Premiere im Luftkurort
14.04.2011 | 15:52 Uhr 2011-04-14T15:52:00+0200
Recklinghausen.Judith Emmers kann selber nicht genau sagen, warum sie bislang nie beim Deutschen Championat der Berufsreiter im Springen teilgenommen hat. „Es hat irgendwie nicht gepasst“, sagt die 24-jährige Pferdewirtin, die auf dem Hof von Christian Ahlmann als Bereiterin angestellt ist. Diesmal passt es, passt es richtig. Gleich zum Auftakt des Championats gewann sie auf Papillon die erste Qualifikation für das Finale am Samstag, in dem nur die besten drei Reiter der beiden Qualifikationsprüfungen starten dürfen. Auf Tindorette belegte sie zudem Platz sieben. Während ihr Chef Christian Ahlmann ab Freitag am Internationalen Turnier in Paris teilnimmt und hofft, dass sein Top-Pferd Taloubet sich erneut steigert, „und dann auch zum Weltcup-Finale in Leipzig in der Form ist, dort sportlich erfolgreich teilnehmen zu können“ ist Emmers seit Donnerstagmittag in Bad Oeynhausen, feiert damit ihre Berufsreiter-Championats-Premiere in einem Luft-Kurort und sagte gleich mal laut und vernehmlich: „Hallo, hier bin ich. Mit mir ist zu rechnen“.
Selbstverständlich ist das nicht. Schließlich macht sie das nicht bei irgendeinem Feld- und Wiesenturnier. Etliche der besten Berufsreiter Deutschlands satteln im Sielpark in Bad Oeynhausen ihre Pferde, um ihren Champion im Parcours zu küren. „28 Berufsreiter versuchen bei uns ihr Glück“, sagte Turnierleiter Wilfried Schormann, Vorsitzender des ausrichtenden Reit- und Fahrvereins Bad Oeynhausen. Angekündigt hatten sich neben Tim Rieskamp-Goedeking (Gehrde), Sieger der Championate 2006 und 2007, auch Derbysieger Andre Thieme (Plau am See), der ehemalige Deutsche Meister Carsten-Otto Nagel (Wedel), die Nationenpreisreiter Florian Meyer zu Hartum (Blender), der zum Auftakt hinter Emmers und Hans-Jürgen Gosgowitz Dritter wurde und Heinrich Hermann Engemann (Bissendorf) sowie die international erfolgreiche Mylene Diederichsmeier (Steinhagen). Sie alle wollen in das Finale: Die drei besten Reiter aus zwei Qualifikationen, das sind jeweils Springen der schweren Klasse, treten zum Finale mit Pferdewechsel gegeneinander an. Noch nie hat eine Frau gewonnen.
Gesehen hat Emmers so einen Pferdewechsel schon einmal. „Bei Weltmeisterschaften.“ Gedanklich aber war sie noch nicht so weit, sich unter den besten drei Reitern zu sehen. Verschlechtert haben sich ihre Chancen durch den Sieg in der ersten Qualifikation allerdings nicht. Dennoch blieb sie zurückhaltend und ging weiterhin nicht von einem Finaleinzug aus: „Ich gehe nicht davon aus, dass ich da reite. So ein Pferdewechsel wäre aber in jedem Fall schwierig.“ Auch wenn er für Berufsreiter zum täglich Brot gehört. Nach drei, vier Probesprüngen müssen die Reiter mit dem fremden Pferd in den Parcours.
Ganz so zurückhaltend wie Emmers war Ahlmann nicht. „Ihre Chancen sind gar nicht so schlecht, auch wenn die Konkurrenz natürlich sehr groß ist. Sie hat mit Papillon und Tindorette zwei Pferde, die gut in Form sind. Was dann noch fehlt, ist etwas Glück.“ Zum Auftakt fehlte das schon mal nicht.

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