Lena Fischers „größtes Badminton-Erlebnis“

„Lena ist sehr stark beim Aufschlag und der Annahme“: U 15-Talentteamleiter Benjamin Tzschoppe lobt die Entwicklung des Talents vom BV Wesel, das sich beim Acht-Nationen-Turnier in Frankreich mit der europäischen Spitze duellierte.
„Lena ist sehr stark beim Aufschlag und der Annahme“: U 15-Talentteamleiter Benjamin Tzschoppe lobt die Entwicklung des Talents vom BV Wesel, das sich beim Acht-Nationen-Turnier in Frankreich mit der europäischen Spitze duellierte.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Bundestrainer des U 15-Teams bescheinigt ihr den größten Sprung: Weseler Badminton-Talent Lena Fischer startet erstmals beim Acht-Nationen-Turnier-

Wesel..  Der Alltag holte Lena Fischer nach wenigen Stunden Schlaf ein. Die 14-Jährige saß am Montagmorgen wieder in der 9d des Andreas-Vesalius-Gymnasiums zwischen ihren Freundinnen. „Ich muss ja einiges an Stoff nachholen. Die Schule ist mir wichtig“, sagt sie pflichtbewusst. Fischer hat glücklicherweise einen unerlässlichen Helfer, der ihr beim Lernen und dem Kampf gegen die Müdigkeit hilft: pure Euphorie. Die aufregenden Tage beim Acht-Nationen-Turnier in Frankreich haben ihr dieses Gefühl geschenkt. „Das war mein größtes Erlebnis im Badminton bisher“, meint das Talent des BV Wesel RW.

Seit Fischer von ihrer Nominierung für die wichtigste europäische Veranstaltung in der U 15-Altersklasse erfahren hatte, schwebte und arbeitete sie sich zugleich über den Badminton-Court. „Lena hat in den vergangenen vier, fünf Wochen noch mehr als sonst trainiert und einige Extras gemacht“, berichtet Benjamin Tzschoppe, der das U 15-Talentteam leitet. „Sie hat uns mit der vielleicht größten Steigerung von allen Spielern überrascht.“

Die Weselerin zeigte das Erlernte bereits beim Teamwettbewerb, mit dem das viertägige Acht-Nationen-Turnier in Oradour-sur-Glane begonnen hatte. Nach dem „recht nervösen“ Auftakt mit einer Niederlage gegen ein englisches Doppel, siegte Fischer dreimal überzeugend an der Seite von Monika Weigert gegen Paarungen aus Frankreich, der Schweiz und Belgien. „Es ist ein besonderes Gefühl, wenn die ganze Mannschaft hinter einem steht. Dadurch haben wir sicher ein paar Punkte mehr gemacht“, erzählt sie über ihren zweiten Auftritt im Nationaltrikot. Die deutsche Auswahl belegte im Endklassement einen ordentlichen fünften Platz.

Damit sollte ihre Premiere bei einem großen internationalen Turnier allerdings noch nicht enden. Im Individualwettbewerb spielte sich Fischer im Doppel mit Miranda Wilson bis ins Viertelfinale vor, in dem sie erst den späteren Finalistinnen Line Christophersen/Malene Kaeseler (Dänemark) 15:21, 16:21 unterlagen. „Die beiden haben richtig Tempo und wenige Fehler gemacht“, meint das BV-Eigengewächs anerkennend. Tzschoppe, der viel von seinen Talenten einfordert, bescheinigte Fischer „die wohl Beste auf dem Feld gewesen zu sein. Lena hat gezeigt, dass sie schnell und gefährlich ist und in der europäischen Spitze mitspielen kann.“

Weseler Trio auf internationalem Parkett

Im Mixed mit Chenyang Jiang erreichte sie die zweite Runde, während sich im Einzel der Kräfteverschleiß bemerkbar machte: In der Haupt- und Trostrunde kam jeweils im ersten Spiel das Aus. „Es waren anstrengende Tage und mein bisher längstes Turnier. Dazu bin ich das erste Mal geflogen“, sagt Fischer. „Aber ich bin richtig froh über die Ergebnisse und Erfahrungen.“

Damit meint die AVG-Schülerin nicht nur die Stunden auf den Feldern im Complexe Sportif Intercommunal. Am Sonntag wurde das komplette deutsche Team von einem Einheimischen durch das alte Dorf Oradour-sur-Glane geführt, in dem die Waffen-SS am 10. Juni 1944 das zahlenmäßig größte Massaker in Westeuropa verübte. 642 Menschen starben bei diesem unvorstellbaren Kriegsverbrechen.

Die ergriffenen deutschen Badminton-Nachwuchsspieler sahen nun die Einschusslöcher in der Kirche und die verrosteten Reste des historischen Ortes, den Bundespräsident Joachim Gauck im September 2013 Hand in Hand mit dem französischen Präsidenten François Hollande besucht hatte. „Die Kinder sind mit der beeindruckenden Situation sehr reflektiert umgegangen“, erzählt Tzschoppe. „Wir alle wurden in Oradour-sur-Glane sehr herzlich als Zukunft Europas empfangen.“