Jörg Bajewski startet bei der Drachenflieger-WM in Mexiko

Jörg Bajewski während seines Hobbys. Es gibt schlimmere Aussichten.
Jörg Bajewski während seines Hobbys. Es gibt schlimmere Aussichten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In 5000 Metern Höhe kann man seine Sorgen schon einmal vergessen. Wenn man. wie Jörg Bajewski, alleine an einem Drachen hängt, geht das umso besser. Doch am Himmel über Mexiko geht es nicht um tolle Perspektiven, sondern um WM- Punkte.

Warstein/Frankfurt (Main)..  Das Gefühl von Freiheit und Schwerelosigkeit, dem Himmel so nah zu sein – Jörg Bajewski kennt dieses wie kaum jemand anderes. Doch vor Beginn der Drachenflug-WM, dem eigentlichen Saisonhöhepunkt, hat sich dieses Gefühl beim Warsteiner noch nicht eingestellt.

So gesteht Bajewski vor dem Abflug zur WM, die vom 28. Februar bis 13. März in Valle de Bravo/Mexiko, stattfindet: „Ich bin noch gar nicht richtig im Wettkampf-Modus, sondern mit meinen Gedanken noch irgendwie beim Karneval und der Arbeit.“ So saß Bajewski auch gestern Nachmittag noch hinter seinem Schreibtisch, erledigte die letzten Restarbeiten, bevor heute Mittag (gegen 13.30 Uhr) ab Frankfurt/Main der Flieger abhebt. Auf die letzten Tage zurückblickend sagt Bajewski: „Mit dem Karneval habe ich feiertechnisch relativ früh abgeschlossen, um mich zumindest ein wenig auf die Weltmeisterschaft vorbereiten zu können.“

Zusammen mit den Nationalmannschaften Frankreichs und Russlands sitzt die deutsche Equipe heute in der Maschine Richtung Mexiko City. Zwölf Stunden Flug liegen vor ihnen. Viel Zeit, um nachzudenken. Das weiß auch Jörg Bajewski, der sagt: „Im Flieger werde ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zur Ruhe kommen können.“

Dieses Gefühl allzu lange genießen kann der Warsteiner allerdings nicht. Spätestens nach der Ankunft beginnt er wieder, der Stress. Den Austragungsort der Weltmeisterschaft haben Jörg Bajewski und seine Mannschaftskameraden bereits im vergangenen Jahr kennengelernt. In Valle de Bravo fand 2014 die Vor-WM statt. Jörg Bajewski erinnert sich gerne an diese Zeit zurück: „Landschaftlich gesehen ist diese Gegend wirklich traumhaft schön.“ Der Startplatz am Penon, rund 20 Kilometer südöstlich von Valle de Bravo gelegen, liegt auf 2400 Metern Höhe. Mit ihren Drachen werden die Piloten in bis zu 5000 Metern Höhe katapultiert. „Da wird die Luft dann wirklich dünn“, sagt Bajewski.

Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Corinna Schwiegershausen, Achim Vollmer, Gerd Dönhuber, Roland Wöhrle und Andre Djamarani wird Jörg Bajewski während seiner fünften WM-Teilnahme im „Deutschen Haus“ wohnen, einer nur für das Nationalteam angemieteten Unterkunft. Nachbarn der Deutschen sind die Franzosen und die Schweizer.

Sportlich gesehen gehört keines dieser drei Länder zu den Topfavoriten auf den WM-Titel. Hier hat Bajewski vor allem die Italiener auf der Rechnung. Über seine persönlichen Ziele äußert sich der Warsteiner eher zurückhaltend. In der Einzelwertung strebe er, so Bajewski, eine Platzierung unter den Besten 30 an. Bei der WM vor zwei Jahren in Sydney/Australien sprang für den ehrgeizigen Drachenflieger aus der Bierstadt „nur“ Rang 49 heraus. „Dieses gilt es nun zu korrigieren“, sagt Bajewski ehrgeizig.

In der Nationenwertung gehört „Team D“ (Deutschland, Anm. der Redaktion) ebenfalls nicht zum engsten Favoritenkreis. Bajewski: „Hier wäre es fantastisch, wenn wir am Ende unter den Top 5 landen würden. Von einem Treppchenplatz träumen ist erlaubt, aber da müsste schon ein Wunder geschehen.“

Voraussichtlich schon am Sonntag werden sich die deutschen Drachenpiloten mit den thermischen Bedingungen vor Ort vertraut machen. Dann stehen die ersten Trainingsflüge an. Am Samstag, 28. Februar, findet die WM-Eröffnungsfeier statt, ehe es einen Tag zum ersten von insgesamt elf geplanten Wertungsflügen kommen wird. „Ich denke, dass es auch elf Flüge geben wird. Die Wetterverhältnisse sollten dies zulassen.“ Spätestens dann dürfte auch bei Jörg Bajewski so etwas wie WM-Stimmung aufkommen.