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36. Flürener Halbmarathon

Ein Ostfriese läuft allen davon

01.05.2012 | 18:12 Uhr
Ein Ostfriese läuft allen davon

Wesel. Seine Faust ist in die Höhe gereckt, als Marco Tammen auf die matschige Aschebahn einbiegt. Die letzten Meter beim 36. Flürener Sparkassen-Halbmarathon werden zum Triumphlauf für den Ostfriesen, der die Glücksmomente im Waldstadion sichtlich genießt. Ein Freudenschrei, dann überquert der 36-Jährige nach 1:17,11 Stunde als Erster die Ziellinie. Spätestens jetzt weiß Tammen, warum er frühmorgens im hohen Norden aufgebrochen ist, um an den Niederrhein zu reisen.

Die lange Anfahrt läuft sich der Langstreckler aus Leer auf der „tollen Strecke“ aus den Beinen. „Nach zehn Kilometern hatte ich aber Schwierigkeiten, weil meine rechte Wade zwickte“, sagt Tammen auf Platt. Martin Döhler, der am Ende Zweiter werden wird (1:18,31), kommt auf 50 Meter an den Führenden heran. Tammen denkt kurz ans Aufgeben, beißt aber auf die Zähne und kann sich wieder lösen. „Er war ein harter Brocken und hat’s gut gemacht“, zollt Döhler seinem Gegner Respekt.

Einfach sei es auf der Strecke nicht gewesen, berichtet der Ulmer und meint vor allem den Gegenwind auf dem Deich. Hinzu kommt an diesem Vormittag die schwüle Luft nach dem Gewitter vom Morgen. Döhler strahlt trotz der Strapazen und muss dann noch eines erledigen: Mops Floé, der die Stadionrunde mitlief, hat ein Häufchen auf den Rasen gelegt. „Das mache ich jetzt weg“, sagt der 33-Jährige und verabschiedet sich.

Der Sieger reist 200 Kilometer aus dem Norden an, der Zweite kommt aus Bayern: Der Flürener Halbmarathon besitzt an diesem Maifeiertag nationale Anziehungskraft. „Wer nach dem Wintertraining eine schnelle Strecke sucht, für den ist unsere Veranstaltung prädestiniert“, meint Wolfgang Heyden. Der Leichtathletik-Abteilungsleiter der ausrichtenden Grün-Weißen blickt zufrieden unter seinem Hut hervor. Dank vieler Nachmelder nehmen letztlich 345 Läufer die vier Distanzen in Angriff, 237 davon starten über 21,1 Kilometer. Heydens Traum von 500 Teilnehmern schien im Vorjahr realistischer (426), doch diese Zahlen spielen nun eine Nebenrolle.

Auch Werner Kamps nimmt es nicht ganz so genau: Auf eine Zeit unter 1:20 Stunde hatte der Hamminkelner gehofft, ist aber keineswegs über die 41 weiteren Sekunden enttäuscht. „Es wurde doch sehr warm“, sagt Kamps, der zwei Kilometer zusammen mit Döhler lief und dann das Tempo ein wenig drosselte. Das Ziel erreicht er schließlich als Dritter und freut sich über eine „sehr gute Generalprobe“ für den Duisburg-Marathon am 20. Mai. Die Meter auf der aufgeweichten Aschebahn im Waldstadion bereiten Kamps zudem auf ein anderes Rennen vor: Beim Nordseelauf im Juni geht es mit vier weiteren HSV-Sportlern an acht Tagen über die Inseln und durch das Wattenmeer. Auf dem Weg dorthin wird die Gruppe vom Niederrhein auch an Marco Tammens ostfriesischer Heimat vorbeikommen. Die Läufer-Welt ist klein.

Niklas Preuten

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2012-05-01 18:12
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