Wasserheizung inklusive
18.01.2010 | 15:15 Uhr 2010-01-18T15:15:00+0100Waltrop. Das Wetter ist milder geworden. Aber es ist für die Ruderer aus dem Leistungszentrum Dortmund noch nicht mild genug. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal herrscht immer noch Eiszeit. Grund genug, um wieder einmal das Winterquartier in Waltrop aufzuschlagen.
„Ich glaube, ich war 1985 zum ersten Mal hier”, sagt Trainer Ralf Holtmeyer, der den Deutschlandachter 2009 zur WM-Goldmedaille geführt hat und sich über diese Alternative gleich nebenan freut. So halten sich zur kalten Jahreszeit die Trainingsausfälle auf dem Wasser in Grenzen – ohne größeren Aufwand.
Für Holtmeyer und seine Trainercrew ist es optimal, dass der Datteln-Hamm-Kanal stromaufwärts über eine kostenlose „Wasserheizung” verfügt. Das Kühlwasser der Kraftwerke hebt hier die Temperaturen um die entscheidenden ein, zwei Grad an, so dass das Trainingsrevier nur bei extremsten Temperaturen gefriert. Das kommt ganz, ganz selten vor. Alle Jahre wieder können die Waltroper kurze Zeit einigen Top-Athleten beim Wassertraining zuschauen – das spornt natürlich auch den Nachwuchs an.
Es herrscht Hochbetrieb auf dem Gelände des gastgebenden RV Waltrop. Einer, Zweier und Achter lagern provisorisch auf der Wiese neben den Hallen. Die Männer sind da. Die Frauen auch. Die U 23-Nachwuchsathleten ebenfalls. Morgens wird gerudert. Mittags gibt es Essen im Clubheim. Anschließend geht es zur Gymnastik in den Kraftraum. Und danach wieder aufs Wasser. Überwiegend in Kleinbooten, weil der Deutschlandachter in diesen Tagen nicht komplett ist. Einige trainieren in ihren Heimatvereinen. „Wir bleiben diese Woche auf jeden Fall noch in Waltrop”, erklärt Holtmeyer. Es kann dauern, bis auch das letzte Treibeis in Dortmund verschwunden ist und die Gefahr für die hochempfindlichen Boote gebannt ist.
Warum die Nationalmannschaft erst jetzt im Vest Station macht? Über Silvester zog es die Crew noch ins wärmere Sevilla nach Südspanien. Mit dabei auch zwei Sportlerinnen aus dem Kreis Recklinghausen: Constanze Siering, die ihre ersten Erfahrungen in der offenen Klasse sammelt, und Theresa Hülsmann aus der U 23-Klasse. „Wir hatten zwar nicht immer das beste Wetter. Aber es war nun mal deutlich wärmer als hier und wir konnten sehr viel auf dem Wasser arbeiten”, sagt Theresa Hülsmann. „Mir hat es riesigen Spaß gemacht.” Für sie war es das erste ganz große Trainingslager. Theresa Hülsmann wird in Kürze sogar noch ein weiteres Trainingslager anhängen - im kroatischen Sibenik.
Die Steuerbordruderin aus Waltrop kämpft um einen Stammplatz in der U 23-Nationalmannschaft, möchte sich für die U 23-WM im weißrussischen Brest qualifizieren. Physisch sieht es bei ihr gut aus. Doch im Boot befindet sie sich mit vielen Ruderinnen auf einem Level. Bis zu den entscheidenden Sichtungen hat sie aber noch genügend Zeit, um sich bei den Trainern weiter zu empfehlen.
Der Rückflug nach Deutschland verlief dann allerdings mit großen Hindernissen. Fast alle Flüge der deutschen Ruderer waren wegen der Wetterlage in Deutschland storniert. Samstag sollte es zurückgehen – die letzten waren erst am Montag Morgen wieder daheim – nachdem für fast alle neue Flüge gebucht waren.

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