Ein Wurf wie ein Schlag in die Magengegend

Schrecksekunde: VfS-Spielertrainer Boban Ristovic knickt Anfang der zweiten Halbzeit unglücklich um, muss kurz behandelt werden, kommt danach aber umso stärker wieder zurück.
Schrecksekunde: VfS-Spielertrainer Boban Ristovic knickt Anfang der zweiten Halbzeit unglücklich um, muss kurz behandelt werden, kommt danach aber umso stärker wieder zurück.
Foto: WP

Hagen..  Ein platzierter Wurf wie ein Schlag in die Magengegend: Spieler und Trainer Andreas Kuno vom abstiegsbedrohten Handball-Landesligisten VfL Eintracht Hagen III hatten schwer zu schlucken, als Warsteins Linkshänder Ciya Aslan mit der allerletzten Aktion des Spiels sein Herz in beide Hände nahm und die Gäste aus der Bierstadt mit dem Treffer zum 30:29 (14:18) zu zwei unverhofften Punkten warf.

Die personellen Voraussetzungen hätten aus Sicht des VfS Warstein vor dem ersten Match des neuen Jahres nicht schlechter sein können: Zu den ohnehin verhinderten Lars Schorlemer, Philipp Schmitt, Lino Gericke und Simon Kraus gesellte sich kurzfristig auch noch der erkrankte Nikolai Wachholz. Der VfS war mehr oder weniger mit einer „Reisetruppe“ (auf der Auswechselbank saßen nur zwei Torhüter und zwei Feldspieler) in die Volmestadt gereist, machte aus der Not aber eine Tugend und zeigte eine außergewöhnliche Energieleistung.

Dabei kam es zu Beginn der Partie zu dem im Vorfeld erwarteten Bild (an gleicher Stätte war der VfS in der vergangenen Spielzeit mit 25:46 baden gegangen): Hagens Drittvertretung übernahm die Spielkontrolle und kam in der Anfangsphase relativ leicht zu seinen Toren. Aus Warsteiner Sicht zu leicht. Der VfS lief ab der zehnten Spielminute meistens einem Drei-Tore-Rückstand hinterher. Dies änderte sich kurz vor dem Seitenwechsel, als der bis dahin eher unauffällige Warsteiner Kreisläufer Thorsten „Toko“ Kißling die Gäste wieder auf 12:13 heranbrachte. Unkonzentriertheiten in der Schlussphase und überhastete Aktionen im Angriff machten es den Hagenern aber relativ leicht, ihre Führung bis zur Pausensirene wieder auszubauen. 18:14 stand es schließlich nach 30 gespielten Minuten. Der VfS war in Schlagdistanz, und sollte in Durchgang zwei eine Schüppe drauflegen können.

Zwar liefen die Warsteiner bis weit in die zweite Hälfte hinein einem Rückstand hinterher – eine Viertelstunde vor dem Ende führte Hagen immer noch mit drei Toren (24:21) – doch nun sollte der VfS seine stärkste Phase haben. Im Tor wuchs der mittlerweile eingewechselte Amon Kaese über sich hinaus und im Angriff war Boban Ristovic (musste kurzzeitig runter, nachdem er unglücklich auf den Fuß seines Teamkollegen Kißling getreten war und sich dabei leicht verletzt hatte) nun kaum noch zu halten. Auch die Mitnahme von Jonas Bittern, eigentlich Spielmacher der zweiten Mannschaft des VfS Warstein, machte sich positiv bemerkbar aus Sicht der Gäste. So war es Boban Ristovic höchstpersönlich, der sein Team in der 49. Minute auf 24:25 heranbrachte. Die letzten Minuten, ja fast Sekunden, des Spiels waren dann nichts für schwache Nerven: Ausgleich von Ciya Aslan zum 27:27, dann erstmals die Führung für den VfS durch Sven Mühlenschulte zum 28:27, der erneute Ausgleich für Hagen, wieder kontert Mühlenschulte zum 29:28, wieder Ausgleich für Hagen, ehe Ciya Aslan zwei Sekunden vor Schluss zum alles entscheidenden Wurf ansetzt – und trifft. Wahnsinn!

Fazit von VfS-Spielertrainer Boban Ristovic: „Von der Chancenverwertung her war das von beiden Mannschaften nicht Landesliga-tauglich. Wir sind heute der glückliche Sieger, nehmen die Punkte natürlich gerne mit. Kompliment an meine Mannschaft für eine großartige kämpferische Leistung. Wir müssen uns bei Amon Kaese bedanken, der sensationell gehalten hat in einigen Situationen.“

VfS Warstein: Hilwerling, Kaese (ab 20.), Schmidt (n.e.); Aslan (5), Ristovic (8), Pielsticker, Pieper (1), Manderfeld (1), Mühlenschulte (6), Kißling (5), Bittern (4).