Kirsten de Baey vor Ironman-Debüt in Frankfurt

Nach ihren zahlreichen Lauferfolgen steigt Kirsten de Baey immer intensiver in den Triathlon ein.
Nach ihren zahlreichen Lauferfolgen steigt Kirsten de Baey immer intensiver in den Triathlon ein.
Foto: NRZ

Hamminkeln..  Am liebsten würde sich Kirsten de Baey jetzt den Helm aufsetzen, auf ihr Fahrrad steigen und eine 150-Kilometer-Runde über den flachen Niederrhein abspulen. Und danach würde sie vielleicht noch die Laufschuhe schnüren und um das Schwarze Wasser joggen. Allein: Die 25-Jährige hat sich in diesen Tagen selbst verboten, das zu tun, was sie liebt. „Es ist nicht einfach, die Füße still zu halten“, sagt sie und weiß doch, dass diese Selbstdisziplin bis zum kommenden Sonntag notwendig ist. Dann möchte de Baey möglichst frisch ihre Premiere über die Ironman-Distanz in Frankfurt am Main und den vorläufigen Höhepunkt ihrer noch jungen Triathlon-Laufbahn feiern.

Bei dem Rennen in der Bankenmetropole kämpfen die Profis um die Europameisterschaftstitel, für die Hamminkelnerin geht es vor allem darum, „gesund im Ziel anzukommen“. Deswegen hat sie in dieser Woche die Trainingsumfänge auf rund eine halbe Stunde pro Tag heruntergefahren. „Jetzt zählt es, ein wenig in Bewegung und fit zu bleiben“, erklärt de Baey. Sie versucht, ihren Körper zu verstehen, sie horcht in sich hinein, um zu lernen. „Denn ich habe ja gar keine Erfahrung“, bekennt sie vor der sportlich größten Herausforderung ihres Lebens.

Ein Neuling ist de Baey gleichwohl nur über die Langdistanz, auf der sie am Sonntag 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und abschließend einen Marathon laufen wird. Seit ihrem ersten Triathlon 2012 in Voerde hat sie auf kürzeren Strecken bereits eine gewisse Routine erlangt.

Dies zeigte sich zuletzt eindrucksvoll bei ihrem späten Start in die Wettkampf-Saison in Bocholt, wo sie den Mittel-Triathlon in 4:36,24 Stunden gewann und sich selbst überraschte. „Ich hatte eine harte Trainingswoche hinter mir und bin ohne Erwartungen angetreten“, sagt de Baey, die im Winter von Erkältungen geplagt worden war und erst im Frühjahr auf Ibiza ihre Form aufbauen konnte.

Kein Zeit mehr fürs Reiten

In Bocholt misslang jedoch der Start: „Ich hatte im Wasser ziemliche Probleme und zwischen den vielen Leuten eine Panikattacke“, erzählt sie. Bis zur ersten Boje schwamm sie nur im Bruststil. „Das Gewühl am Anfang ist am schlimmsten. Schwimmen ist für mich keine Hass-Disziplin, aber ich brauche Zeit, um meinen Rhythmus zu finden.“ Auf dem Rad holte die Triathletin des Hamminkelner SV auf und übernahm beim Laufen die Führung, die sie souverän ins Ziel brachte. „Es war ein Traum und hat sich gar nicht so anstrengend angefühlt“, meint de Baey im Rückblick.

Dabei geht sie durchaus gerne an ihre Grenzen und darüber hinaus: „Beim Triathlon kann man sich einfach super auspowern und lernt mentale Stärke. Es ist ein gesellschaftlicher Sport, aber gleichzeitig ist man viel mit sich selbst beschäftigt.“ Kirsten de Baey hat den Einstieg über das Laufen geschafft. Bei den Laufveranstaltungen der Region feierte sie in den vergangenen Jahren einige Erfolge und siegte unter anderem beim Flürener Halbmarathon, dem Schermbecker Volkslauf und beim Dreiwiesellauf.

Zuvor war die Bonner Master-Studentin der Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Tierwissenschaften für den RV Jagdfalke Brünen geritten. „Zum Reiten komme ich momentan leider nicht. Ich brauche die Regeneration, und beide Sportarten sind sehr zeitaufwendig“, sagt de Baey.

Ihre Konzentration gilt nun einzig und allein dem Ironman in Frankfurt. Mit einem Freund, der ebenfalls startet, ist sie die Radstrecke bereits abgefahren und kennt auch den Laufkurs. „Ich bin gespannt und fühle mich gut vorbereitet. Obwohl ich gerade vor dem Schwimmen großen Respekt habe, traue ich mir das Rennen zu“, meint de Baey, die von ihren Eltern und vielen mitfahrenden HSV-Kollegen vom Streckenrand unterstützt werden wird. Bereits am Donnerstagabend wird sie voraussichtlich nach Frankfurt reisen, um sich bis zum Startschuss am Sonntag um 7 Uhr in Ruhe eingewöhnen zu können. Bis dahin gilt: Füße still halten.

Auf Hufes Spuren

Interessiert verfolgt Kirsten de Baey die Karriere der Weseler Weltklasse-Triathletin Mareen Hufe: „Es ist eine Wahnsinnsleistung, wie sie den Sport mit ihrem Job verbindet.“ Ein ähnlicher Weg ist für die Hamminkelnerin gedanklich noch entfernt. „Mal schauen, wie es beruflich losgeht. Aber natürlich würde ich Triathlon gerne mit der gleichen Intensität wie derzeit weitermachen.“ Auch ein zukünftiger Start beim legendären Ironman auf Hawaii spuke im Kopf herum. „Das ist der Traum eines jeden Triathleten, davon kann auch ich mich nicht freisprechen“, sagt sie.