Reine Nervensache
21.11.2008 | 19:11 Uhr 2008-11-21T19:11:00+0100Nach drei Niederlagen in Folge braucht die PSV Recklinghausen unbedingt ein Erfolgserlebnis. Rostocker HC ist nominell ein ebenbürtiger Kontrahent. Hannemann verletzt, Weber angeschlagen
Recklinghausen. Ein guter Trainer, heißt es, ist auch immer ein guter Psychologe. Einer, der sich in Spieler und Situationen hineinversetzen kann, der begeistern und trösten kann, der besondere Umstände berücksichtigt, ohne von vornherein Ausreden gelten zu lassen. Ein guter Trainer ist ein Menschenkenner.
Genau als solcher ist Kai Harbach an diesem Samstag gefragt. Dass er etwas von Handball versteht, dass muss der 42-jährige Verwaltungsangestellte nicht mehr beweisen. Er hat in der 2. Bundesliga gespielt, hat mehrere Mannschaften in diversen Spielklassen trainiert und er weiß eine ganze Menge über seinen Sport. Aber weiß er auch schon genug darüber, wie er sein neues Team nach einer mittlerweile schon bedrückenden Durststrecke wieder aufrichten kann? „Wollen mal sehen”, gibt er sich betont gelassen. Auch das gehört zur Psychologie. Nur nicht verrückt machen lassen.
Dreimal in Folge hat Handball-Zweitligist PSV Recklinghausen verloren. Vor einer Woche gab es auch noch den Schock im Spiel beim Aufsteiger Rosengarten, als sich Daniela Hannemann einen Kreuzbandriss zuzog. Das belastet nicht nur das Punktekonto, sondern auch die Psyche. „Wir müssen diese Negativserie jetzt ganz schnell aus dem Kopf kriegen”, hatte Harbach nach dem 24:29 in Rosengarten gesagt. Ob ihm das gelungen ist, wird das vorgezogene Heimspiel gegen den Rostocker HC zeigen.
Am Dienstag hat er mit seinen Spielerinnen über den Ausfall Hannemanns und über die Negativserie gesprochen. Das Ergebnis: „Daniela ist variabel einsetzbar und natürlich wichtig für die Mannschaft. Aber die ist in der Vorsaison auch ohne sie ausgekommen. Wir müssen als Team besser funktionieren und jeder muss ein Stück Verantwortung mehr übernehmen.” Zumal auch noch der Einsatz von Torjägerin Christian Weber gefährdet ist. Die Rückraumspielern leidet an einer Blockade im Rücken und konnte am Donnerstag nicht am Training teilnehmen.
Keine leichte Ausgangsposition. Denn nach den Niederlagen gegen Greven (35:39), Berlin (30:34) und Rosengarten (24:29) mag das Selbstvertrauen angeknackst sein. Harbach: „Jede Niederlage hinterlässt Spuren.” Er hofft, dass es sein Team erstmals in der laufenden Saison dennoch schafft, einen in der Tabelle über ihm stehenden Kontrahenten zu bezwingen. In diesem Fall würde es mit den Nordlichtern gleichziehen.
Auch Rostock kommt nicht sorgenfrei nach Recklinghausen. Rückraumspielerin Katrin Horke fällt bis zum Saisonende aus. Zum Team von Trainer Oleg Goloub, der mit seinem jungen Kader schnellen und offensivfreudigen Handball bietet, gehören auch die U 20-Junioren-Weltmeisterinnen Evelyn Schulz und Antje Lenz (Torfrau). Weil sie und die DHB-Auswahl nächste Woche vom Deutschen Handball Bund geehrt werden, wurde das Zweitliga-Spiel um eine Woche vorverlegt.
Ein Kontrahent von Format also, der sich an diesem Samstag in der Sporthalle Nord (18.30 Uhr) vorstellt. „Ich hoffe dass uns die Zuschauer diesmal zahlreicher und stärker unterstützen als zuletzt” setzt Kai Harbach auch aufs Publikum. „Wir haben bis jetzt zu Hause immer ordentliche Leistungen und interessante Spiele abgeliefert.” Ein Quervergleich mit Rostock mag zusätzlichen Mut geben. Dem Titelanwärter SVG Celle trotzte die PSV ein 35:35 ab, Rostock verlor 27:43. Gegen Travemünde siegte die PSV 30:24, Rostock musste sich mit einem 27:27 begnügen.

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