Schnettgers Wechsel nach Waltrop "mit Bauchschmerzen"

Einfach hat er sich die Entscheidung nicht gemacht. Er hatte Bauchschmerzen, sagt Uli Sprick, 2. Vorsitzender des VfB Waltrop, über Christian Schnettger, der nach acht Jahren als Trainer bei Borussia Ahsen im Sommer zum Bezirksliga-Konkurrenten wechselt.

Datteln.. "Seit dem 18. bis jetzt zum 33. Lebensjahr bin ich bei der Borussia. Erst als Spieler, seit acht Jahren als Spielertrainer. Ich hänge mit mehr als nur Herzblut an dem Verein", so Schnettger selbst.

Kurz vor Weihnachten hatte Daniel Kuhn, jetziger Coach des VfB, dem Vorstand mitgeteilt, dass er zum Ende der Spielzeit aufhören wolle. "So waren wir gezwungen, uns nach einem neuen Trainer umzuschauen", sagt Sprick. An der Entscheidung Kuhns habe es auch nichts mehr zu rütteln gegeben.

Nach Außen hin macht es den Eindruck, als sei zwischen und nach den Feiertagen alles sehr schnell gegangen. Dem aber widerspricht Uli Sprick: "Christian ist sehr lange und tief in sich gegangen."

Wie die Wahl auf Schnettger gefallen sei? "Natürlich kann ich jetzt den Spruch raushauen, dass Klopp und Guardiola gerade nicht auf dem Markt waren", lacht Sprick, der aber sofort zum Ernst der Sache zurückkehrt: "Selbstverständlich hatten wir mehrere Trainer im Blickfeld, doch Christian passt genau in unser Anforderungsprofil. In der kommenden Saison kommen acht Spieler aus den A-Junioren nach. Von ihnen sollen möglichst viele in die 1. Mannschaft integriert werden. Und dass Christian gut mit jungen Spielern arbeiten kann, hat er in Ahsen bewiesen."

Auf viel Gegenliebe stieß Schnettgers Entschluss in Ahsen zunächst nicht. "Natürlich", so der 2. Vorsitzende und Co-Trainer Marc Schmülling, "waren wir enttäuscht. Und da Fußball emotionsgeladen ist, kamen auch hier und da einige Gefühle hoch. Aber es gibt nichts, was man in einem Gespräch unter Männern nicht klären kann." Für ihn gilt es, dem bisherigen Trainer einen schönen Abschied zu bescheren. "Die Mannschaft", so Schmülling, "hat beim Training am Dienstagabend Christians Entscheidung gefasst aufgenommen und ist gewillt, bis zum letzten Spieltag an einem Strang zu ziehen. Das hat er sich nach acht Jahren erfolgreicher Arbeit redlich verdient." "Ich möchte, dass nach meinem Weggang alles so weiterläuft", wünscht sich der Coach, "ich möchte eine gute und intakte Mannschaft hinterlassen, damit es mein Nachfolger einfach hat." Diese Aussage hat der Vorstand mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen.

Sympathie, Freundschaft und Verbundenheit. So redet er über die Borussia. Und genau diese drei Punkte sind ein Grund dafür, warum er gehen will: "Im Laufe der Jahre haben sich so viele gute Freundschaften entwickelt, die man irgendwann nicht mehr aufs Spiel setzen will. In der letzten Zeit habe ich immer öfter daran gedacht, dass ein Trainerwechsel der Mannschaft guttun würde, denn es fehlten ein paar Prozent. Die kann der neue Coach vielleicht herausholen."

So kam das Angebot Ende Dezember aus Waltrop gerade recht. "Der VfB ist von seinen Strukturen her um einiges größer als Ahsen. Das ist natürlich ein neuer Reiz für mich. Und der VfB verfügt über einen riesigen Pool an jungen Spielern. Mit denen zu arbeiten, ist eine meiner Stärken." Und wie er den Saisonabschluss in Ahsen erleben will, weiß Schnetter auch schon: "Mit einer großen Nichtabstiegs-Party."