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WAZ-Serie: Schmiddis Ecke

Wie im alten Rom

16.02.2010 | 15:26 Uhr
Wie im alten Rom

Vancouver ist eine wunderbare Stadt, eine Perle am Pazifik, ein Traum. Ich durfte mich schon zweimal davon überzeugen. Im Norden die Coast Mountains, im Westen Vancouver Island, im Osten die Weiten von Beautiful British Columbia. Natur pur umgibt diese Millionenstadt.

In den Coast Mountains liegt Whistler, ein Retorten-Skiort der schöneren Art, idyllisch und mit Charme erbaut. Die dort errichtete Rodelbahn für die olympischen Winterspiele ist allerdings ein Albtraum. Und passt mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von über 150 km/h, die einem georgischen Rodler zum tödlichen Verhängnis wurde, nicht zu einem Land, das auf den Highways penibel kontrollierte 120 km/h als Maximaltempo vorgibt.

Es passt aber zum aberwitzigen Wettrüsten, das in den Hochgeschwindigkeits-Sportarten seit vielen Jahren betrieben wird. So ist es meiner Meinung nach wohl nur eine Frage der Zeit, bis im Skisport erste Opfer zu beklagen sein werden. Die Sportler selbst sind auf der Jagd nach Ruhm, Ehre und Geld bereit, diese Risiken einzugehen. Hier sind die Funktionäre gefragt, sich klar zu positionieren und das Regelwerk sicherheitstechnisch zu modifizieren.

Warum kein Tempolimit für Bob- und Rodelbahnen einführen? Warum halsbrecherische Abfahrten nicht entschärfen? Auch auf Kosten von Dramaturgie und Nervenkitzel. Wir leben nicht mehr im alten Rom. Wir dürfen die Sportler dem Zuschauer nicht mehr zum Fraß vorwerfen. Nichts anderes tut man, wenn man durch immer schnelleres Material versucht, die Grenzen des Körpers zu überwinden. Das Leben ist keine Playstation, der georgischen Rodler hatte nur ein Leben.

Eine Frage beschäftigt mich darüber hinaus. Werden bei der Ermittlung von Sicherheitsmängeln alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Oder werden das Budget übersteigende Kosten gemieden? Wenn auch nur inoffiziell. Es müsste doch technisch möglich sein, eine neue Rodelbahn zunächst mit einem ferngesteuerten Test-Dummy zu befahren, Unfälle zu simulieren und erkennbare Mängel zu beseitigen. Doch ich befürchte, dass sich der Ehrgeiz in diesem Bereich aus finanziellen Gründen weiter in Grenzen halten wird. The show musst go on.

Martin Schmidt (43) ist Trainer des Fußball-Landesligisten SV Dorsten-Hardt. Der A-Lizenz-Inhaber arbeitete zuvor beim NRW-Ligisten VfB Hüls, für den er in der Oberliga spielte und den er später auch trainierte. Exklusiv für die WAZ schreibt er über alles rund um den Fußball und vieles rund um den Sport.

Martin Schmidt

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