Kißling sieht Entwicklung positiv

Wichtige Stütze des Warsteiner Spiels: Für Thorsten Kißling ist im Sommer schon wieder Schluss beim VfS.
Wichtige Stütze des Warsteiner Spiels: Für Thorsten Kißling ist im Sommer schon wieder Schluss beim VfS.
Foto: Georg Giannakis

Warstein/Lüdenscheid..  Als Kreisläufer und sicherer Siebenmeterschütze hat er sich in den letzten Wochen immer besser in Szene gesetzt. Thorsten „Toko“ Kißling, vor der Saison von der HSG Hohenlimburg gekommen, ist zu einem wichtigen Eckpfeiler im Spiel des VfS Warstein geworden. Die „Ehe“ zwischen dem 29-jährigen gelernten Speditionskaufmann und dem heimischen Handball-Landesligisten endet aber bereits in diesem Sommer (wir berichteten) – früher als erwartet. Über die Gründe spricht Kißling mit dieser Zeitung.


Frage: Thorsten, nach nur einer Saison verabschiedest Du dich schon wieder aus Warstein. Warum?
Thorsten Kißling: Weil Aufwand und Ertrag nicht mehr im selben Verhältnis stehen. Ich wohne seit Januar in Lüdenscheid, arbeite in Siegen und fahre bis nach Warstein fast zwei Stunden, um am Training teilzunehmen. Das geht in meinen Augen einfach nicht. Ich musste jetzt die Reißleine ziehen. Der Handballsport hat und macht mir immer noch tierisch viel Spaß und ich fühle mich beim VfS auch sehr wohl, aber ich muss auch an meine berufliche Zukunft denken und die liegt nun mittlerweile hier im Siegerland. Auch meine Freundin fordert ihre Zeit ein, was absolut nachzuvollziehen ist. Alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer ganz einfach.

Wo werden wir Dich denn Handballtechnisch wiedersehen ab Sommer?

Das lasse ich jetzt mal völlig emotionslos auf mich zukommen. Landesliga-Handball dürfte aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit schwer zu stemmen sein. Außer die HSG Lüdenscheid oder so fragt an. Es gibt sicherlich Kontakte zu dem einen oder anderen Verein. Man wird sehen. Priorität hat aber ganz klar der Beruf und die Familie, was vor einigen Jahren vielleicht noch etwas anders war.


Kommen wir zur Entwicklung beim VfS Warstein in dieser Saison: Wie beurteilst Du diese?
Absolut positiv. Wir haben in vielen Spielen bewiesen, dass wir auch mit den ganz Großen der Liga mithalten können. Leider sind wir noch nicht konstant genug, um Teams wie Hohenlimburg, Halingen oder Schwitten dauerhaft in Verlegenheit bringen zu können. Aber den Weg, den der Verein eingeschlagen hat, ist absolut der richtige.


Und wohin führt der Weg des VfS in dieser Saison? Ist Platz drei realistisch?
Das weiß ich nicht. Ich glaube, wenn wir am Ende unter den Top 5 landen würden, wäre das eine feine Sache. Wir haben Platz drei nicht mehr in der eigenen Hand, sind in meinen Augen auch noch zu unerfahren. Das hat man gerade letzte Woche gegen Schwitten gesehen, wo wir ein richtig gutes Spiel abgeliefert haben, aber in den entscheidenden Momenten nicht clever genug agiert haben. Aber das ist ein Lernprozess, den so eine junge Mannschaft einfach durchlaufen muss. Wir sollten ihr noch zwei, drei Jahre Zeit geben, dann sieht das vielleicht anders aus. Nicht nur als Mannschaft haben wir uns weiter entwickelt, auch einzelne Spieler haben einen großen Sprung nach vorne gemacht. Ein Lukas Pielsticker zum Beispiel, der es endlich geschafft hat, seine Angst abzulegen, und der mittlerweile auf der Mitte fast immer die richtigen Entscheidungen trifft. Auch ein Amon Kaese im Tor hat mit seinen gerade einmal 18 Jahren noch alles vor sich, genauso wie Constantin Pieper oder auch andere Spieler. Und auch aus der eigenen Jugend kommt ja anscheinend einiges nach. Deshalb ist mir um die Zukunft des VfS nicht bange.


Am Samstag geht es für euch nach Schalksmühle. Für dich als Lüdenscheider ja quasi ein „Heimspiel“. Was erwartet euch dort?
Kißling (lacht)... Ja, durchaus. Das wird ein ganz hartes Spiel gegen einen Gegner, der nicht nur aufgrund des klaren Hinspielergebnisses sicherlich top-motiviert ist. Wir sind nicht chancenlos, aber es wird verdammt schwer, gerade auch wieder mit dem Harzball.


An der Tabellenspitze liefern sich Halingen und dein Ex-Verein Hohenlimburg ein packendes Kopf-an-kopf-Rennen. Wer setzt sich am Ende durch?
Mein Tipp ist ganz klar Hohenlimburg. Die Mannschaft macht auf mich einen noch gefestigteren Eindruck als Halingen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich Halingen vor der Saison gar nicht so auf dem Schirm. Beide Vereine kommen noch zu uns. Es kann daher durchaus sein, dass wir das Zünglein an der Waage spielen, wobei ich uns gegen Halingen mehr zutraue als gegen Hohenlimburg.