dass die Kleinsten im „Fair Play“-Modus ohne Schiedsrichter spielen. „Der PSV bekommt ein Gegentor nach einem klaren Handspieler des Gegners. Die einen jubeln, die anderen sagen nichts - das soll Fair Play sein?“ Rütter weiter: „Da ich mich als einziger darüber aufgeregt hatte, bin ich nach sieben Minuten wieder gegangen. Ich kann das jedenfalls nicht nachvollziehen, wie die Kinder Fußball spielen lernen sollen, wenn sie die Regeln nicht beachten oder kennen.“

Den Ball am Fuß vermisst Roger Rütter derzeit nicht. „Ich habe mir bei einem Spiel mit der Betriebsmannschaft direkt die Schulter ausgekugelt. Ich werde sicherlich wieder mehr Sport treiben. Vielleicht Richtung Ausdauer, aber auf keinen Fall Fußball. Ich brauche drei Jahre Abstand - mindestens!“