20:37! HSG Wesel blamiert sich bis auf die Knochen

Björn Fehlemann (links) und Daniel Weber hatten zum Abschluss der Saison dem Gastgeber SV Neukirchen nur wenig entgegen zu setzen. Die HSG Wesel ging mit 20:37 unter.
Björn Fehlemann (links) und Daniel Weber hatten zum Abschluss der Saison dem Gastgeber SV Neukirchen nur wenig entgegen zu setzen. Die HSG Wesel ging mit 20:37 unter.
Foto: Christoph Karl Banski
Die Motivation am letzten Spieltag blieb in Wesel: Mit 20:37 kassierte Handball-Verbandsligist HSG Wesel beim SV Neukirchen eine derbe Klatsche.

Wesel..  Michael Nölscher nahm kein Blatt vor den Mund. „Das war nach einer richtig geilen Saison leider noch einmal so richtig scheiße“, fand Michael Nölscher deutliche Worte für das, was sich die HSG Wesel am letzten Spieltag der Handball-Verbandsliga erlaubte. Scheinbar in dem Glauben, Platz fünf wäre ohnehin bereits sicher – oder egal – gingen die Hansestädter beim SV Neukirchen mit 20:37 (10:17) unter.

Nur mal zur Einordnung: Die Gastgeber, Drittletzter der Tabelle, hatten zuvor acht Partien in Folge verloren, zuletzt als erste Mannschaft überhaupt gegen das abgeschlagene Schlusslicht SG Dülken. Die Weseler, 24:18-Sieger des Hinspiels, dagegen schienen trotz des frühzeitig gesicherten Klassenerhaltes noch motiviert, gewannen vier ihrer letzten fünf Partien. „Abschlachten“ lassen hatten sie sich in der Rückrunde lediglich beim Meister VfB Homberg (24:41).

So steht nach der eigentlich beeindruckend starken Saison als Aufsteiger, der niemals ernsthaft in Gefahr geriet, Vorletzter zu werden, für die HSG doch „nur“ Rang sechs. Die punktgleichen Moerser Adler zogen mit einem 22:18-Heimerfolg gegen den bis dato noch Tabellenzweiten TV Oppum aufgrund des besseren direkten Vergleiches an den Rot-Weißen vorbei.

„Kein Spieler hat zu irgendeinem Zeitpunkt die nötige Einstellung zum Spiel gefunden. Das hatte mehr Ausflug-Charakter“, monierte Nölscher, der in diesem letzten Meisterschaftsspiel für die HSG Coach Sven Esser vertrat. Der wird es sicherlich nicht bereut haben, an diesem Wochenende zum Final-Four-Turnier nach Hamburg gereist zu sein. „Ich hatte mir mein letztes Meisterschaftsspiel hier auch ganz anders vorgestellt. Kein Spieler hat nur annähernd Normalform erreicht. So geht es eigentlich nicht.“

Die Hausherren dagegen, die sich vor ihren Anhängern vor der Saison-Abschlussfeier mit Freibier und Grillen nicht mehr blamieren wollten, gaben von Beginn an Gas. Allerdings trafen sie auch kaum auf Gegenwehr. „Sie sind bei uns durchgerannt wie ein Messer durch die warme Butter“, so Nölscher. „Und, anstatt dass wir dann wenigstens in unsere Angriffe ein bisschen Ruhe reinbringen, rennen wir noch wie die Deppen nach vorne, prellen uns den Ball auf die Füße und machen was weiß ich noch alles falsch!“

Bis zum 7:10 war die HSG zumindest auf der Anzeigetafel in Schlagdistanz, anschließend zogen die Gastgeber kontinuierlich und mit wachsender Begeisterung davon.

Etwas Positives konnte Michael Nölscher der Partie aber dann doch noch abgewinnen: „Jetzt bin ich mir sicher, dass wir uns am Samstag im Pokal-Halbfinale gegen Friedrichsfeld nicht blamieren werden. Einige hatten das auch schon abgehakt als kurzen Zwischenstopp vor dem Polterabend vom Christopher Timmermann. Aber da steht erst einmal Handball im Vordergrund, und erst dann die Party.“

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