Heinz Knüwe will SV Lippstadt in der Regionalliga etablieren

Zwei Bochumer Fußballlegenden treffen sich im Waldschlösschen: Dariusz Wosz (links) und Heinz Knüwe, ehemaliger Spieler des VfL und heutiger sportlicher Leiter des SV Lippstadt08.
Zwei Bochumer Fußballlegenden treffen sich im Waldschlösschen: Dariusz Wosz (links) und Heinz Knüwe, ehemaliger Spieler des VfL und heutiger sportlicher Leiter des SV Lippstadt08.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Heinz Knüwe ist ein erfahrener Mann. Mit seinen fast 60 Jahren hat er bereits viel hinter sich gebracht. Profi beim VfL Bochum, Hannover 96 und TSV 1860 München, sowie sportlicher Leiter in Bochum und den Sportfreunden Siegen. Jetzt will Knüwe seine alte Liebe zu neuem Ruhm führen.

Lippstadt..  Noch vor dem Ende der Ära Daniel Farke beim SV Lippstadt 08 begann Heinz Knüwe im Hintergrund seine Arbeit als Nachfolger Farkes, um eine neue Mannschaft für die kommende Saison aufzubauen. Im Gespräch mit der WESTFALENPOST spricht der neue sportliche Leiter über Umbrüche, die Regionalliga, professionelle Strukturen sowie Chancen und Risiken des Trainerwechsels am Bruchbaum.


Frage: Herr Knüwe, Sie treten in die großen Fußstapfen von Daniel Farke. Wie wird es nun weitergehen?
Heinz Knüwe: Seitdem ich im Februar das Amt angetreten habe, habe ich mich um alles gekümmert, was Daniel nicht mehr machen konnte. Also in erster Linie die Gespräche mit den Spielern führen, einen neuen Trainer installieren und die personelle Situation klären. Es hat uns ja nicht nur Daniel Farke verlassen, sondern auch Dirk Brökelmann als Sportkoordinator und Daniel Craes als Assistent der sportlichen Leitung und Sicherheitsbeauftragten. Die medizinische Abteilung macht zum Glück weiter. Wir suchen gerade noch einen Co-Trainer.
Nur drei Spieler hatten einen Vertrag, der über das Saisonende hinaus gilt. Wird der SV Lippstadt 08 auch in der neuen Saison einen schlagkräftigen Kader aufbieten?
Aktuell haben wir 19 Spieler unter Vertrag. Wir suchen immer noch den ein oder anderen Stürmer und warten ab, was sich ergibt.


Drängt die Zeit nicht langsam? Am 3. Juli geht es schließlich wieder los...
Nein, ich bin da recht entspannt. Wir haben bis Ende August Zeit, um Spieler zu verpflichten. Und dieses Zeitfenster nutzen wir auch aus. Es gibt immer mal wieder Spieler, die gerne höherklassig spielen möchten, aber keinen Verein finden, der sie nimmt. Häufig ergibt sich dann kurz vor Ende der Transferperiode noch einmal die Möglichkeit, den ein oder anderen dieser Spieler zu holen. Bevor sie gar keinen Verein haben, können sie ja dann auch bei uns spielen.


Droht das zweite Umbruchjahr in Folge für den Verein?
Ich weiß nicht, was nach dem Abstieg aus der Regionalliga gesagt wurde. Ich blicke nach vorne und das Ziel lautet, eine schlagkräftige Truppe aufzubauen, die in der Lage ist, den Zuschauern weiterhin attraktiven Fußball in Lippstadt zu präsentieren.


Wird dieser Fußball denn mittelfristig weiter in der Ober- oder in der Regionalliga gespielt?
Ich habe eigentlich keine Lust darauf, Lippstadt in den nächsten zwei bis drei Jahren weiterhin im Mittelfeld der Oberliga zu sehen. Der Verein hat die meiste Zeit seiner Geschichte in der vierten Liga gespielt, warum soll das nicht weiterhin möglich sein?


Das Umfeld schreit ja ein wenig nach Regionalliga...
Die Infrastruktur ist der Liga derzeit voraus. Alleine, wenn man das Potenzial sieht, das wir in Lippstadt haben. Mit diesen Fans hat man es absolut verdient, in der Regionalliga zu spielen.


