VfS Warstein mit Gedanken irgendwo anders

Musste das Spielfeld kurz vor Schluss mit blutender Nase verlassen: Warsteins Sven Mühlenschulte (beim Wurf).
Musste das Spielfeld kurz vor Schluss mit blutender Nase verlassen: Warsteins Sven Mühlenschulte (beim Wurf).
Foto: WP

Soest..  Die einen haben den letzten Strohhalm im Abstiegskampf ergriffen, die anderen den dritten Auswärtssieg der Saison (nach Arnsberg und Hagen) verpasst: Unterschiedlicher könnten die Gemütslagen nach einem Spiel nicht sein. Während die Reserve-Handballer des Soester TV sich ausgiebig über den Sieg gegen den Kreisrivalen aus Warstein freuten, herrschte bei den Gästen aus der Bierstadt nach der 19:27 (7:14)-Niederlage in der Sporthalle des Börde-Berufskollegs so etwas wie Untergangsstimmung.

Mit einer derartigen Klatsche bei einem Abstiegskandidaten hatte im Warsteiner Lager offenbar niemand gerechnet. Dementsprechend schonungslos fiel nachher auch die Analyse von Spielertrainer Boban Ristovic aus: „Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir unsere Leistung nicht abgerufen haben. Es war irgendwie der Wurm drin heute. Wir haben nie zu unserem Rhythmus gefunden.“

Auch Lars Schorlemer, für das Derby extra aus Ingolstadt angereist, zeigte sich nach der Partie selbstkritisch: „Das war ehrlich gesagt gar nichts heute. Es war kein Spielfluss vorhanden und auch die Abstimmung im Rückraum hat überhaupt nicht gepasst. Ein Tag zum Vergessen.“

Bereits vor Spielbeginn hatten die Gäste einige personelle Nackenschläge wegstecken müssen. Nikolai Wachholz fiel kurzfristig beruflich bedingt aus, fehlte ebenso wie die verletzten Philipp Schmitt und Lukas Pielsticker. Und auch im Spiel selbst ereilte den VfS die eine oder andere Hiobsbotschaft: Sven Mühlenschulte musste nach einem Zweikampf in der Schlussphase mit Soests Werkmeister das Feld mit blutender Nase vorzeitig verlassen (gebrochen ist nach ersten Informationen aber nichts), Linkshänder Ciya Aslan bekam – ebenfalls kurz vor Schluss – einen Ball nach Peters-Wurf voll ins Gesicht. Diese Szenen passten irgendwie ins Bild an diesem Abend. Der VfS wirkte wie ein angeschlagener Boxer, der durch den Ring, in diesem Falle durch die Halle, taumelte.

Bereits die Anfangsphase ging klar an die Gastgeber, die sich neben ihrem überragenden Torhüter Zielony vor allem auf die Wurfkraft ihres Linkshänders Franke (erzielte insgesamt zehn Treffer) verlassen konnten. So gerieten Warsteins Handballer bereits nach 15 Minuten mit 2:7 scheinbar aussichtslos in Rückstand. Zwar lief es danach etwas besser, auch weil Lars Schorlemer langsam besser ins Spiel fand, aber dennoch ließ sich die Soester Reserve die Butter einfach nicht vom Brot nehmen.

Daran änderte sich auch im zweiten Durchgang nichts. Der Warsteiner Rückstand betrug immer wieder beachtliche sechs bis sieben Tore. Selbst, als die Gastgeber in der Schlussphase ein bis zwei Gänge zurückschalteten, kamen die VfSler nicht mehr entscheidend heran. Am Ende stand die elfte Saisonniederlage zu Buche, die in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war.

Fazit von VfS-Spielertrainer Boban Ristovic: „Man merkt in vielen Szenen schon, dass wir auf dem Zahnfleisch gehen. Ich hoffe, dass sich die personelle Situation vor dem Heimspiel gegen Hohenlimburg nicht noch verschlechtert. Insgeheim sehnen wir schon ein wenig das Saisonende herbei.“

Statistik

Soester TV II: Zielony, Starzak; Werkmeister, M. Stoppelkamp (5), Schönle (6), Franke (10), Wiedemann (1), F. Stoppelkamp, J. Stoppelkamp (1), Meess (3), Köhne, Haake, Peters (1), Wiedau.
VfS Warstein: Hilwerling, Kaese, Schmidt; Schorlemer (5), Aslan, Mühlenschulte (2), Manderfeld, Kraus, Kißling (4), Gericke (1), Ristovic (7).
Schiedsrichter: Hintz/Kraft (Dortmund).