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Leichtathletik

Höhenjagd mit zwei Weltrekorden

15.02.2010 | 17:40 Uhr
Höhenjagd mit zwei Weltrekorden

Wesel. Die vergangenen zwei Jahre waren für den für den Weseler TV startenden Stabhochspringer Wolfgang Ritte sicherlich die schönsten und wohl auch erfolgreichsten in seiner knapp 50-jährigen Leichtathletik-Karriere.

Zum wiederholten Male konnte er den Seniorenweltrekord verbessern, Welt- und Europameistertitel erringen und wurde deshalb 2008 vom Welt-Leichtathletikverband in Monaco zum weltbesten Seniorenathleten gewählt. 2009 folgte in Griechenland die Auszeichnung als bester Masterathlet Europas.

Steve Chappell, Geschäftsführer einer amerikanischen Sportartikelfirma, die zu den führenden Herstellern von Stabhochsprungstäben in der Welt zählt, lud Ritte nun zum größten Stabhochsprungmeeting der Welt in die USA nach Reno in Nevada ein. Hierher reisen jedes Jahr knapp 1000 Stabhochspringer, um die neuesten Entwicklungen im Stabhochsprung zu erfahren und um vor einer unglaublichen Kulisse auf elf nebeneinander stehenden Stabhochsprunganlagen zu springen.

In diesem Jahr sprangen zeitgleich so außergewöhnliche Athleten wie Nick Hysong (Olympiasieger in Sydney 2000) und Toby Stevenson (Olympiazweiter von Athen 2004) sowie die 50 besten amerikanischen Master-Vaulter, wie in Amerika die Stabhochsprung-Oldies genannt werden, mit.

Info
Titel-Hattrick bei der DM

Die deutschen Meisterschaften der Senioren in Sindelfingen wurden wieder einmal zu einem Triumphzug des Wolfgang Ritte. Gleich drei Titel sicherte sich der Ausnahmeathlet unter den „älteren Semestern”.

Selbstverständlich war ihm im Stabhochsprung der M 55-Klasse kein Kontrahent gewachsen. Mit übersprungenen 4,35 Metern ließ er 65 Zentimeter zwischen sich und dem Zweitplatzierten. Auch im Weitsprung gewann er „Gold”. Im letzten Versuch stellte er mit 5,52 Meter die Bestweite im Wettkampf auf. Den „Hattrick” perfekt machte der M 55-Leichtathlet des Weseler TV dann über 60 Meter Hürden. In 9,29 Sekunden reichte es zu Rang eins, 0,02 Sekunden vor dem Zweiten.

Für Wolfgang und seine ebenfalls stabhochspringende Ehefrau Ute sponserten Steve Chappell und Heinz Peters (Europavertreter) den achttägigen Aufenthalt in den Staaten und ließen damit für das Paar einen langjährigen Traum in Erfüllung gehen. Ohne jegliche Verletzungen konnten Wolfgang und Ute das umfangreiche Vorbereitungsprogramm durchführen. Der Weltrekord sollte natürlich in Reno fallen.

Vor einer XXL-Kulisse lief dann auch der Wettkampf in Amerika wie geplant. 4,00 Meter, 4,15 Meter und auch 4,30 Meter überquerte Ritte jeweils auf Anhieb und stand damit als Sieger des Master-Springens fest. Dreimal versuchte sich Ritte jedoch vergeblich an der neuen Weltrekordhöhe von 4,45 Meter. Trotzdem wurde er in den amerikanischen Medien entsprechend gefeiert.

Auch für Ute Ritte war die Teilnahme an diesem größten Stabhochsprungmeeting der Welt überwältigend. Sie blieb in ihrem Wettkampf bis 2,60 Meter ohne Fehlversuch. Als danach allerdings die Latte auf 2,90 Meter gelegt wurde, was für die 58-jährige Stabhochspringerin einen neuen deutschen Rekord bedeutet hätte, scheiterte sie dreimal ganz knapp. Obwohl Wolfgang Ritte als Masters-Sieger die USA verließ, war er mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden.

Die Trainingsergebnisse hatten gezeigt, dass die Verbesserung des Weltrekords möglich gewesen wäre. Deshalb entschieden Ute und Wolfgang sich kurzfristig, am 12. Stabhochsprungmeeting im hessischen Alsfeld teilzunehmen. Während Ute mit 2,62 Meter zwar eine Jahresbestleistung aufstellte, jedoch erneut unter ihren Möglichkeiten blieb, lief es für Wolfgang Ritte wie erhofft. 4,02 Meter und 4,22 Meter überquerte er ohne Probleme und versuchte sich an der neuen Weltrekordhöhe von 4,42 Meter.

Im zweiten Versuch wackelte zwar die Latte, blieb aber dennoch liegen. Hallenweltrekord! Allein im Wettkampf konnte er nun die nächste Höhe selbst bestimmen und ließ 4,51 m auflegen. Anlauf, Absprung, Technik, alles passte, so dass er auch diese Höhe übersprang. Hallenweltrekord Nummer zwei!

Ralf Pollmann

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