Hiesfeld: Positive Entwicklung, aber Weghaus geht weg

Am Niederrhein..  Auf den furiosen Start folgte die Ernüchterung. Von den letzten sechs Partien vor der Weihnachtspause verloren die Handballer des TV Jahn Hiesfeld fünf. Ein Umstand, der die Bilanz eines Trainers im Normalfall durchaus trüben könnte, doch Matthias Waclawczyk zeigt sich alles in allem zufrieden mit seinem Oberligisten. „Uns war immer klar, dass wir nicht mit gar keinem oder nur einem Verlustpunkt durch die Hinrunde marschieren würden“, sagt der Coach des Tabellenachten, der insgesamt immer noch einen sehr positiven Eindruck hat: „Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht.“

Damit meint der Übungsleiter einerseits die individuellen Fähigkeiten seiner Schützlinge („Alle haben sich weiter entwickelt“), aber auch die mannschaftlichen, wie lange Zeit zum Beispiel bei der verbesserten Deckungsarbeit zu beobachten war. Grundsätzlich sei der Abstand zu den anderen Teams in taktischer Hinsicht ebenfalls geschmolzen. Ein Beleg für die Fortschritte ist für Waclawczyk auch die Tatsache, dass seine Mannschaft nur gegen Gladbach deutlich unterlag, sonst aber keine einzige Schlappe mit mehr als drei Treffern Differenz kassierte. Vielleicht hätten die „Veilchen“ noch das ein oder andere Spiel mehr für sich entscheiden können, wenn die Mannschaft nach dem bärenstarken Auftakt nicht wieder mit einigen personellen Sorgen hätte kämpfen müssen. Gerade der Ausfall von Arthur Groß, der nach seinem Achillessehnenriss in dieser Saison definitiv nicht mehr zum Einsatz kommen kann, schmerzt den Trainer: „Er ist für mich einer der besten Linksaußen der Liga und ganz wichtig für uns. Ich will aber auch nicht einfach behaupten, dass wir ohne die vielen Ausfälle jetzt wesentlich mehr Punkte hätten“, sagt Waclawczyk. Vier Zähler mehr seien aus seiner Sicht zwar durchaus möglich gewesen, die habe Jahn aber sicher nicht nur auf Grund der Personalsituation liegen gelassen: „In Essen zum Beispiel hätten wir einfach nicht verlieren dürfen.“

Zurück zur Defensivstärke

Positive Höhepunkte waren für den Hiesfelder Coach neben dem deutlichen Derbysieg über den Nachbarn MTV, der die zweite Hälfte der Hinrunde ein wenig aufpolierte, vor allem der klare Heimerfolg über die hoch gehandelten Langenfelder und das in letzter Sekunde errungene 25:24 über Adler Königshof: „Da hat die Mannschaft sich wirklich prima zurückgekämpft.“ Für die am Samstag in heimischer Halle gegen Schlusslicht Vorst beginnende Rückrunde wünscht sich Waclawczyk vor allem, dass sein Team wieder zur Defensivstärke des Saisonstarts zurückfindet. Auch das Umschaltspiel soll verbessert werden.

An der generellen Zielsetzung habe sich im Mühlendorf allerdings überhaupt nichts geändert. Vor der Saison hatten die Hiesfelder einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben. Mit einer erneut ausgeglichenen Bilanz von 13:13 Punkten sollte das zu schaffen sein. Bleibt der TV Jahn nun weitestgehend von Ausfällen verschont, ist aber auch ein positives Punktekonto keine Utopie.

Eine bittere Pille müssen die „Veilchen“ aber noch vor dem Neustart schlucken. Niklas Weghaus wird den Handball-Oberligisten zum Saisonende verlassen. Das große Rückraumtalent hat beim Drittligisten OSC Löwen Duisburg einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

„Ich kann verstehen, dass er diesen Schritt gehen will, bin aber auch der Meinung, dass ihm noch ein bis zwei weitere Jahre bei uns gut getan hätten“, erklärte Jahn-Trainer Matthias Waclawczyk gestern.

Der 19-Jährige, der aus der Jugend des Nachbarn MTV Rheinwacht kommt und in der B-Jugend an den Rotbach wechselte, spielt momentan sein erstes reguläres Jahr bei den Senioren, hatte aber auch in der vorangegangenen Saison schon einige Einsätze im Hiesfelder Herren-Team zu verzeichnen. Damals setzte ihn allerdings eine schwerwiegende Ellenbogenverletzung lange Zeit außer Gefecht.

In der aktuellen Spielzeit konnte der Youngster vor allem dank seiner Dynamik von Beginn an überzeugen und sein großes Potenzial auf beiden Halbpositionen immer wieder zeigen. Dabei kann er aktuell wegen des Besuchs einer Abendschule nur sehr eingeschränkt trainieren.

Dem OSC dürfte der flinke Nachwuchsmann wohl schon in den beiden Vorbereitungsspielen aufgefallen sein, die der Drittligist im Sommer gegen Hiesfeld absolvierte. Beim 32:32 in Rheinhausen steuerte Weghaus neun Treffer bei. „Vielleicht sollten wir besser nicht mehr gegen sie testen“, flachst Waclawczyk, der seinen derzeitigen Schützling bei OSC-Coach Jörg Förderer grundsätzlich gut aufgehoben fühlt: „Der Jörg kann gut mit jungen Leuten.“