Teamgeist schlägt Klasse
15.11.2009 | 14:29 Uhr 2009-11-15T14:29:00+0100Die Menge skandierte. „Spitzenreiter, Spitzenreiter”. Faktisch stimmte es nicht ganz. Auf Platz eins der 2. Basketball-Bundesliga Pro B stehen die Dragons Rhöndorf; punktgleich mit den Herten Löwen, aber mit der etwas besseren Korbdifferenz ausgestattet.
Herten. Gefühlter Tabellenführer aber sind die Löwen allemale und haben außerdem als Tabellenzweiter einen der Plätze inne, die zum Aufstieg in die Pro A berechtigten. Sie sind es, die als erste dem großen Meisterschaftsfavoriten Würzburg Baskets erfolgreich die Stirn geboten haben. Beim 77:65 (43:35) vor 1000 Zuschauern in der ausverkauften Rosa-Parks-Gesamtschulhalle, darunter Bundestrainer Dirk Bauermann, waren sie es, die mit einer meisterlichen Leistung glänzten und Würzburg die erste Niederlage nach 43 Siegen in Serie zufügten.
Wobei die Hartnäckigkeit und Ruhe, mit der sich der Gastgeber nach der Pause gegen den verzweifelten Versuch des Favoriten, heranzukommen, wehrte, alle spielerische Klasse, allen Einsatzwillen und alle Begeisterung in den Schatten stellte. Drei Löwen waren in der Schlussphase extrem foulbelastet, Vincent Kittmann musste gar zwei Minuten vor dem Ende „auf die Strafbank”. Das Spiel hätte kippen können, wenn weitere Leistungsträger vorzeitig ihren Dienst hätten einstellen müssen. Trotzdem gab es keine Spur von Hektik; nutzten die Gastgeber mit ihrer beherzten Defense und klugen Offensivstrategien den auch psycholgischen Vorteil des Vorsprungs, den sie sich zur Pause erarbeitet hatten. Würzburg kam und kam nicht heran.
„Wir haben nach gutem Beginn zu früh das Momentum und den Rhythmus verloren. Herten hat ihn sich mit guten, wenn auch manchmal glücklichen Distanzwürfen erarbeitet. Immer dann, wenn wir später die Chance hatten, heranzukommen, haben uns individuelle Fehler und gute Hertener Aktionen zurückgeworfen”, analysierte Würzburgs Berthold Bisselik.
Mitansehen musste der Gästetrainer, wie sieben Löwen den breitesten, tiefsten und vermutlich bestbesetzten Kader der Liga streckenweise dominierten. Vincent Kittmann machte da weiter, wo er beim Sieg in Lich aufgehört hatte. Cory Abercrombie war trotz heftiger Gegenwehr unter den Körben der verlässliche Punktesammler und Rebounder. Und als der 2,01 m-Mann elegant zwei Drei-Punkte-Würfe versenkte, dürfte einigen Würzburger Fans die Kinnlade heruntergeklappt sein. Ein Center als Distanzschütze. Unglaublich. Maik Berger und Nic Schulwitz ackerten was das Zeug hielt. Und dann war da wieder der eine, der überragende Dominator. Ahmad Smith: mit 19 Punkten Top-
scorer, als einziger über die gesamte Distanz auf dem Feld und trotz starker Defensearbeit nur mit einem Foul belastet, gab der 25-Jährige wieder einmal den Ton an. Die Liga machts wohl nicht. Aber Smith könnte nach seiner Auszeichnung im Oktober auch im November zum Spieler des Monats avancieren.
Möglich sind sie nach dieser grandiosen Teamvorstellung, in der zwei Dinge nur allzu deutlich wurden: Team schlägt Klasse und eine kleine Rotation ist offenbar bisweilen mehr wert als eine große, die auf eine tiefe Bank fußt. Gewonnen hat am Samstag die Mannschaft, die mehr Herz, mehr Biss, mehr Leidenschaft bot. Die immer zusammehielt.
Entschieden war die Begegnung, in der Würzburg vom zweiten Viertel an immer hinterher hinkte - phasenweise mehr als zehn Punkte - trotzdem erst exakt 81 Sekunden vor der Sirene. Käptn Schulwitz konterte das 63:69 der Baskets mit zwei eiskalt verwandelten Freiwürfen. Die Halle kochte, der Boden bebte, die Fans jubelten. „Spitzenreiter, Spitzenreiter.”
Hertener Löwen: Smith (19/3), Kittmann (14/2), Schulwitz (7/1), Schaffrath (8), Spalke, Berger (12/1), Abercrombie (17/2)
Würzburg Baskets: Radulovic, Schneider (9), Schmidt (5/1), McDuffie (6/1), Kleber, Henneberger (3/1), Hackenesch (8), Buss (9), Rogers (5), Elliott (18/3), Heinrich (2)
Schiedsrichter: Bejaoui/Bruchof
Zuschauer: 1000
Viertel: 17:22, 26:13, 18:13, 16:17
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- Fotostrecke: Hertener Löwen schlagen Würzburg Baskets

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