Marcel Höttecke trifft auf seine erste Liebe

Einst Mitspieler in Dortmund: Mats Hummels (links) und Marcel Höttecke.
Einst Mitspieler in Dortmund: Mats Hummels (links) und Marcel Höttecke.
Foto: Bodo GOEKE

Rüthen/Lippstadt..  Auf dem Papier ist das Kreispokalfinale, das heute Abend um 19 Uhr in Oestereiden angepfiffen wird, eine klare Geschichte. A-Kreisligist TSV Rüthen trifft auf den Oberligisten SV Lippstadt 08. Doch für einen Lippstädter ist das Spiel ein Aufeinandertreffen mit seiner Vergangenheit: Marcel Höttecke startete seine illustre Karriere einst in der Jugend des TSV.

Rot-Weiß Ahlen, Borussia Dortmund, 1. FC Union Berlin. Marcel Höttecke hat viel erlebt in seiner Karriere. Doch seine ersten Gehversuche unternahm Höttecke 1994 beim TSV Rüthen. Dort spielte der 1,99m lange Schlacks in der Jugend seiner Heimatstadt. „Ich habe durchweg positive Erinnerungen an die Zeit in Rüthen. Dort bin ich aufgewachsen, meine Familie und viele Freunde leben dort noch“, schwärmt der 28-Jährige.

Auf einen seiner besten Freunde wird Höttecke heute Abend treffen. Kevin Akinrolabu trägt das Trikot des TSV Rüthen und wird Höttecke und dem SV Lippstadt 08 gegenüber stehen. Ein weiterer ehemaliger Mitspieler, Moritz Unterburger, hat lange Zeit das Trikot des TSV getragen. „Viele Mitspieler von damals haben entweder mit dem Fußball aufgehört, oder spielen nun bei anderen Vereinen“, weiß Höttecke, der das Spiel heute von der romantischen Seite sieht: „Das ist für mich das Spiel alte Liebe gegen aktuelle Liebe“, sagt der bodenständige Marcel Höttecke.

Bis 1999 blieb er der Jugend treu, bevor er in die weite Fußballwelt aufbrach. Fünf Bundesligaspiele hat Höttecke für Borussia Dortmund absolviert. In der Saison 2007/08 unter Trainer Thomas Doll. Damals an seiner Seite waren unter anderem der junge Mats Hummels, Roman Weidenfeller, Sebastian Kehl oder auch Jakub „Kuba“ Blaczykowski. Viele Verletzungen verhinderten Hötteckes Durchbruch beim BVB und warfen ihn immer wieder zurück. So ging es aus Dortmund in die Hauptstadt zu Union Berlin. Dort wurde er Stammtorhüter in der 2. Bundesliga und zum Fan-Liebling. Doch auch hier warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück.

Zweites Standbein aufgebaut

Höttecke wusste schnell,dass es mit der Karriere früher vorbei sein könnte, als ihm lieb sei. „Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich mir ein zweites Standbein aufbauen kann“, erklärt der 28-Jährige. Als Personal-Trainer und mit der eigenständigen Plattform „keeperdreams.de“, auf der Höttecke Vereinen anbietet, ein professionelles Torhütertraining durchzuführen. „Da hapert es bei vielen Vereinen. Häufig übernehmen die Co-Trainer den Part und schießen den Torhüter warm. Das ist bis in die Regionalliga so und natürlich nicht optimal“, weiß Höttecke.

Beim SV Lippstadt 08 lassen sich für den Rüthener beide Standbeine bestens vereinen. „Ich fühle mich sehr wohl in Lippstadt. Hier entsteht eine Menge. Schade, dass wir es dieses Jahr nicht geschafft haben, um den Aufstieg mit zu spielen“, sagt Höttecke. So sieht er den Wechsel in die Oberliga auch nicht als Rückschritt an. „Als Lippstadt im letzten Jahr abgestiegen ist, hat mich Daniel Farke angerufen und gefragt, ob ich trotzdem käme. Natürlich, habe ich ihm gesagt. Meine Zusage galt unabhängig von der Spielklasse“, verrät der Torhüter. Vorfreude herrscht bei ihm auf die kommende Saison mit dem neuen Trainer Stefan Fröhlich. „Er hat ja schon ein Jahr als Co-Trainer bei uns mitgearbeitet. Für ihn ist diese Aufgabe eine große Chance. Er hat bereits viele Erfahrungen im Jugendbereich gesammelt und wird seine Sache gut machen. Da bin ich mir sicher“, betont Höttecke.

Gerade die aktuelle Serie von 19 ungeschlagenen Spielen in Folge macht dem Torhüter Mut. „Das flößt den Gegnern Respekt ein. Auch saisonübergreifend. Sollten wir gegen Rhynern auch nicht verlieren, dann wird jeder Gegner in der neuen Saison genau wissen, was auf sie zukommt“, ist sich Höttecke sicher. Doch zunächst will Höttecke noch das Kreispokalfinale gewinnen – gegen „seinen“ TSV Rüthen.