Burgner: Das ist starker Tobak
05.11.2009 | 20:59 Uhr 2009-11-05T20:59:00+0100Wesel. Norbert Drost hat die für die Sporthallen drohenden Nutzungsgebühren für seinen Verein schon mal durchgerechnet. „Da kämen pro Jahr knapp 5900 Euro zusätzlich auf uns zu”, erzählt der Geschäftsführer der Gymnastik-Schule Wesel.
Ein Betrag, den der Klub nicht mal so eben aus dem Ärmel schütteln kann. Wie das Konzept der Stadt genau aussehen soll, dies wurde jetzt dem Stadtsportverband Wesel auf einer Sitzung durch die Kämmerin Gabriele Klug, den Dezernenten Wolfgang Jung, Heinz-Dieter Steinbrecher (Gebäudeservice) sowie Thorsten Hummel (Team Schule und Sport) vorgestellt.
Zugrunde gelegt hat die Stadt dabei die für den gesamten Sport in Wesel aufgewendeten Kosten in Höhe von 759 000 Euro aus dem Jahr 2007. Mit rund zehn Prozent (75 000 Euro) sollen ab 2010 die Klubs daran beteiligt werden. Allerdings nur diejenigen, die städtische Hallen nutzen. Gebühren sind für den Hallensport vorgesehen, der von 19 bis 22 Uhr stattfindet und damit überwiegend von Erwachsenen betrieben wird.
Alle Weseler Vereine sind am Donnerstag (12. November, 19 Uhr) zu einer Informationsveranstaltung in Sachen Nutzungsgebühr in das Klubheim des Bürgerschützenvereins (An de Tent 9) eingeladen. Der Stadtsportverband will die Pläne den Klubs vorstellen, auch Sportdezernent Wolfgang Jung hat sein Erscheinen zugesagt.
Aus den ersten Berechnungen ergibt sich daraus ein Betrag von vier Euro je Hallenstunde „Diese Kostenbeteiligung trägt dazu bei, die Qualität der Sportstätten zu erhalten”, meint Sportdezernent Wolfgang Jung. Der letzte Anlauf, die Vereine zur Kasse zu bitten, erfolgte 2006. Damals ging es um die Energiekosten. „Das Ziel, diese deutlich zu senken, ist nie erreicht worden”, so Jung. In den 759 000 Euro sind übrigens 200 000 Euro Energiekosten – auch für die Sportplätze – enthalten.
Nun geht's also über die Hallennutzungsgebühr an die Vereinskassen. „Wenn das Geld dem Sport und den Klubs auf anderem Wege wieder zu Gute kommen würde, hätte ich nur wenig dagegen”, erläutert Rolf Nitsch, Vorsitzender des Weseler TV. „Aber daran glaube ich nicht. Ich denke, das Geld wird dazu genutzt, um woanders Löcher zu stopfen, und das kann nicht sein!”
Nitsch befürchtet wie viele seiner Kollegen einen Rückgang der Mitgliederzahlen in den Vereinen, erinnert aber daran: „Gerade der Sport, der einer großen sozialen Verantwortung nachkommt und wo fast alle Leute ehrenamtlich und zu einem äußerst geringen Stundenlohn arbeiten, muss unterstützt werden.”
Oder zumindest mit einer kostenlosen Bereitstellung der Hallen honoriert werden. Denn „für einen reinen Hallensportverein ist das schon starker Tobak”, erklärt Bertram Burgner, Vorsitzender des Badminton-Vereins Wesel RW. Er sehe auch die Stadt in der Pflicht, da „wir Leistungssport in der 2. Bundesliga betreiben und damit zum Prestigegewinn der Stadt beitragen”, fügt Burgner hinzu.
Eine Kostenbeteiligung nicht grundsätzlich ausschließen will Norbert Drost. „Die Hälfte der angepeilten vier Euro pro Hallenstunde könnte vielleicht gehen. In dem Rahmen könnten wir das stemmen”, meint der GSV-Geschäftsführer. In sieben Hallen tummeln sich die Sportler der Gymnastik-Schule. Allerdings denkt Drost bei den zu erwartenden Mehrbelastungen darüber nach, kleinere Gruppen zu schließen oder zusammen zu legen. „Dann würden wir die Stunden wieder an die Stadt zurückgeben”, so Drost, der gegen eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge als Konsequenz der Nutzungsgebühr ist. „Schließlich haben wir auch viele sozial Schwächere im Verein.”
„Etwa zehn bis zwanzig Prozent der jugendlichen Mitglieder kommen aus sozial schwachen Bereichen oder sind Migranten und zahlen nur einen geringen oder gar keinen Beitrag”, verdeutlicht auch der sportliche Leiter des Stadtsportverbandes, Walter Großmann. „Für viele ist die Mitgliedschaft in einem Verein die letzte Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Fällt diese Möglichkeit weg, könnten weitere soziale Brennpunkte entstehen.”
Großmann, Jugendwart Heinz-Gerd Külkens und der 2. Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Frank Rothkopf, forderten bei der Versammlung die Vertreter aus dem Rathaus auf, über weitere technische Möglichkeiten nachzudenken, um Einsparungen zu erzielen.
Darüber hinaus hat sich Rothkopf über die Entwicklungen bei den umliegenden Kommunen erkundigt. „In den meisten wird nicht gezahlt oder die Erhebung ist wegen des großen bürokratischen Aufwandes wieder eingestellt worden. Wenn gezahlt werden muss, gibt es oftmals aber wieder Zuwendungen an die Vereine”, weiß Rothkopf.
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