Die Erfolgsgeheimnisse eines deutschen Meisters

Jörg Ahrens (4. von rechts) erhielt für seinen DM-Titel im Doppel der Herren 40 den Sportpreis des Monats.
Jörg Ahrens (4. von rechts) erhielt für seinen DM-Titel im Doppel der Herren 40 den Sportpreis des Monats.
Foto: Foto: Johann Ridder / FUNKE Foto
Was wir bereits wissen
Jörg Ahrens vom SuS Wesel-Nord hat sich als deutscher Meister den Sportpreis des Monats redlich verdient. Dabei hat der 43-jährige Tennisspieler ein paar Erfolgsgeheimnisse.

Wesel..  Unzählige Male ließ er im Finale der Weseler Tennis-Stadtmeisterschaften die Träume der eine Generation jüngeren Gegner platzen, ab und zu auch deren Schläger zerbersten. Doch es bedurfte des Titels eines „waschechten“ deutschen Meisters, bis Jörg Ahrens nun den Sportpreis des Monats der Stadt Wesel verliehen bekam. Für seinen DM-Triumph im Doppel der Herren 40 mit Henrik Müller-Frerich (TG Westfalia Dortmund) bekam der Routinier des SuS Wesel-Nord die Auszeichnung, die von der Volksbank Rhein-Lippe und Ropa-Sport gesponsert, von der Stadt Wesel und dem Stadtsportverband gefördert und von der Neuen Rhein Zeitung präsentiert wird.

„Es ist immer noch cool“, so der 43-Jährige über den Umstand, sich in den Ergebnislisten einer nationalen Meisterschaft des DTB ganz oben, quasi für die Ewigkeit eingetragen zu haben. „Und es ist schon erstaunlich, wie viele Leute das in der Zeitung lesen und einen darauf ansprechen.“

Angefangen hat Jörg Ahrens mit dem „Weißen Sport“ im Alter von sechs Jahren noch weit vor dem Boom, den Boris Becker 1985 mit seinem Wimbledon-Sieg auslöste. So bekam er die Auswüchse des einst elitären, „weißen“ Sports noch zu spüren. „Tennis in Wesel war für uns zu teuer. Deshalb haben meine Eltern mich in Haldern angemeldet, wo es wirklich um ein Vielfaches günstiger war. Teilweise bin ich dann mit dem Fahrrad dorthin gefahren“, erzählt der Blumenkamper, der mit elf Jahren dann doch zum SuS wechselte. Der Umstand, dass er bereits mit zwölf Jahren gut genug für die erste Mannschaft war, dürfte dabei nicht hinderlich gewesen sein.

Mit 14 Jahren machte Ahrens seinen Trainerschein, auch selbst wurde er zum Kadertraining nach Bocholt eingeladen. „Aber häufig fehlten die Fahrmöglichkeiten. So habe ich damals gegen Oliver Berndsen und die anderen Kaderspieler immer 0:6, 0:6 verloren“, sagt er und kann heute über die Erfahrungen der Vergangenheit schmunzeln.

Viel schöner, wenn andere rennen

Beim TC BW Flüren und BW Sterkrade spielte der Finanz- und Unternehmensberater in der Verbandsliga, doch die Herren 30 des SuS sind schon seit „etlichen“ Jahren seine sportliche Heimat. „Ich werde auf Turnieren öfter erst nicht ganz ernst genommen, wenn ich sage, dass ich bei den Herren 30 in der Bezirksliga spiele“, so der Weseler. „Aber was habe ich davon, wenn ich bei den Herren 40 für irgendeinen Regionalligisten bis nach Pusemuckl fahren muss? Hier weiß ich, was ich an der Truppe habe. Wir fahren zusammen in den Ski-Urlaub und ich bin gerne auf unserer Anlage.“

Als seine Stärken auf dem Court sieht er seinen Aufschlag, die Vorhand und das Volleyspiel an. „Und ich versuche so zu spielen, dass ich auch nicht viel anderes machen muss und dränge auf den schnellen Punktgewinn“, sagt der Routinier und ergänzt lachend. „Tennis ist viel schöner, wenn der andere rennt!“

Jörg Ahrens hat auch andere Sportarten ausprobiert. Basketball, Kampfsport, Laufen, Schwimmen, zum Golfen bringt er ein Handicap von 13 mit. Aber Ballsportarten mit direktem Gegner, bei denen man ein Spiel zu jeder Zeit drehen kann, haben ihn am meisten gereizt. „Beim Tennis ist man immer selber für seine Leistung verantwortlich – auch wenn das nicht jeder so sieht.“

Für Jörg Ahrens viel zu schnell

Die eigene Leistungskurve zeigte vor Jahren jedoch auch schon einmal nach unten. Der Körper spielte immer öfter nicht mehr mit, Knochen und Gelenke schmerzten. „Ich musste wegen meiner Schulter zeitweise von unten aufschlagen“, erinnert sich der 43-Jährige nur ungern an diese Zeiten. Aber eine Arzt-Empfehlung sowie der Einstieg in die Chi-Kung-Welt änderten das vor zwei Jahren grundlegend. „Dieses Chi Kung inklusive der Atem-Übungen ist wirklich unglaublich: Es macht überhaupt keinen Spaß, ich gucke in 90 Minuten zwanzig Mal auf die Uhr – und danach kann ich laufen wie ein 25-Jähriger“, gibt Jörg Ahrens sogar sein Jungbrunnen-Geheimnis preis.

Damit ihm für das Finale der Stadtmeisterschaft dennoch nicht die Gegner ausgehen, reichte er den mit 500 Euro dotierten Warengutschein des Sportpreises des Monats direkt an die Jugendabteilung des SuS Wesel-Nord weiter.