Von hoffnungsvollen Anfängen und der Schwierigkeit des Nachfassens
03.02.2012 | 15:21 Uhr 2012-02-03T15:21:00+0100
Wenn man sich die Tatsache ansieht, wie sich die Zahl der Jugendvolleyballer in Marl in den letzten Jahren verringert hat, muss man leider sagen: Diese Entwicklung ist logisch und war vorhersehbar. Es haben sich entscheidende Dinge verändert.
Auch ein Auto läuft nur so gut, wie sein Motor läuft. Heißt: Fahre ich mit einem Sechs-Zylinder und Vollgas oder hoppel ich mit stotterndem Motor vorwärts? Für einen Verein ohne ausreichendes Personal, also Trainer, wird es schwierig. Im Verein brauchst Du immer Leute, die sich fragen: Wie viel Leidenschaft für den Sport ist bei mir noch da, um auch weite Wege zu gehen? Du brauchst immer die im positiven Sinne Verrückten, die für eine Sache da sind, die sie pushen, sonst hilft alles nichts.
Es gibt ja hoffnungsvolle Ansätze. Auch wenn es vielleicht, sogar mir, schwer fällt, wieder bei Adam und Eva, den allerersten Anfängen, loszulegen, etwa mit Fünftklässlern am ASG/GSG. Die Geschichte: Da waren 150 Kids, die kamen zum Basketball- und Volleyball-Weihnachtsturnier 2011 (www.asgsg-marl.de ). Super tolle Stimmung und hoch motivierte Kids! Aber das Schwierige ist dann das Nachfassen. Zum nachfolgenden Basketballturnier haben sich später noch acht Kids zusammengefunden. Zum Volleyballturnier: Null.
Beim nachfolgenden „Spiel ohne Grenzen“ haben wir vom Verein Beach & Volley einen tollen Parcours mit fünf Stationen aufgebaut. 50 Kids haben einen ganzen Nachmittag lang Gas gegeben, sich verausgabt und richtig Spaß gehabt. Natürlich haben wir dann zur Volleyball-AG eingeladen. Als erste Reaktion haben sich wie viele Kids gemeldet? Einer, an diesem Mittwoch! Vielleicht werden es in der Woche danach doch noch einige mehr – hoffentlich. Es ist Vieles schwieriger geworden, auch was die Zeit der Kinder angeht. Die Schulzeiten verlängern sich, zum Beispiel durch die Ganztagsgrundschule, auch an den weiterführenden Schulen, wo die Tage durch Nachmittagsunterricht länger geworden sind. Das wirkt sich auch auf die anderen Aktivitäten aus. Es heißt ja schließlich: „Die Schule geht vor und ist sehr wichtig, Du lernst für dein Leben.“ Andererseits höre ich dann zusätzlich schon mal den Satz: „Herr Ovelhey, lassen sie doch nicht so viel ,Leistungssport’ machen, machen Sie den Sport kindgerecht.“
Ich glaube, „Leistung“ und „Anspruch“ definieren sich heutzutage anders. Man hat es schwer, wenn man etwas mehr abverlangen will, wenn über das Maß, nach landläufiger Meinung, hinausgeht. Bei den Kindern selbst ist es das Anspruchsdenken, die Schnelllebigkeit. Ist nicht schnell ein Erfolg da, heißt es häufig: Das läuft nicht, dann gehe ich woanders hin oder mache etwas anderes. Und das bei einer Sportart wie Volleyball, die technisch ziemlich kompliziert ist und ein schwieriges Anforderungsprofil hat. Die Beharrlichkeit, die eine Voraussetzung für eine gute sportliche Entwicklung ist, die fehlt oftmals oder wurde noch nicht richtig entwickelt. Dabei ist es gar nicht so schwer, einen Einstieg in den Volleyballsport zu finden, mit einem vereinfachten Spiel und mit vereinfachten – kindgerechten – Regeln. Aber um das zu vermitteln, braucht man als Verein eben das Personal. Du als leidenschaftlicher, verrückter Trainer musst immer wieder hingehen, Dinge anschieben, Ideen haben, neue Trainer finden und ausbilden. Das ist vielleicht schwierig – aber hoffnungslos ist es keineswegs!

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