Kevin Wolze: „Ich werde nicht nervös“

Am Niederrhein..  Als Außenverteidiger geholt, dann ins offensive und defensive Mittelfeld abgewandert, jetzt wieder hinten links in der Vierer-Abwehrkette gelandet: Kevin Wolze scheint beim Fußball-Drittligisten MSV Duisburg mittlerweile seinen festen Platz gefunden zu haben. Auch beim 3:1-Sieg im Testspiel gegen Bundesligist Werder Bremen zeigte sich Wolze von seiner besseren Seite, führte einige hitzige Duelle mit Werder-Jungstar Davie Selke und fand sogar mehrfach Gelegenheit, sich schwungvoll nach vorne einzuschalten. Gleich zu Beginn gelang Wolze die Vorarbeit zum 1:0 durch Kingsley Onuegbu (4.).

„So ein Test“, fasste der 24-Jährige nach dem Probelauf zusammen, „macht immer Spaß. Werder hat gegen uns mit Raute gespielt. Deswegen hatten Rolf Feltscher auf der rechten und ich auf der linken Seite viel Platz nach vorne. Das haben wir ganz gut ausgenutzt. Trotzdem sollten wir den Erfolg in diesem Freundschaftsspiel nicht zu hoch hängen.“

Wolze ist Realist genug, um nach eineinhalb Jahren in Liga drei genau abschätzen zu können, was den MSV Ende Januar beim Halleschen FC erwartet. „Beim HFC haben wir ein brutal schweres Meisterschaftsspiel zum Auftakt vor der Brust. Halle hat offensiv viel Qualität, das wird für uns nicht ohne. Wir dürfen jetzt nach dem guten Bremen-Test nicht meinen, dass alles so weiter läuft. Wichtig ist, die verschiedenen Dinge auch in den kommenden Tagen und Wochen weiter richtig umzusetzen.“

Wolze geht trotz aller Bescheidenheit fest davon aus, dass die Zebras im Vergleich zur Vorrunde bei der Gesamt-Teamstärke zugelegt haben. „Wir sind jetzt weiter als im vergangenen Sommer“, sagt der gebürtige Wolfsburger, „es ist ein Vorteil, dass unser kompletter Kader die ganze Wintervorbereitung mitgemacht hat. Wir haben Pierre De Wit, Steffen Bohl und Dennis Grote nach langen Verletzungspausen zurück. Mit dem von Union Berlin verpflichteten Martin Dausch ist ein Super-Fußballer dazu gekommen. Er wird uns weiterhelfen, gerade, was den spielerischen Bereich anbetrifft.“

Nach einem durchwachsenen letzten Jahr ist Wolze zurück in der Leistungsspur. „Nach dem Zwangsabstieg waren viele Augen vor allem auf Branimir Bajic und mich gerichtet, weil wir als Stammspieler aus dem Zweitligakader in Duisburg geblieben sind. Dadurch macht man sich zwangsläufig selbst Stress und will es besonders gut machen. Diesmal sieht es etwas anders aus: Wir haben viele Spieler, die schon höherklassig aktiv waren und die jetzt Verantwortung übernehmen. Die Last wird auf mehrere Schultern verteilt. Das macht es einfacher.“

Nach viel Rochieren ist Wolze wieder hinten links in der Abwehrformation gelandet. „Da“, sagt er, „fühle ich mich wohl. Es gibt mittlerweile gewisse Automatismen, die es vorher eben nicht so gab. Ich habe drei Viertel der aktuellen Saison in der Abwehr gespielt. Und es klappt immer besser.“

105 Meisterschaftsspiele hat der frühere U-20-Nationalkicker seit Juli 2011 für die Zebras absolviert. Wolze ist einer der wenigen Profis, die dem Klub trotz aller Wirrungen die Treue gehalten haben. „Duisburg ist für mich etwas Besonderes. Ich habe hier wirklich viel mitgemacht und merke, dass ich mir mittlerweile einen gewissen Stellenwert beim MSV erarbeitet habe.“ Der Vertrag des Allrounders läuft zum 30. Juni 2015 aus. Für viele Fußballer wäre das Anlass genug, mit den Hufen zu scharren. Wolze ist da anders gestrickt. „Ich werde nicht nervös“, sagt er, „es sind noch vier, fünf Monate Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Mir jetzt deswegen Stress zu machen, wäre völlig verkehrt.“ Auch deswegen, weil der Austausch mit Manager Ivo Grlic, den Wolze noch als Mitspieler im Mittelfeld kennen gelernt hat, da ist. „Wir sehen uns fast täglich, natürlich tauscht man sich da aus“, sagt der Außenverteidiger.

Sein Hauptaugenmerk gilt jetzt der Liga. Für den MSV ist alles möglich. Wolze weiß das. „Vielleicht können wir uns in einen Rausch spielen und dadurch Selbstvertrauen tanken. Unser Ziel ist es, noch mehr Siege einzufahren als bisher.“