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Vom Paradoxon der „gewaltbereiten Fans“

20.01.2012 | 16:55 Uhr

Die Vorbereitung im Winter hat immer etwas von Roulette. Zu Beginn der Trainingswoche schaut man als Übungsleiter zunächst auf die Wettervorhersage. So bekommt man schon einmal einen groben Hinweis, ob man bei der Wahl der Trainingsstätte auf das richtige Pferd gesetzt hat. Im Moment sieht es gut aus. Die Trainingsplätze sind in einem guten Zustand. Wenig Frost und Regen in Maßen machen es möglich. Wer Weitsicht zeigen wollte und im letzten Jahr schon diverse Cageball-Hallen oder andere Indoor-Aktivitäten gebucht hat, sitzt nun auf den Kosten. Denn der für die Wintermonate prognostizierte Schneefall lässt auf sich warten. Zum Glück! Wobei eine Einheit im Fitnessstudio eine schöne Abwechslung für Geist und Körper sein kann. Das Problem von uns Amateurtrainern ist aber, dass wir keine Zeit haben, diesen Trainingsalternativen die Regelmäßigkeit zu geben, die erforderlich ist, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen.

Einen Effekt hatten sich auch die Verantwortlichen des DFB versprochen, die in den letzten Jahren immer wieder Vereine zu Geldstrafen und Geisterspielen verurteilten, weil ihre gewaltbereiten Fans das Stadion zur rechtsfreien Zone erklärten.

Wobei gewaltbereite Fans meiner Meinung nach ein Paradoxon ist. Ähnlich wie das Wortpaar „herrenloses Damenfahrrad“. Sprich, „Gewalt“ und „Fan“ passt für mich nicht zusammen. Ein Fan ist nicht gewaltbereit. Ein Fan liebt seinen Verein und den Sport, ein Fan hat kein Interesse daran, dass ein Spiel seiner Mannschaft vor dem Abbruch steht.

Der Gewaltbereite lebt im Stadion seine Probleme aus. Er sucht ein Ventil für seine sozialen Defizite. Quer durch alle Bevölkerungsschichten. Arbeitslose und Akademiker kanalisieren ihren Frust in sinnlose Prügeleien und Rauchschwaden, die ihnen auch noch die letzten Sinne vernebeln.

Abhilfe ist nur schwer zu bewerkstelligen. Ganz im Gegenteil scheint sich die Hemmschwelle eher zu verringern. Inzwischen sind selbst die Hallenturniere nicht mehr sicher. Eine Patentlösung fällt mir auch nicht ein. Ich würde als ersten Ansatz Schnellverfahren einführen, die es ermöglichen, die überführten Übeltäter direkt für eine Woche in den Knast zu stecken. Das würde zwar einen Arbeitslosen nicht abschrecken, alle Anderen aber, die sich zu Wochenbeginn bei diversen Menschen erklären müssten, kämen vielleicht zur Einsicht, dass der persönliche Schaden größer ist als der nur in ihren Vorstellungen existierende gruppendynamische Nutzen.

Martin Schmidt

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