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Sportpolitik

Problematische Linien-Treue

25.11.2009 | 17:24 Uhr

Der Sportausschuss der Stadt Recklinghausen überlegt, Vereine an den Kosten der Umsetzung von Verbandsvorgaben zu beteiligen. Konkret betroffen wären die Recklinghausen Chargers und Citybasket Recklinghausen.

Recklinghausen. Zwölf Punkte umfasst die Tagesordnung des Sportausschusses der Stadt Recklinghausen am Donnerstag. Ab 17 Uhr geht es im Großen Sitzungssaal des Rathauses um Genehmigungen, Neubesetzungen, die abgelaufene Freibadsaison, neue Sitzungstermine oder auch Baumfällungen am Sportplatz an der Lülfstraße. Da die Sitzung wie gewohnt öffentlich ist, werden auch wieder etliche Vereinsvertreter anwesend sein. Sie werden bei Punkt sieben besonders gut zuhören. Da geht es um: Auswirkungen von Änderungen sportverbandsrechtlicher Bestimmungen für die Stadt Recklinghausen. Beschlussvorschlag ist, dass der Sportausschuss „die Umsetzung der erforderlichen sportverbandsrechtlichen Bestimmungen Basketball in den Sporthallen „Vestische Arena Alfons Schütt” und „Kuniberg” sowie American Football im Stadion Hohenhorst vorbehaltlich der Bereitstellung der Haushaltsmittel für 2010 durch den Rat beschließt.” Die Kosten dafür trägt die Stadt. Sie ist Stadion-Eigentümer beziehungsweise Vertragspartner des Kreises Recklinghausen für die Sporthallen „Vestische Arena” und „Kuniberg”. So weit, so gut. Interessant, besser gesagt vielleicht sogar heftig wird es für die Vereine erst beim abschließenden Satz des Beschlussvorschlages: „An den anfallenden Kosten werden die nutzenden Vereine prozentual beteiligt.”

Das aber wird auf den Widerstand der Vereine stoßen. In diesem Fall ganz konkret Citybasket Recklinghausen und den Recklinghausen Chargers. Die Chargers können die Angelegenheit jedoch noch relativ entspannt angehen. Peter Springwald, langjähriges Mitglied im Verein und seit geraumer Zeit nun Präsident des Football-Verbandes NRW, hat Chargers-Chef Dietmar Müller bereits mitgeteilt, dass nicht alle Auflagen zur Teilnahme an der GFL 2 sofort erfüllt werden müssen. „Da gibt es immer Karenzzeiten”, sagt Springwald und verweist auf aktuelle Beispiele. „Momentan erfüllt keiner alle Auflagen. Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird und die Chargers wissen bereits, dass sie keine Probleme mit der Lizenz bekommen werden.” Einzig bei der Beschaffung einer Spielzeituhr macht der Verband keine Ausnahme. „Das ist eine Pflichtveranstaltung”, sagt Springwald und fügt noch hinzu, dass es undenkbar sei, dass der Verband die Kosten übernimmt. „Das Geld haben wir nicht.” 1000 Euro müsste die Stadt Recklinghausen, müssten anteilig die Chargers aufbringen. Das ist überschaubar.

Anders sieht es bei den Basketballern aus. Schließlich reicht es nur kurzfristig, wenn die beiden Sporthallen in denen Citybasket seine Meisterschaftsspiele austrägt, die neuen Linien bekommen. Ein geregeltes Training mit den neuen Distanzen (siehe Info-Box) wäre nur dann möglich, wenn in der „Vestischen Arena Alfons Schütt” auch alle Trainingsfelder mit neuen Linien versehen würden. 1500 Euro kostet das Entfernen der alten beziehungsweise das Aufbringen der neuen Markierungen auf einem Spielfeld. Da in Recklinghausen 70 Sporthallen vorhanden sind, würde deren komplette Neu-Linierung cirka 100 000 Euro kosten.

Das sind Summen, die die Stadt, die auch der Kreis nicht hat. Da ist es kein Wunder, dass der Sportausschuss nach Finanzierungsmöglichkeiten sucht und gleichzeitig damit Druck auf die Vereine ausübt, die ihrerseits kein Geld haben und deshalb an den Basketball-Verband herantreten könnten. Es ist eine problematische Linien-Treue, die da durch die Regeländerung des Basketball-Weltverbandes Fiba vorgeben wird. Der Deutsche Basketballbund und der Westdeutsche Basketballverband sind verpflichtet, diese Regeländerungen national durchzusetzen. Dazu gibt es für die Vereine auf der Homepage genaue Hinweise zu den geänderten Spielfeldmarkierungen. Das Problem: Es tauchen zwar jede Menge Zahlen auf, aber hinter keiner steht eine Euro-Zeichen. Die Finanzierung ist kein Thema. Es gibt nicht wenige Basketballer, die sagen, „dass das ein Politikum ist und dass der Verband da ganz gepflegt den schwarzen Peter weitergibt. Die Verbände beschließen, die Kommunen müssen zahlen”. Oder eben auch die Vereine.

Markus Rensinghoff

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