Westfalia Erwitte startet den Neuanfang

Rolf Militzer blickt in eine ungewisse Zukunft.
Rolf Militzer blickt in eine ungewisse Zukunft.
Foto: WP

Erwitte..  Der Auftrag vor der Saison war klar: Mit einem erfahrenen Trainer (Wilfried Kückelheim), der als aktiver Spieler selber schon Oberliga-Luft schnuppern durfte, und einer jungen Mannschaft, wollte man wieder an längst verloren geglaubte Glanzzeiten anknüpfen. Bezirksliga-Fußball bei Westfalia Erwitte.

Diesen konnten die Zuschauer an der Hellweghalle in den Spielzeiten 2002/03, 2003/04, 2004/05 und 2005/06 insgesamt vier Jahre lang in Folge bestaunen. Mit den Plätzen vier, sechs und acht hielten sich die Hellwegstädter zu Beginn durchaus in beachtlichen Sphären der Tabelle auf. Niemand hatte (ernsthaft) damit gerechnet. Am Ende der Saison 2005/06 ging es dann aber schließlich doch wieder runter. Mit nur 22 Punkten und Tabellenplatz 16 stieg die Westfalia ab.

Doch es sollte nur ein kurzes Intermezzo in der Kreisliga A werden. Gleich ein Jahr später waren Erwittes Balltreter wieder da. Willkommen zurück in der Bezirksliga, Westfalia, lauteten damals die Schlagzeilen in der Presse. Zwei Punkte Vorsprung vor dem FC Mönninghausen reichten zum Titelgewinn. Groß war der Jubel – genauso groß aber auch die Enttäuschung, als es wiederum nur ein Jahr später wieder hieß: Westfalia Erwitte muss erneut runter in die Kreisliga A. Dinge wiederholen sich im Fußball. So auch in diesem Fall. Wir sprechen von der Saison 2007/08.

Doch auch von ihrem zweiten Abstieg ließen sich die Erwitter nicht entmutigen. In den Folgejahren gehörte die Westfalia zum festen Inventar der Kreisliga A (insgesamt sieben Spielzeiten in Folge).

Doch auch das ist jetzt Vergangenheit! Der Abstieg – dabei wäre dieser eventuell sogar zu verhindern gewesen, wenn die Hellwegstädter zum Relegationsspiel gegen Oestereiden/Effeln angetreten wären – aus der Saison 2014/15: Er läutet ein trauriges Kapitel rund um die Hellweghalle ein. Denn nicht nur die erste Mannschaft der Westfalia stieg ab in diesem Jahr. Auch die erst ein Jahr zuvor aufgestiegene Reserve erwischte es. Direkter Wiederabstieg aus der Kreisliga C.

Hinter Rolf Militzer, seit drei Jahren Vorsitzender des Vereins, und seinen Mitstreitern liegt ein grausames Spieljahr. „Zwei Abstiege in einer Saison sind schon heftig“, sagt Militzer heute. Doch das ist nicht alles. Der Westfalia liefen nach dem Nichtantritt zum Relegationsspiel gegen Oestereiden/Effeln die Spieler weg. Es hagelte Abmeldungen. Geblieben sind drei bis vier „Aufrechte“, wie Militzer sie nennt. Ein Neuanfang soll nun in der Kreisliga B gestartet, und der ausgedünnte Kader mit Spielern aus der zweiten Mannschaft aufgefüllt werden. Die Reserve wird es in der Saison 2015/16 nicht mehr geben.

„Wir werden in Zukunft kleinere Brötchen backen müssen“, gibt Rolf Militzer unumwunden zu. Die fetten Jahre bei Westfalia – sie scheinen endgültig vorbei zu sein. Zumindest vorerst. Militzer: „In der B-Liga wird es für uns vor allem um eins gehen: Schadensbegrenzung.“ Noch ein Abstieg an der Hellweghalle: Es wäre der Worst Case.

Vereine, wie Stadt-Nachbar SuS Bad Westernkotten (ist gerade in die Landesliga aufgestiegen), haben der Westfalia aus Erwitte sportlich ohnehin schon längst den Rang abgelaufen. „Es wird vermutlich Jahre dauern, bis wir wieder da sind. Und damit meine ich in der Kreisliga A“, sagt Rolf Militzer.

Für das Unterfangen „Neuaufbau“ setzt der rund 400 Mitglieder starke Verein auf altbewährtes Personal: Jörg Krüger (51) soll versuchen, die Westfalia wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Dass das nicht einfach wird, dürfte jedem klar sein. Auch Rolf Militzer ist sich dessen bewusst.