Stefan Fröhlich will dem SV Lippstadt seine eigene Handschrift verpassen

Stefan Fröhlich (Mitte) freut sich auf die Aufgabe beim SV Lippstadt 08.
Stefan Fröhlich (Mitte) freut sich auf die Aufgabe beim SV Lippstadt 08.
Foto: Tim Cordes

Lippstadt..  Eine Mannschaft, die ein halbes Dutzend Stammspieler ersetzen muss, dazu ein Trainer, der seine ersten Erfahrungen im Seniorenbereich sammelt: Zu beneiden ist Stefan Fröhlich nicht. Der 29-Jährige beerbt Daniel Farke beim SV Lippstadt 08. Unsere Zeitung sprach mit Fröhlich über Autorität, Erwartungshaltungen und den Schatten seines Vorgängers.


Frage: Und, schon nervös?
Stefan Fröhlich: Nervös würde ich es nicht nennen, es ist vielmehr eine ziemlich große Vorfreude auf die neue Saison da. Ich bin vorgestern aus dem Urlaub zurück und kann kaum erwarten, dass es jetzt endlich losgeht. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich diese Aufgabe erfüllen darf.


Sie sind 29 Jahre jung, also im besten Fußballer-Alter. Wie kommt man da auf die Idee, Cheftrainer einer Oberliga-Mannschaft zu werden?
Bei meinem Heimatverein, dem VfJ Lippborg, habe ich bereits mit 15 Jahren damit begonnen, Jugendmannschaften zu trainieren. Schnell habe ich eine Leidenschaft dafür entwickelt, Spieler zu formen und Mannschaften zu entwickeln als selbst dem Ball hinterher zu laufen. Es ist auch gar nicht so ungewöhnlich, wie man anfangs vielleicht denken mag. Wenn man mal in die Regionalliga blickt, dann sind dort zum Beispiel mit Thomasz Kaczmarek bei Viktoria Köln oder Jan Siewert bei RW Essen auch zwei Trainer unterwegs, die knapp über 30 Jahre alt sind. Ich glaube schon, dass es einen Trend hin zu Jugendlichkeit und Kreativität auf der Trainerposition gibt.


Wie kam der Kontakt zum SV Lippstadt 08 zustande?
Vor fünfeinhalb Jahren kam der Kontakt über Brigitte Ruhlemann zustande, die als Jugendkoordinatorin beim SV Lippstadt 08 anfragte, ob ich die U16 übernehmen wolle. Mein Bruder Daniel war bereits Trainer beim SV Lippstadt 08. Vor der letzten Saison holte Daniel Farke mich dann als Co-Trainer zur ersten Mannschaft.


Was haben Sie in dem Jahr von Daniel lernen können?
Ich habe so viele Dinge wie möglich aufgesaugt. Es war ein großes Glück, dass ich bei einem der besten Trainer sehen konnte, wie man mit einer Mannschaft professionell arbeitet. Ich werde aber nicht versuchen, Daniel abzukupfern, sondern meinen eigenen Weg finden. Es bringt nichts, so sein zu wollen wie sein Vorgänger.


Wann ist die Idee entstanden, Daniel Farke beerben zu wollen?
Es ist nicht so gewesen, dass ich mich aufgedrängt hätte. Ich habe immer mal wieder Gespräche mit dem Vorstand geführt. Letztlich kamen sie auf mich zu und fragten, ob ich mir das vorstellen könnte. Anfang Januar habe ich dann zugesagt. Ziel des Vorstandes war es nach Daniels Abschied, mich weiter an den Verein zu binden. Nach ersten Gesprächen mit Heinz Knüwe kam schnell die Erkenntnis, dass das eine gute Entscheidung war.


Einige Spieler sind in ihrem Alter oder sogar älter, droht da kein Autoritätsproblem?
Ich glaube, dass Autorität weniger mit dem Alter als vielmehr mit dem Auftreten zu tun hat. Man muss authentisch sein, fair miteinander umgehen, dann spielt das keine Rolle. Wenn die Spieler sehen, dass ich eine klare Vorstellung habe und weiß, wovon ich rede, dann werden sie das auch akzeptieren.


Blicken wir einmal auf die sportliche Situation: Was erwartet die Fans in der kommenden Saison?
Die Erwartungshaltung sollte nicht der Weg sein, den die Mannschaft in der Rückrunde gegangen ist. Wir müssen erst einmal abwarten, wie sich die Mannschaft zusammenfindet. Das wird seine Zeit dauern. Man muss ja nur mal sehen, was wir für Abgänge haben, mit Lars Schröder und Marcel Ramsey sind zwei unserer wichtigsten Offensivspieler weg. Die Tore der beiden werden uns fehlen.


Gerade in der Offensive gibt es also Handlungsbedarf...
Ja, wir haben mit Kevin Holz einen externen Neuzugang im Sturm bekommen, der jedoch auch noch sehr jung ist. Hinzu kommt Marcel Meuter aus der eigenen Jugend.


Wie ist der aktuelle Stand bei Sven Krause, der kürzertreten möchte?
Sven ist vor drei Wochen Vater von Zwillingen geworden. Er ist weiterhin Teil des Kaders, ich hätte ihn auch sehr gerne weiterhin dabei, aber wir haben natürlich Verständnis dafür, dass er aus diesen persönlichen Gründen darüber nachdenkt.


Gibt es ein konkretes Saisonziel?
Wir werden zum Start kein Ziel definieren, sondern abwarten, bis der endgültige Kader feststeht. Wichtigstes Ziel ist es, dass wir eine schlagkräftige Mannschaft formen.