Ist die Regionalliga in Lippstadt auch mit „Feierabend-Fußballern“ dauerhaft realisierbar?
Man muss immer gucken, was möglich ist. Auch mit Feierabend-Fußballern kann man problemlos in der Regionalliga spielen. Das widerspricht sich nicht. Es kommt immer auf den eigenen Anspruch an. Wenn jetzt einer kommt uns sagt, wir wollen da oben mitspielen, dann muss man das überdenken. Aber das wäre für Lippstadt eine Nummer zu groß. Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass eine Regionalligamannschaft auch mit Feierabend-Fußballern machbar ist. Zu meiner aktiven Zeit war es ja auch nicht anders. Da bin ich morgens in die Schule gegangen und habe abends in der zweiten Liga trainiert.


Sie waren zuletzt vor zehn Jahren als Trainer beim SV Lippstadt 08 tätig. Hat sich seitdem viel verändert aus Ihrer Sicht? Gerade im Hinblick auf das Interesse im Umfeld?
Der Zuspruch gerade auch der Sponsoren ist wesentlich besser geworden. Man darf nicht vergessen, dass wir nicht nur aus dem personellen Apparat der ersten Mannschaft bestehen, sondern auch die gut 300 Kinder und Jugendlichen die in unserem Verein tätig sind. Das ist alles gar nicht anders zu regeln als mit Sponsoren, das ist ein wichtiger Faktor.


Blicken wir noch einmal auf die neue Saison: Mit Stefan Fröhlich haben Sie einen 29-jährigen Trainer installiert. Ist das Risiko nicht zu hoch, mit so einem jungen Trainer in die Saison zu gehen?
Ob der Trainer jung oder alt ist, spielt keine Rolle. Stefan hat einen großen Vorteil: Er bringt die nötigen Voraussetzungen mit, um hier gute Arbeit zu verrichten. Er war das letzte halbe Jahr ganz dicht an der Mannschaft dran, er kennt durch seine Tätigkeit als Jugendtrainer den Verein bestens. Man muss es mal anders herum sehen: Ein Risiko ist es auch, einen alten Trainer zu verpflichten. Stefan hat uns sein Konzept vorgestellt und uns absolut überzeugt. Wir haben absolutes Vertrauen in seine Arbeit und sind uns sicher, dass er dieses Vertrauen zurückzahlen wird.

Personell gab es bislang Höhen und Tiefen. Mit Lars Schröder und Nils Köhler verlassen zwei Leistungsträger den Verein, auf der anderen Seite wurden die Verträge mit Schlüsselspielern wie Moritz Kickermann und Fabian Lübbers verlängert. Schmerzen die Abgänge?

Es gibt bei uns im Kader weiterhin sehr gute Spieler. Die meisten wissen ja auch zu schätzen, was sie in Lippstadt haben, und das zählt dann am Ende vielleicht sogar mehr als die Spielklasse. Dass gute Spieler wechseln oder mit anderen Vereinen verhandeln, empfinde ich als völlig legitim. Das ist ihr gutes Recht. In den Gesprächen habe ich den Jungs gesagt, dass sie das Ziel haben müssen, wieder dahin zu kommen, wo wir im letzten Jahr waren.


Wird der eingeschlagene Weg, talentierte Spieler zu fördern, weitergegangen oder denken Sie auch über den ein oder anderen erfahrenen Spieler als Neuverpflichtung nach?
Bei den bishergen Neuzugängen lässt sich ja ablesen, in welche Richtung es geht. Wir haben ja fast ausschließlich Spieler verpflichtet, die Anfang 20 sind. Wir wollen den Weg mit den jungen Spielern weitergehen und den Kader mit erfahrenen Spielern ergänzen. Danilo zum Beispiel ist ja auch schon 31 und der älteste Spieler im Kader. Auf der anderen Seite haben wir die jungen Leute. Die gesamte Bandbreite ist vertreten. Aktuell liegt das Durchschnittsalter unseres Kaders bei gerade einmal 24 Jahren. Das ist ein sehr guter Schnitt.