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Über die Editier-Funktion und das persönliche Cordoba

01.02.2011 | 17:05 Uhr
Funktionen

Es läuft die 80. Spielminute im Wembley-Stadion zu London zwischen dem FC Barcelona und Inter Mailand. Es steht 1:1 im Champions-League Endspiel und Barca ist gerade dabei, über Lionel Messi einen weiteren Angriff vor das Tor der Italiener zu tragen. Messi setzt sich leichtfüßig gegen zwei Gegenspieler durch und sieht den in den Raum startenden David Villa, den er mit einem präzisen Pass in die Tiefe in Szene setzt. Der spanische Nationalspieler kann bis zu Grundlinie durchbrechen, um nach einem kurzen Blick in den Strafraum eine butterweiche Flanke auf den zweiten Pfosten zu schlagen. Dort legt sich der kurz zuvor eingewechselte Schmidt waagerecht in die Luft, um den Ball mit einem Fallrückzieher im rechten Winkel zu versenken. Stopp! Schmidt? Welcher Schmidt? Timo Schmidt! 1,89m lang, beidfüßig, schnell, dribbelstark, kopfballstark und mit einem Hammer a la Roberto Carlos ausgestattet.

Der große Vorteil bei diesem Transfer der Katalanen. Der mutmaßlich beste Spieler der Welt hat keinen Cent gekostet. Er wurde im Editier-Modus an der Spielkonsole von meinem Sohn ganz einfach zusammengebastelt. Er hat bei den spielentscheidenden Eigenschaften Höchstwerte, die selbst einen Lionel Messi erblassen lassen. So hatte ich mit meiner Mannschaft von Inter Mailand am Ende keine Chance zu gewinnen, wie ich überhaupt zumeist den Kürzeren ziehe im Vergleich am Con-troller. Dabei gebe ich mir wirklich Mühe, die Knöpfe und Wippen in den Griff zu bekommen. Am Ende gebe ich mir dann die meiste Mühe dabei, mit der Niederlage einigermaßen cool umzugehen. Und würde nicht die beste Ehefrau von allen einen Riegel davor schieben, würde ich wahrscheinlich bis tief in die Nacht eine Revanche nach der anderen für mein immer wiederkehrendes persönliches Cordoba fordern.

So bleibt mir nichts anderes übrig, als heimlich, still und leise einen eigenen Über-Spieler zu kreieren, der Timo Schmidt Paroli bieten könnte und den ich beim nächsten Vergleich aus dem Hut zaubern würde. Ich glaube allerdings, dass diese Aktion ein Wettrüsten auslösen würde, wie wir es momentan in der Realität aus den höheren, aber auch aus vielen unteren Spielklassen kennen.

Am Ende gibt es wie immer wenige Gewinner und viele Verlierer, die am liebsten auch eine Editier-Funktion hätten oder ihre Spieler über einen Controller steuern würden. So drücken viele Funktionäre schlussendlich leider die Not-Aus Taste. Ein Horrorszenario für jeden Trainer. Meines sind die Worte: „Papa, spielen wir ein Spiel Playsi?“

Martin Schmidt

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