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Zehnmal um die ganze Welt

23.12.2009 | 16:09 Uhr

Recklinghausen. Eigentlich ist Alexander Murek ein ganz bodenständiger Mensch. Lebt in Recklinghausen, betreibt dort ein Sportfachgeschäft und ist Vorsitzender eine rührigen Tischtennisvereins. Niemand würde annehmen, dass er auch ein Weltbummler ist.

Zehn Mal ist er in den vergangenen zehn Jahren um die Welt gefahren. Theoretisch zumindest.

Denn tatsächlich hat der 36-Jährige nicht schon zehnmal China, Indien, Australien oder den amerikanischen Kontinent durchquert. Aber er ist seit 1999 insgesamt 400 000 Kilometer mit seinem Transporter kreuz und quer durch Deutschland gefahren. Nicht mit irgendeinem Transporter, sondern mit dem Schnuppermobil des Deutschen Tischtennis Bundes. Vor zehn Jahren als Werbemaßnahme im Hinblick auf die Europameisterschaft 2000 im Bremen angeschafft, hat sich das Gefährt zum Dauerbrenner entwickelt. Murek hat sich mit seinem mobilen Tischtennis-Bauchladen das Motto des berühmtesten Autos der Welt zu eigen gemacht: Er fährt und fährt und fährt.

Und betreibt sozusagen Entwicklungshilfe in Sachen Tischtennis. Bei Vereinen, bei Verbänden, bei Messen. Es gibt ganz unterschiedliche Interessenten, die um einen Besuch des Schnuppermobils bitten. Und je länger der Recklinghäuser auf Achse ist, etwa an 120 Tagen im Jahr, desto beliebter wird das Angebot. Keine Spur von Abnutzung. Weder bei den Interessenten noch beim „Teamer”, wie sich Murek versteht. „Ich kann das nicht alleine machen, sondern brauche vor Ort ein Team, das mir hilft.” Das fängt beim Ausladen seines Transporters mit den Platten unterschiedlichen Größe und diversen anderen Geräten an und hört beim Gestalten des Schnuppertags auf.

Früher zog ein Jaques Secretin über Land, um mit kuriosen Ballwechseln, Spielwitz und schauerspielerischem Talent für den Tischtennissport zu werben. Heute versteht sich Alexander Murek ein wenig in dieser Tradition; wenn auch mit anderen, vom Ausrüster Butterfly seit 2001 zur Verfügung gestellten Mitteln.

Dazu gehören übergroße Schläger ebenso wie Miniplatten. Der neueste Clou ist ein Geschwindigkeitsmesser. Spitzenspieler schaffen es bei einer Demonstrationsübung zu Schlägen mit einer Geschwindkeit von 110 Stundenkilometern. „Und im Spiel können die Bälle noch schneller fliegen”, weiß der Recklinghäuser, der selbst kaum noch Zeit hat, um an der Platte zu stehen. Er leistet stattdessen Basisarbeit und will den Vereinen helfen, die Attraktivität ihres Sports zu demonstrieren.

Und er hat alles, was im Mobil transportiert wird und womit er Werbung in Sachen Tischtennis machen kann, selbst ausgedacht. Die Konzepte hat er entworfen und entwickelt sie ständig weiter. „Als ich vor zehn Jahren angefing, wusste ja keiner, wie sich das entwickelt.” Murek hatte sich beim Deutschen Tischtennis Bund als Schnuppermobil-Mann beworben und wurde genommen. Exakt am 19. Dezember 1999 hatte das Mobil in Ottmarsbocholt seinen ersten Einsatz.

Seitdem hat er zwei Fahrzeuge verschlissen. Und auch das dritte steht derzeit in der Werkstatt; mit Macken, die selbst den Ingenieuren des Herstellers Rätsel aufgeben. 180 000 Kilometer ist es schon gelaufen, aber bei 450 000 Kilokmeter soll die Lebensdauer liegen. Bloß gut, dass in diesen Tagen kein Termin mehr ansteht. „Für dieses Jahr bin ich fertig”, sagt Murek.

Die letzte Tischtennis-Veranstaltung des Jahres, die er besucht, hat einen privaten Hintergrund. Er wird sich gemeinsam mit Freunden seines Vereins Dream Team Recklinghausen das Pokal-Final-Four in Dortmund anschauen und hoffen, dass Borussia Düsseldorf gewinnt. Dort spielt Timo Boll, einer der besten Tischtennisspieler der Welt und wie Murek ein Werbeträger für seinen Sport. Beide laufen sich nicht selten über den Weg. Bei Messen oder anderen Veranstaltungen, in Hotels. Sie kennen und duzen sich.

Und ist der Hesse wirklich so sympathisch wie er im Fernsehen rüberkommt? „Der ist noch viel sympathischer”, sagt Alexander Murek, der selbst froh ist über seine Botschaftertätigkeit. Auch wenn die ganz schön auf die Knochen gehen kann. Mitten in der Nacht aufzustehen, um morgens um halb acht an irgend einer Schule in Hessen zu sein. Das ist keine Ausnahme für den Mann, der ziemlich gut organisiert sein muss, um Beruf, Hobby und Familie und einen Hut zu bringen. Und demnächst wird das ganz noch einmal schwieriger. Denn dann muss der werdende Papa Murek auch noch ein Baby in seinen Tagesablauf unterbringen.

Andreas Rorowski

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