Nicht nett, sondern erfolgreich
20.09.2009 | 22:15 Uhr 2009-09-20T22:15:00+0200Schermbeck. Die Aufmunterungsrufe waren durch den ganzen Kabinengang der Dreifachhalle zu hören. Die Fäuste geballt, schworen sich die Handballer des SV Schermbeck auf das Spiel gegen den TV Ratingen ein. Und es wirkte.
Im Gegensatz zum letzten Verbandsliga-Jahr war der SVS beim Heimdebüt in der neuen Saison am Samstagabend kaum wiederzuerkennen, legte eine ganz andere Körpersprache an den Tag und schickte den Oberliga-Absteiger eindrucksvoll mit 30:25 (13:14) zurück nach Ratingen.
Fragend kam Torwart Niklas Bell nach der Partie zu seinem Coach: „Wann haben wir zuletzt 30 Tore gemacht?” Und auch Burkhard Bell musste überlegen. „Jedenfalls kam es in der letzten Saison nicht oft vor”, freute sich der Trainer über eine tolle Kampfleistung seiner Truppe, die dem Gegner mit dessen eigenen Mitteln den Schneid abgekauft hatte.
Dabei erinnerte der Start der Rot-Weißen an eben diese Unterwürfigkeit, die sie in der letzten Spielzeit häufig gegen körperlich überlegene Gegner gezeigt hatten. Mit zu viel Respekt vor der harten Gangart lag man schnell mit 1:4 hinten. „Ich musste die Jungs erst etwas wachrütteln”, sah Bell dann ab Mitte der ersten Halbzeit, die Körpersprache die es braucht, „um in der Verbandsliga bestehen zu können. Wir müssen vor allem kämpfen und nicht nur schön spielen.”
Michael Nölscher hat sich nach seinem Umzug gut eingelebt, auch im Team: „Das war nicht schwer, denn das ist eine Bombentruppe.” Er ist sich sicher, dass „wir mit so einer Leistung früh nichts mit dem Abstieg zu tun haben”.
Zuvor hatte der Coach Michael Nölscher gebracht, der „nach zweiwöchigem berufsbedingten Trainingsausfall keinen Anspruch erheben wollte, von Beginn an zu spielen”, so der Neuzugang. Wie sein Coach sprach er die Bedeutung der Körpersprache an, die er selbst am Kreis vorlebte: „Du darfst kein netter Handballer sein. Wenn du mit drei Toren hinten liegst, musst du dich wehren.”
Und das tat das gesamte Team. Vor allem Frederik Bell und Sebastian Seibel, „der wieder ganz der alte war”, so sein Trainer, drehten mit viel Zug zum Tor den Rückstand in eine 17:15-Führung (33.). Die gab der SVS durch eine aggressive Abwehr bis auf den Ausgleich in einer kleinen Hängephase (21:21/47.) nicht mehr aus der Hand.
Großen Anteil daran hatte auch Philipp Busjan, der – zur Pause für den ebenfalls starken Niklas Bell gekommen – in der Schlussphase fast jeden Ball parierte. Während der SVS seine Angriffe am Ende ruhig ausspielte, verlor Ratingen völlig den Faden. Und so tanzten die Rot-Weißen nach der Partie mit breiter Brust im Kreis.
SVS: Niklas Bell, Busjan; Frederik Bell (7), Robert (6/1), Sebastian Seibel (5), Kerbstadt, Nölscher (je 3), Felisiak, Speckamp (je 2), Hinz, Kuhn (je 1). Christopher Seibel Timmermann, Schuchardt.
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