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EM 2012

Ein Spanier und Italiener aus Warstein vor dem EM-Finale im Fieber

29.06.2012 | 21:50 Uhr
Ein Spanier und Italiener aus Warstein vor dem EM-Finale im Fieber
Diskutierten vor dem EM-Finale: Der Spanier Andreas Cabello (links) und der Italiener Arturo Maiella.

Warstein. Wenn ein Spanier nahezu fließend italienisch spricht und ein Italiener – zumindest ansatzweise – die spanische Sprache versteht, dann ist es auch keineswegs vermessen zu behaupten, dass beide Nationalitäten mehr gemeinsam haben, als man auf Anhieb denkt. „Wir sind Südländer. Und Südländer halten zusammen. Außerdem haben sie Respekt voreinander, egal was ist“, so der einhellige Tenor der beiden Warsteiner, die ihre Wurzeln in den soeben erwähnten Ländern haben.

Obwohl morgen Abend beim Fußball EM-Finale ihre „Vaterländer“ aufeinander treffen, sind Andreas Cabello (68 Jahre alt/gebürtiger Spanier) und Arturo Maiella (39 Jahre alt/gebürtiger Italiener) ein Herz und eine Seele. Dennoch: Natürlich drücken sie morgen „ihrer“ Mannschaft ganz fest die Daumen. Vor dem Endspiel sprach unsere Zeitung mit den beiden Südländern – zwei altbekannte Persönlichkeiten der örtlichen Fußball-Szene.

Der in Granada geborene, doch mittlerweile seit über 50 Jahren in Deutschland und damit in Warstein lebende Spanier Andreas Cabello war viele Jahre als Jugend-Fußballtrainer beim TuS Warstein aktiv und wird bald schon – nach langer Auszeit – erneut auf der Trainerbank am Herrenberg Platz nehmen. Cabello wird ab der kommenden Saison die vierte Mannschaft des TuS coachen. „Fußball ist mein Leben“, betont der 68-Jährige, der selbst in der Kreisklasse einen Hauch spanischer Fußballphilosophie mit hinein bringt und ein großer Sympathisant des viel umworbenen „Tiki-Taka-Spiels“ ist.

„Dieses schnelle Kurzpass-Spiel der Spanier ist grandios. Viele Tore zu schießen, ist nicht so wichtig. Der Ball muss laufen. Dann kommt man auch zum Erfolg“, so Cabello, der sich auf das Finale gegen die Italiener riesig freut: „Das wird ein Fußballfest.“ „Ich freue mich auf ein super Spiel und sage nur: Der bessere soll gewinnen“, fällt Italiener Arturo Maiella, wild gestikulierend, seinem Kollegen ins Wort. „Das ist richtig. Ich finde auch, dass die bessere Mannschaft den Titel holen soll“, stimmt Andreas Cabello zu und legt als Symbol des Respekts und der Freundschaft seine Hand auf die von Arturo Maiella.

Beide haben auf ganz unterschiedliche Weise den Weg ihrer National-Elf bis ins Endspiel verfolgt – vor allem das kürzliche Halbfinale. Der eine ganz ruhig zu Hause, der andere lautstark im Rudelgucken in seiner Pizzeria. „Ich habe den Fernseher auf lautlos gestellt und über Radio den spanischen Live-Kommentar gehört. Es war fantastisch. Unbeschreiblich, diese Emotionalität des Reporters“, so Andreas. „Bei mir herrschte mehr Feierlaune. Den Sieg gegen Deutschland haben wir mit 40 Leuten in ganz lockerer Atmosphäre erlebt. Wir haben drei, vier Flaschen Ramazzotti getrunken und nach Spielschluss ging es zur Party Richtung Marktplatz“, erklärt Arturo in immer noch unverkennbarer Euphorie.

An den Freudentaumel hat sich der 39-Jährige Italiener bereits in Kürze so sehr gewöhnt, dass er nichts dagegen hätte, wenn er seinen Glücksgefühlen auch nach einem möglichen Final-Sieg erneut freien Lauf lassen könnte.

Maiella: „Italien ist wieder in Fußball-Europa angekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Truppe soweit kommt. Aber die Mannschaft ist top motiviert, hat ein gutes Spielsystem und super Spieler wie Pirlo oder Balotelli. Sie sind ein Phänomen.“ Der (Warsteiner) Italiener, der in Benevento, einem kleinen Ort in der Nähe von Neapel zur Welt kam, glaubt ganz fest an einen Sieg der „Squadra Azzurra“ und hat bereits ein konkretes Resultat parat: „1:0 Balotelli 70. Minute“, schießt es lachend aus ihm heraus.

„Wir gewinnen 2:1“, hält der 68-Jährige Spanier dagegen und fügt zwinkernd hinzu: „Hut ab vor Italien. Aber wir sind die Stärkeren.“ Arm in Arm, ihre Nationalflagge um die Schultern gelegt, verlassen die beiden Fans gut gelaunt unsere Redaktion und singen: „Eviva Italia“.

Georg Giannakis

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2012-06-29 21:50
Warstein