Sie wissen nicht was sie tun
03.08.2010 | 17:35 Uhr 2010-08-03T17:35:00+0200
Wie im letzten Jahr zog es mich in meinem Urlaub nach Kärnten. Und wie im letzten Jahr hatte auch wieder ein Bundesligist im selben Ort sein Vorbereitungslager aufgeschlagen.
War es im vergangenen Jahr Eintracht Frankfurt, die die tektonischen Gegebenheiten nutzten, wurde diesmal reichlich rheinischer Schweiß von den Spielern des 1.FC Köln vergossen. Und um mein Trainerglück vollkommen zu machen, wurde als Highlight ein Freundschaftsspiel gegen Al Hilal absolviert. Die sind mehrfacher saudi-arabischer Meister und staunten nicht schlecht, dass das Spiel von einer Frau geleitet wurde. So meine ich, dass eine oder andere Schmunzeln ob der oft mahnenden Blicke der guten Unparteiischen gesehen zu haben. Die sich mit den Vereinen darauf geeinigt hatte, in diesem Spiel keine Karten zu geben. Was nach einer kurzen Box-Einlage zweier Spieler zur prompten Auswechslung der beiden führte.
Wechsel statt Roter Karte. Auch eine Variante. Das war aber auch schon der Höhepunkt dieser Partie. Das hatte mein Hotelnachbar und Köln-Fan Stefan allerdings schon vor dem Spiel prognostiziert. „Das Beste an den Heimspielen des FC sind die 15 Minuten vor dem Anpfiff, wenn die kölschen Lieder gesungen werden. Das ist eine geile Stimmung. Danach kannste eigentlich wieder nach Hause fahren, denn die Spiele sind meistens eine Katastrophe.“
Ob das alleine den Frust einiger Köln-Hooligans erklären kann, den diese offensichtlich in sich tragen, ist schwer zu beantworten. Was außer reichlich Alkohol Menschen dazu bringen kann, ein Altstadtfest aufzumischen, zu dem man von den Österreichern während des Spiels überaus gastfreundlich eingeladen wurde, ist die eine Frage. Und Vandalismus und Diebstahl die eine Sache.
Dass man aber einen Restaurant-Gast grundlos krankenhausreif schlägt, ist völlig unentschuldbar. Diese Schläger sind reif für die Psychiatrie. Ein Stadionverbot kann nicht die einzige logische Folge sein. Wenn ich höre, dass das brutale Klientel zu einem großen Teil aus Akademikern besteht, müssen sich der strafrechtlichen Verfolgung berufliche Konsequenzen anschließen. Und wenn es auch wieder nur einige wenige Fans waren, das Bild der Deutschen ist in dieser Region völlig unnötig beschädigt worden. Und ich habe auf die Dauer keine Lust, meinen Gastgebern das Verhalten dieser Vollidioten zu erklären. Könnte ich allerdings auch nicht.
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Martin Schmidt (43) ist Trainer des Fußball-Westfalenligisten SV Dorsten-Hardt. Für den VfB Hüls spielte er lange Jahre in der Oberliga und trainierte seinen Klub auch in der damals 4. Liga. Exklusiv für die WAZ schreibt er über Sport und über alles runde um den Fußball.

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