Holzwarth: „Der Rummel in Deutschland ist schon heftig!“

Froh, dass seine Spieler Glück im Unglück hatten: WSV-Trainer Bernd Pagojus.
Froh, dass seine Spieler Glück im Unglück hatten: WSV-Trainer Bernd Pagojus.
Foto: WAZ FotoPool

Wesel..  Sicher in der Heimat angekommen sind die Kicker der Weseler SV von ihrer Mannschaftsfahrt aus Mallorca, die mittlerweile ungewollt große Berühmtheit erlangt hat. Torwart Marc Holzwarth (21) vom C-Liga-Meister wurde in der Nacht zum Samstag in einer Seitenstraße in Palma de Mallorca wahrscheinlich von einer Kleinkaliberwaffe in den Rücken getroffen. Rund eine Stunde zuvor waren die Feldspieler Jonas Pabel (19) und David Schwarz (27) in dieser Gasse unterwegs. Pabel erlitt einen Streifschuss, das für Schwarz vorgesehene Projektil fand die Polizei in einer Hauswand.

„Ich bin einmal falsch abgebogen, habe kurz angehalten und plötzlich einen stechenden Schmerz gespürt“, so Holzwarth. „Ich habe mich noch umgeguckt, niemanden gesehen und bin dann schnell ins Hotel. Erst dachte ich, mich hätte irgendetwas gestochen. Aber als ich das Blut im T-Shirt und im Spiegel auch noch das steckende Projektil gesehen habe, haben wir doch einen Arzt geholt.“

Die drei geben an, in keinerlei Streitigkeiten verwickelt gewesen zu sein. „Auf Mallorca haben wir später auch noch Scherze darüber gemacht. Aber dann komme ich nach Deutschland, sehe das überall im Internet und mein Telefon steht nicht mehr still“, so Holzwarth. „Was dort passiert ist, ist sicherlich nicht normal und muss aufgeklärt werden. Aber der Rummel hier ist schon heftig. Ich komme mir vor wie ein Talkmaster.“ Der 21-Jährige hofft auf sich schnell glättende Wogen und Schwellungen. „Die Stelle im Rücken ist blau gefärbt und tut noch weh, aber die Wunde verkrustet ganz gut“, so der WSV-Keeper, der davon ausgeht, bald wieder arbeiten gehen zu können.

„Ich kann da nicht viel zu sagen weil ich nicht dabei war. Aber das hätte auch ins Auge gehen können“, meinte WSV-Trainer Bernd Pagojus im wahrsten Sinne des Wortes. „Den Jungs geht es körperlich ganz gut, niemand wurde nachhaltig verletzt. Trotzdem ist so etwas keine Bagatelle“, so Pagojus. „Zudem bin auch ich erschrocken darüber, dass sich dort niemand gekümmert hätte, wenn wir nicht locker gelassen hätten.“

Die vom Hotel informierte Polizei hatte sich geweigert, für den Vorfall auszurücken und wollte die Personen stattdessen auf der Wache sehen. „Wir fahren mit den verletzten Jungs doch nicht zehn Kilometer bis zur Wache und stellen uns dort in eine Schlange“, so WSV-Vorsitzender Jürgen Lantermann. Der Weseler Polizist hatte Kontakt in die Heimat aufgenommen, über den Behördenweg kam dann doch noch Bewegung in die Sache. Vor dem Abflug am Sonntag waren die Fußballer mit der Polizei am Tatort. „Sie wollten aber noch nicht einmal das Projektil als Beweismittel sicherstellen“, wunderte sich Lantermann über die Arbeit der Kollegen auf der Insel. Also nahm der Getroffene das aus seinem Rücken entfernte „Andenken“ mit nach Hause.

„Ich war zum ersten Mal bei einer Mannschaftsfahrt dabei“, so Lantermann. „Dieser Vorfall passte überhaupt nicht in das friedliche und lustige Gesamtbild dort. Wir sind froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist. Aber einfach abhaken kann man so etwas auch nicht.“ Viel Hoffnung auf Aufklärung besteht nicht.