Zwischen Hölle und Wolke Sieben beim Silvesterlauf-Debüt

Zuversichtlich vor dem Start: Uwe Nutsch, André Dostal, Christian Pauli und Uli Figur (von links; hier mit Silvesterlauf-Maskottchen „Sparky“).
Zuversichtlich vor dem Start: Uwe Nutsch, André Dostal, Christian Pauli und Uli Figur (von links; hier mit Silvesterlauf-Maskottchen „Sparky“).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Geschafft – Erledigt – Glücklich!“ - Uwe Nutsch aus Warstein nahm erstmals am Silvesterlauf von Werl nach Soest teil. Der 44-Jährige schildert in einem Bericht seine Erlebnisse.

Werl/Soest.. Mit Uwe Nutsch beim Silvesterlauf von Werl nach Soest unterwegs waren seine Kollegen von der Großen Warsteiner Karnevalsgesellschaft (GWK): Uli Figur (vierte Silvesterlauf-Teilnahme), André Dostal (wie Nutsch zum ersten Mal dabei) und Christian Pauli (ebenfalls die erste Teilnahme).

Uwe Nutsch schildert seine Erlebnisse

„Also ich bleibe dabei: Dabeisein ist Alles! So mein erster Eindruck nach meiner ersten Teilnahme am Silvesterlauf von Werl bis Soest. 15 Kilometer, die viele Eindrücke hinterlassen haben. Bei der Ankunft in Werl sieht man es schon. Aus allen Richtungen kommen die Sportler und strömen Richtung Stadthalle.

Dort treffen wir erste Bekannte, mit denen wir hier und da noch ein nettes Pläuschchen halten. In manchen Gesichtern sieht man bereits ein bisschen Anspannung, und genau diese spüre auch ich ein wenig. Zu groß ist mein Respekt vor diesen 15 Kilometern. Fehlen mir doch drei Wochen in der Vorbereitung, die es gilt irgendwie zu kompensieren.

Zehn Minuten vor dem Start läuft mir noch mein Cousin direkt in die Arme. Wir haben uns schon ein gutes Jahr nicht mehr gesehen. Gemeinsam gehen wir Richtung Startaufstellung. Erst hier kann man erkennen, welche Menge an Menschen mitlaufen wird. Wahnsinn! Ein leichtes Gedränge, welches ich so gar nicht nachvollziehen kann. Aber sollen sie nur machen... Nach der ersten Welle klinken wir uns in den Läuferstrom ein und los geht es.

Die Atmosphäre ist schon beeindruckend. Viele Zuschauer jubeln einem zu und feuern einen an. Da läuft man ja von ganz alleine. Viele Läufer versuchen sich nach vorne zu drängeln. Wahrscheinlich haben die andere Ziele als wir. Wir versuchen unser Tempo zu finden und entscheiden uns dazu, rechtsseitig zu laufen. So haben wir uns im Blickfeld. Bis zum Ortsausgang Werl stehen überall Zuschauer und feuern uns an. Das pusht unglaublich. Und schon sind die ersten zwei Kilometer geschafft – klappt ja ganz gut.

Nun gilt es auf freier Strecke den richtigen Rhythmus zu finden. Der Körper kommt auf Temperatur und entwickelt sich zum laufenden Kleiderschrank. Meine Handschuhe verschwinden in meiner Laufhose an den Oberschenkeln. Könnte komisch aussehen, aber ist mir in diesem Augenblick völlig egal.

Nächster Ort in Sicht

Der nächste Ort ist zu sehen – Westönnen. Auch hier wieder jubelnde Zuschauer – die Motivation steigt. Kinder strecken ihre Hände zum Abklatschen raus. Das ist eine nette Abwechselung, die Kinder freuen sich und ich freue mich auch. Interessant ist die Beschilderung. Eben stand da noch Kilometer vier, jetzt steht da schon Kilometer sieben – aber wenn man genau hinsieht, steht da noch sieben Kilometer...

Geschickt für die Psyche und tatsächlich bedeutet das ja, das wir mehr als die Hälfte des Rennens geschafft haben... Jedoch merke ich schon eine gewisse Anstrengung und das Verlangen zum Gehen wird größer und größer. André und Christian sind gut unterwegs und haben einen wesentlich schnelleren Rhythmus gefunden. Uli bleibt als erfahrener Läufer bei mir als Flügelmann. Aber es geht nicht mehr, ich muss mal gehen. Auch meine Mütze ist jetzt überflüssig und wandert ebenfalls in meinen Hosenschrank.

Partymusik und Spielmannszug

Nach dieser kleinen Erholungsphase geht es langsam weiter. Die anderen haben gewartet, nun geht es schon in den nächsten Ort – Ostönnen. Wir hören schon Partymusik und einen Spielmannszug. Hört sich schon fast an wie beim Rosenmontagszug und ich merke, wie ich ein leichtes Grinsen in mein Gesicht bekomme. Und siehe da: Es stehen doch tatsächlich Warsteiner Zuschauer am Rand – welch Freude.

Nun heißt es weiter beißen, und die nächsten Meter hauen für mich ganz schön rein. Ich fange an zu pusten. Das oberste Laufshirt muss runter. Die Startnummer muss umgesteckt werden und ich binde mir das Oberteil um meinen Bauch. Irgendwie habe ich eine Sicherheitsnadel über, aber wegwerfen möchte ich sie nicht, und so überreiche ich sie einer Zuschauerin in Ampen. Sie nimmt es mit Humor und wünscht mir viel Glück. Danke, denke ich.

Und tatsächlich können wir in der Ferne schon die Ampel bei Kaufland sehen. Der Gedanke, dass es wohl nicht mehr so weit ist, trägt mich wie ferngesteuert über die nächsten Meter. Ich beobachte mal den Lauf aus Wettkampfansichten. Wir überholen und werden überholt. Jung und Alt, mit Hund oder Kinderwagen. Hier ist echt alles unterwegs. Nicht zu vergessen die verkleideten Mitstreiter. Meine Favoriten waren die beiden Feuerwehrmänner mit Helm und Gürtel – diesen Ballast hätte ich nicht von Werl bis Soest bringen können.

Die Ampel haben wir geschafft. Ich kann eigentlich nicht mehr, möchte gehen, aber das geht nicht, weil mir dabei meine Beine so weh tun. Ich laufe langsam weiter und mein Flügelmann Uli läuft vor, um die anderen Beiden zu bremsen. Ich selber kann nur noch mein langsames Tempo halten, und das Schild noch zwei Kilometer sagt mir, das schaffe ich auch noch irgendwie.

Überall stehen jetzt schon wieder jubelnde Zuschauer – das trägt einen über die letzten für mich schweren Meter. Meine Jungs haben sich mittlerweile um mich postiert und ja, es kommen die ersten Pflastersteine, was ja nach Marktplatz in Sicht aussieht. Die letzten 500 Meter laufe ich nur noch im Strom mit – einfach laufen, nichts mehr denken und einfach gleich da sein.

Eingehakt, wie sich das für Karnevalisten gehört, überqueren wir gemeinsam das Ziel. Das Gefühl, es einfach nur geschafft zu haben, ist unbeschreiblich. Man wirft mir meine Zeit zu: 1:35 Stunde ist für mich unglaublich. Hätten die anderen Drei zwischendurch nicht auf mich gewartet, sie wären gefühlte zehn Minuten eher im Ziel gewesen. Aber zusammen sind wir stark: So gehen wir ins neue Jahr 2015!“