Höhere Geldstrafen, aber keine Verbote

Junge Schiedsrichter, wie hier Lukas
Junge Schiedsrichter, wie hier Lukas
Foto: Tim Cordes

Warstein/Lippstadt..  Keine Sportfeste, keine Turniere mehr ausrichten, im schlimmsten Fall drohte sogar einmal ein Zwangsabstieg: Der so genannte Zweistufenplan sorgte bei manchen Vereinen für Angst und Schrecken. Zur neuen Saison wird der Plan überarbeitet. Die gute Nachricht: Turniere dürfen auch ausgerichtet werden, wenn der Verein zu wenig Unparteiische stellt. Dafür müssen die Klubs aber tief in die Tasche greifen.

Alle Neuerungen im Überblick:

Hintergrund

Jeder Verein ist verpflichtet, Schiedsrichter zu stellen. Die Anzahl der Unparteiischen ist abhängig von der Zahl der Seniorenmannschaften (Herren und Damen), sowie der A- und B-Junioren. Die meisten heimischen Mannschaften in Bezirks- und Kreisliga müssen pro Mannschaft einen Schiedsrichter stellen. Ausnahmefall ist der SV Lippstadt 08, der für seine Oberliga-Mannschaft drei Schiedsrichter beschäftigen muss. Stellt ein Verein zu wenig Schiedsrichter, greift der Zweistufenplan, der Vereine bestraft, die sich nicht um das Erfüllen des Schiedsrichtersolls kümmern. Die Bewertung erfolgt jeweils vor der Saison. Erfüllt ein Verein erstmalig die Anforderungen nicht, rutscht er in die erste Stufe. Sind auch ein Jahr später zu wenig Schiedsrichter beim betroffenen Verein aktiv, erfolgt der „Abstieg“ in Stufe zwei.

Bisherige Regelung

Erfüllte ein Verein die Anforderungen nicht, wurde er im ersten Jahr mit einer Geldstrafe sanktioniert. Die Höhe ist anhängig von der Ligenzugehörigkeit der ersten Mannschaft. Bei den Bezirksligisten sind es je 300 Euro und bei Kreisligamannschaften waren es jeweils 250 Euro pro fehlendem Schiedsrichter.

Erfüllte ein Verein im zweiten Jahr das Soll nicht zu mindestens 60 Prozent, durfte der Klub keine Turniere (Sportfest, Hallen-, Stadtpokalturniere) mehr ausrichten. Ausgenommen von dieser Regelung waren „echte“ Jubiläen (also 25, 50, 75... Jahre) des Vereins, die weiterhin gefeiert werden durften.

Neue Regelung

Das Verbot, Turniere nicht mehr ausrichten zu dürfen, ist von der Ständigen Konferenz des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) abgeschafft worden. Stattdessen müssen die Vereine deutlich höhere Geldstrafen bezahlen, wenn sie nicht genügend Schiedsrichter in ihrem Verein stellen.

Gleich bleiben die Ordnungsgelder in der ersten Stufe von 300 (Bezirksligisten) bzw. 250 Euro (Kreisligamannschaften).

Neu ist, dass Vereine, die das Soll im zweiten Jahr nicht zu mindestens 60 Prozent erfüllen, ein um die Hälfte erhöhtes Ordnungsgeld zahlen müssen. Und das bis zur 100-prozentigen Sollerfüllung. Beispiel: Ein Bezirksligist benötigt vier Schiedsrichter, hat aber nur einen. Das wäre in der ersten Phase ein Ordnungsgeld in Höhe von 900 Euro. Durch die neue Regelung würde das Ordnungsgeld im zweiten Jahr auf 1350 Euro ansteigen.

„Über dieses Thema wurde in der letzten Konferenz lange diskutiert. Letztlich kam man zu dieser Entscheidung, da der Verband den Spielbetrieb nicht verhindern, sondern fördern möchte“, betont Werner Fromme, der als Kreisvorsitzender Mitglied der Ständigen Konferenz des FLVW ist.

Sonderregelungen

Stichtag für die Berechnung des Solls ist der 1. August. Alle zu diesem Zeitpunkt gemeldeten Mannschaften kommen in die Wertung. Meldet ein Verein während der Saison eine Mannschaft ab, bleibt diese dennoch in der Wertung für die laufende Saison. Eine Neuberechnung des Solls findet nicht statt. Anders- herum gilt: Meldet ein Verein während der Saison neue Schiedsrichter an, zählen diese sofort. Ein neu ausgebildeter Schiedsrichter zählt von dem Tag seiner abgelegten Prüfung an und mindestens zwei Jahre lang für seinen Verein. Das gilt auch für den Fall, dass ein Schiedsrichter von einem anderen Verein abgeworben wird. „Der Schiedsrichter bleibt noch zwei Jahre bei seinem alten Verein gelistet“, erklärt Werner Fromme. Ein Bestands-Schiedsrichter muss 15 Spiele pro Saison leiten, um das Soll zu erfüllen.

Soll-Übererfüllung

Stellt ein Verein mehr Schiedsrichter als benötigt, erhält der Verein pro Schiedsrichter und pro Saison einen Bonus in Höhe von 100 Euro. Ist darunter ein neu ausgebildeter Schiedsrichter, erhält der Verein einen zusätzlichen Bonus in Höhe von einmalig 100 Euro, wenn dieser Schiedsrichter mindestens zwei Jahre nach seiner Prüfung noch aktiv ist. Von den heimischen Vereinen haben aktuell der SuS Oestereiden, SW Suttrop und der SSV Menzel das Soll übererfüllt. „Früher gab es nur 50 Euro pro Schiedsrichter, das ist jetzt ein sehr guter Anreiz für die Vereine“, weiß Fromme.