Heinz Thomanek: "Es gibt keine Garantie für den Aufstieg!"
05.09.2008 | 06:49 Uhr 2008-09-05T06:49:00+0200
Warstein. Auch vor der neuen Handball-Landesliga-Saison mit dem Startspiel bei Neuling Eintracht Hagen III lässt sich der Trainer des VfS Warstein im WP-Interview nicht auf die Favoritenrolle festnageln.
Frage: Vier Monate nach dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Ferndorf II geht es endlich wieder rund. Kribbelt es schon beim Trainer und seiner Warsteiner Mannschaft?
Heinz Thomanek: Ja, klar. Es ist schön, dass es wieder los geht. Wir haben zwei Monate richtig relaxed, danach acht Wochen harte Vorbereitung gehabt. Jeder freut sich jetzt natürlich auf den ersten Ballwechsel.
Frage: Sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden?
Thomanek: Es ist optimaler und besser gelaufen als letztes Jahr. Die Trainingsbeteiligung war intensiver als vor einem Jahr. Von der Anwesenheit der Jungs waren das im Vergleich zum Vorjahr sicher 20 bis 30 Prozent mehr. Wir haben fast komplett trainieren können und wir haben bis auf die schwere Bänderdehnung bei Kreisläufer Thorsten Grunwald, der noch bis Oktober ausfällt, die Vorbereitung ohne Verletzungen durchgekriegt.
"Deckungsspiel noch offensiver ausrichten"
Frage: Welche Varianten und Spielzüge wurden im Sommer-Training neu einstudiert?
Thomanek: Wichtig war erstmal, dass wir die alten Sachen wieder haben aufleben lassen. Solche Dinge, die uns in Abwehr und Angriff die vergangenen Jahre stark gemacht haben. Vorallem das Deckungsspiel wollen wir in der neuen Saison noch etwas offensiver ausrichten.
Zwischenfrage: Ändert der Sechs:Null-Fanatiker Thomanek jetzt etwa sein viel beschworenes Abwehrsystem?
Thomanek: Natürlich nicht. Das können wir mit unseren groß gewachsenen und körperlich kräftigen Spielertypen in der Innenverteidigung nicht von heute auf morgen ändern. Wir müssen hinten schon im Verbund weiterarbeiten, gleichzeitig aber auch in der Lage sein - je nach Spielsituation - unser System umzustellen.
"Auf Außen fehlen uns die Alternativen"
Frage: Gibt es Systemveränderungen im Angriffsspiel?
Thomanek: Ja, auch da wollen wir flexibler werden. Zoran Kaseric wird auch mal auf seiner angestammten Position auf Linksaußen wieder zum Einsatz kommen. Björn Kanning kann vom Rückraum auch auf die Rechtsaußenposition einrücken. Wir müssen auf den Rückraum- und Außenpositionen rotieren, weil uns in dem dünnen Kader auf Außen ein bisschen die Alternativen fehlen; zumal Sebastian Rhode weggebrochen ist und Sascha Janiuk ja leider doch nicht zurückgekommen ist.”
Frage: Jan-Hendrik Cramer hat sich für ein Jahr nach Australien verabschiedet. Kann seine Position im Rückraum adäquat ersetzen werden?
Thomanek: „Henni” ist ein Riesentalent und von seiner Spielart bis zur Rückkehr im März schwer ersetzbar. Aber Philipp Schmitt kann diese Lücke sicher schließen. Sein Comeback ist für die gesamte Mannschaft sehr positiv. Mit dem 41-jährigen Michael Gerold haben wir außerdem noch einen routinierten Rückraumspieler vom SC Lippstadt bekommen, der vorne gut das Positionsspiel ausfüllt, den Ball verteilt und im Innenblock der Deckung steht er auch seinen Mann.
„Wir sind keine Youngster-Truppe mehr”
Frage: Das größte Plus dürfte die Verpflichtung von Torwart Sven Sowein sein. Neben Michael Mostardt hat der VfS nun noch eine Ikone zwischen den Pfosten. Ergänzen sich die zwei?
Thomanek: Ich hoffe es. Um die beiden Torleute beneiden uns andere Vereine doch. Ich würde mir wünschen, dass beide so ein Duo wie Henning Fritz und Jogi Bitter in der Nationalmannschaft werden. Michael Mostardt ist ohnehin ein Phänomen - was der alles gehalten hat, letztes Jahr! Sven Sowein steht dem aber nichts nach.
Frage: Beide sind zusammen über 80 Jahre alt. Auch Leistungsträger wie Zoran Kaseric und Björn Kanning kommen langsam in die Jahre, wo ein Handballspiel an den Kräften zehrt. Hat der VfS den Zenit auf gewissen Positionen schon überschritten?
Thomanek: Überschritten sicher nicht. Zoran und Björn können auf ihrem Niveau so schon noch ein paar Jahre weiterspielen. Man muss das ganze Team nur ein bisschen auffrischen. Von der Bewegungsebene her ist es natürlich schon ein Unterschied, wenn 23- oder 24-Jährige ein Spiel prägen oder die etwas älteren Spielern. Wir sind sicher keine Youngster-Truppe mehr. Mit Tempogegenstößen und schneller Mitte können wir die Gegner nicht mehr so unter Druck setzen, wie wir es sonst gemacht haben. Aber es wachsen ja auch Perspektivspieler heran. Frederik Cramer und Uwe Hoffmann, die beide von der Zweiten über die Erste Mannschaft aufgebaut werden, sind gute Beispiele für die Jugendarbeit. Sie brauchen aber noch etwas Zeit.
Frage: 2009 begeht der VfS Warstein sein 50-jähriges Bestehen. Das wäre doch ein schöner Anlass, auch den Aufstieg zu feiern. Ist die Meisterschaft möglich?
Thomanek: Natürlich wäre es toll, wenn zu so einem Jubiläum der Aufstieg gelingt. Vom Ehrgeiz her geben wir wieder alle hundert Prozent. Aber eine Garantie gibt es nicht, selbst wenn man das 100-Jährige feiert nicht. Da muss schon alles passen. Es darf sich kein Spieler verletzen.
"Schwitten und Hombruch die Favoriten"
Frage: Zählt Ihre Mannschaft zu den Titelanwärtern?
Thomanek: Für mich nicht. Wir möchten natürlich oben mitmischen und den anderen Paroli bieten. Aber Schwitten und Hombruch sind für mich die Topfavoriten - und wie man hört soll auch der Aufsteiger Menden-Lendringsen II sehr stark sein.
Frage: Was wissen Sie über den Auftaktgegner aus Hagen?
Thomanek: Ein völlig unbeschriebenes Blatt. Die Mannschaft wird als Aufsteiger sicher noch von der Euphorie leben. Da hat man es am ersten Spieltag immer schwer, zumal uns der verletzte Thorsten Grunwald und auch Tobias Nagel aus beruflichen Gründen leider fehlen werden.

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