Schwelm hat ein Heimspiel in Herten
17.10.2010 | 11:45 Uhr 2010-10-17T11:45:00+0200
Herten.Es ist schon häufiger vorgekommen, dass die Fans der Auswärtsmannschaft deutlicher zu hören waren als die der Hertener Löwen. Meistens aber war es so, dass die Gegner während, die Hertener aber nach dem Spiel feierten.
Was wichtiger ist, weil erst dann der Sieger feststeht. Gegen die Schwelmer Baskets klappte das nicht. Die Schwelmer waren von der ersten bis zur letzten Spielminute lauter. Das galt für Zuschauer und Spieler. Mit 67:77 (33:39) verloren die Hertener Löwen in der 2. Basketball-Bundesliga Pro B gegen die Schwelmer Baskets. Nun ist nur der Aufsteiger noch ohne Niederlage. Alles richtig gemacht.
Hertens Trainer Boris Kaminski redete schnell Klartext: „Die bessere Mannschaft hat heute gewonnen. Die Schwelmer haben besser ins Spiel gefunden. Keiner unserer Spieler hatte heute den richtigen Rhythmus.“ Er und sein Team können sich erstmals in dieser Saison mit der Fehleranalyse nach einer Niederlage befassen.
Nach Siegen fällt das leichter, weil die Stimmung besser ist. Verlorene Spiele aber decken Fehler auf, Fehler, die es zu im weiteren Saisonverlauf, spätestens aber zum Beginn der Playoffs zu beheben gilt. Gegen Schwelm waren es einige Fehler.
Oder anders: Die Schwelmer waren der erwartet schwere, unangenehme, sehr gut eingestellte Gegner, der beides konnte: Gut und böse. Verteidigen, spielen, werfen. Das galt einschließlich Trainer Raphael Wilder. Der 57-Jährige ist lange genug im Geschäft, um die gesamte Klaviatur der Anteil- und Einflussnahme zu beherrschen. Er weiß aber eben auch sein Team vorzubereiten. Gerade auf Blake Schultz hatten sich die Schwelmer bestens eingestellt. Hertens Mann für die wichtigen Drei-Punkt-Würfe fand im ersten Abschnitt gar nicht statt: Null Punkte. Am Ende waren es elf. Das waren auch zu wenige, aber ein Beleg dafür, dass die Hertener es nicht verstanden, ihn in Szene zu setzen, ihn in eine gute Wurfposition zu bringen. Er wurde allerdings auch gut, intensiv, bisweilen heftig verteidigt. Denn auch das machten die Schwelmer besser. Sie wussten sicherer auf der lockeren Linie der Schiedsrichter Daniel Sünnen und Nadeesh Kattur zu balancieren. Das Spiel leitende Duo ließ viel zu, ließ viel laufen, ließ aber vor allem die Spieler das Spiel entscheiden – und da hatten die Hertener das Problem, dass die Bälle nicht reinfielen. Nicht bei Vincent Kittmann, nicht bei Christoph Hackenesch, der zudem eine Schrecksekunde überstehen musste, als er zum Ende der ersten Halbzeit kurzzeitig Knieprobleme hatte. Stattdessen fielen immer wieder verständnislose Blicke zu den Schiedsrichtern.
Bis zur Entscheidung dauerte es dennoch bis zur Mitte des vierten Viertels und passierte ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt, als sich die Hertener Fans auch entschieden, aufzustehen und ihrem Team zu helfen. Yannick Opitz aber sorgte fast allein dafür, dass sie sich wieder hinsetzten. Sein erster Dreier fiel zum 60:51. Sein zweiter Dreier zum 63:51. Diese sechs Punkte, es waren die einzigen von Opitz, stellten klar, wer Sieger, Tänzer, Tabellenführer sein würde, wer hängende Köpfe und Schultern und besonderen Redebedarf haben würde. Es war zudem der endgültige Beginn der Schwelmer Fan-Sieg-Gesänge. Einer war: „Spitzenreiter, Spitzenreiter.“ Ein anderer: „Heimspiel in Herten. Heimspiel in Herten. Wir haben ein Heimspiel in Herten.“ Unrecht hatten die Schwelmer Fans in beiden Fällen nicht.
Herten: Hartmann (1), Kittmann (10/1 Dreier), Monk (21/2), Schütz, Hackenesch (13), Marquardt, Schulwitz (4), Wolff, Meiswinkel, Depta, Schultz (11/2), Berger (7/1)
Schwelm: Holmes (25), Kramer, Doll (5/1 Dreier), Dücker (6), Getgen (2), Dohmen (9/1), Bunts (9/3), Speier (15), Agyapong, Opitz (6/2), Malbeck
Viertel: 17:23, 16:16, 16:15, 18:23

12:02
Dafür, dass Schwelm so keiner auf der Rechnung hatte, rockt das ganz schön!