Futsal – die eher ungeliebte Variante des Hallenkicks

Im Gegensatz zu den  Erwachsenen ist der Nachwuchs beim Futsal wesentlich weiter: Auch in Wesel finden regelmäßig derartige Turniere statt.
Im Gegensatz zu den Erwachsenen ist der Nachwuchs beim Futsal wesentlich weiter: Auch in Wesel finden regelmäßig derartige Turniere statt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wenn es in die Halle geht, dann gibt es vor allem unter den Erwachsenen keine Frage: Die Stadtmeisterschaft findet als Fußball- und nicht Futsal-Turniert statt. Trotz anderslautender DFB-Vorgabe.

Am Niederrhein..  Am Wochenende fand in der Sportschule Wedau das erste deutschlandweite Futsal-Landesauswahlturnier mit allen 21 Fußballverbänden des DFB statt. Sieger wurde Hamburg. Der Niederrhein, hier war mit Matthäus Cwiek vom PSV Lackhausen auch ein Kicker des Kreises 11 dabei, belegte nach zwei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen Platz 11. Für Christian Riehm war die Veranstaltung eine Wohlfühloase, denn dort wollte jeder Futsal spielen. Das sieht an der Basis ganz anders aus.

„Manchmal kommt man sich schon vor wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft“, sagt der Freizeit- und Breitensportbeauftragte des Kreises Rees/Bocholt, in dessen Ressort Futsal geführt wird. Ihm gefällt diese Variante sehr, vielen Fußballern anscheinend nicht. „Dabei haben die meisten Leute Futsal noch nie gesehen, geschweige denn gespielt“, so Riehm. Das dürfte sich spätestens im nächsten Winter ändern. Denn für 2015 sieht der DFB vor, alle offiziellen Hallenturniere nur noch als Futsal-Veranstaltungen austragen zu lassen. Der Hintergrund ist, dass Futsal die einzige von der FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs ist. Verbreitet ist Futsal vor allem in Südamerika, Südeuropa und Osteuropa, in Spanien gibt es eine Profiliga.

Im Gebiet des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) kommt Futsal dagegen weniger gut an. Bei offiziellen Turnieren wie Stadtmeisterschaften wird der klassische Hallenfußball bevorzugt. „Auf Verbandsebene ist noch nicht endgültig beschlossen, was dann passiert. Aber wahrscheinlich werden diese Turniere verbandsseitig nicht mehr genehmigt“, erläutert Riehm. Im Ruhrgebiet haben zahlreiche Vereine bereits angekündigt, unter diesen Voraussetzungen nicht mehr um den jeweiligen Stadttitel spielen zu wollen. Auch in Wesel hatten sich die Klubvertreter vor den letzten Titelkämpfen gegen die Futsal-Variante entschieden. „Die Weseler Fußballer wollen Fußball spielen und das wird auch so bleiben“, so Walter Großmann, 2. Vorsitzender des Stadtsportverbandes, damals.

Dabei habe der „DFB klar gemacht, dass er von seiner Entscheidung nicht mehr abrücken wird. Es ist schade, dass einige Leute – auch in den hiesigen Verbandsgremien – eine Entwicklung, die quasi auf der ganzen Welt stattfindet, blockieren“, findet Christian Riehm. Deutschland ist neben Zypern und Luxemburg übrigens das einzige Land in Europa ohne Futsal-Nationalmannschaft. „Das ist traurig, wird sich aber demnächst ändern.“

Deutschlands Insel-Stellung

FVN-Vorsitzender Peter Frymuth, sagte jüngst gegenüber dieser Zeitung: „Nach Wahrnehmung der Vereine ist es sicher eine große Veränderung. Allerdings ist Deutschland hallenfußballtechnisch gesehen eine Insel. Wir spielen unseren Hallenfußball aus Tradition, während der Rest der Welt längst nach Futsal-Regeln spielt. Warum können wir diesen Wandel nicht positiv begleiten?“

Dabei setzt Riehm auf lokaler Ebene auf Dialog und Kennenlernen anstatt Vorschriften. „Den DFB-Beschluss zur Umstellung gibt es nicht seit gestern, aber in den Verbänden wurde das Thema immer wieder verschoben. Nun gibt es zwar kein zurück mehr, trotzdem würde ich auch jetzt nichts überstürzen“, so der 35-Jährige. „Wir sollten in der Jugendarbeit eine Basis für Futsal schaffen, dann wird diese Variante des Fußballs auch nach und nach akzeptiert und gemocht werden.“

Über Workshops könnten Trainer, Spieler und auch Schiedsrichter an die Unterschiede zum Fußball herangeführt werden. Zudem möchte Riehm, derzeit einziger offizieller Futsal-Unparteiischer im Kreis Rees/Bocholt, zeitnah eine Kreismeisterschaft ausrichten.

Beach-Soccer-Turnier steigt auch in Wesel

Dass Stars wie Messi und Neymar, aber auch Schalkes Max Meyer, der beim PSV einst vor den Futsal trat, über die Vorzüge der eigenen technischen Entwicklung bei dieser Sportart sprechen, scheint dem Futsal zumindest im „Pott“ und scheinbar auch am Niederrhein wenig zu helfen. Teilweise hat Riehm Verständnis für die Vorbehalte.

„Es ist schon ein etwas anderes Spiel. Man steht mehr unter Druck und auch den etwas kleineren, sprungreduzierten Ball sollte man anders behandeln, ihn beispielsweise mit der Sohle anstatt der Seite stoppen. Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell“, erläutert der Unparteiische, der zu den häufig thematisierten, weil fehlenden Banden im Futsal meint: „Viele Leute mögen das wahrscheinlich nicht, weil man dadurch seinen Aggressionen nicht mehr so einfach freien Lauf lassen kann. Man kann den Ball nicht mehr so unkontrolliert durch die Halle knallen und andere Leute an der Bande attackieren, was zu den größten Verletzungsrisiken im Hallenfußball gehört.“

„Körperlos“, wie häufig zitiert wird, ist Futsal genauso wenig wie Basketball, Zweikämpfe gibt es wie unter freiem Himmel. Lediglich die Grätsche ist tabu, aber das wird beim klassischen Hallenfußball überwiegend ja ebenfalls seit geraumer Zeit abgepfiffen. Ansonsten halten sich die Regelunterschiede zum auf Handballfeldern gespielten Futsal in Grenzen. Das Spielgerät wird eingekickt, der Torwart darf den Ball bei einem Rückpass nur einmal berühren, als „normale“ Spieleröffnung aber über die Mittellinie werfen oder auch Tore schießen, es werden Mannschaftsfouls gezählt, es gibt direkte Freistöße und eine Vier-Sekunden-Regel für ruhende Bälle sowie den Ballbesitz des Torwartes. Wird diese Zeit überschritten, wechselt der Ballbesitz. Auf die im Futsal übliche Nettospielzeit (Zeitstoppen bei Spielunterbrechungen) würde man bei Turnieren im Hinblick auf einen Zeitplan wohl verzichten.

Verzichten würden trotz aller Erläuterungen zahlreiche Kicker weiterhin gerne auf die Futsal-Variante. Und Christian Riehm auf den Kampf gegen Windmühlen, bei dem er im Gegensatz zu Don Quijote zwar echte Gegner, dafür aber auch die Bestimmungen des DFB auf seiner Seite hat.