Peck ist zurück!

Im fünfköpfigen Präsidium des VfL Hüls ist erstmals keine Frau. Das Amt der zurückgetretenen Vizepräsidentin Finanzen von Gisela Köhler übernimmt Patrick Brüns. Und dann sorgt auch noch Günther Peck für eine Riesenüberraschung bei der Delegiertenversammlung am vergangenen Freitagabend im Lutherhaus.

Marl.. Günther Peck ist mit einem Alter von 75 Jahren ein wahrer Vereinsveteran. Selbst hartgesottene Peck-Kritiker zollen dem Ex-Präsidenten des größten Marler Sportvereins Respekt. Mit dem Rücktritt im vergangenen Jahr verlor der VfL Hüls sicher seinen prominentesten Protagonisten. Für die VfL-Mitglieder ist der 1939 geborene Peck eine Leitfigur, für Peck ist der VfL Hüls sein Lebenswerk.

Peck-Nachfolger Jürgen Brüns hatte alle Hände voll zu tun, den Verein auf Kurs zu halten. Brüns‘ Motto lautet wie das seines Vorgängers: "Der VfL wird das Sportgeschehen in der Stadt immer entscheidend prägen. Ohne den VfL geht es nicht!"

Doch ohne seine Leitfigur Peck hat der Klub seit dessen Rücktritt vor einem Jahr viel an Aufmerksamkeit eingebüßt. Ein Rückzug, bevor die Probleme beim VfL Hüls offensichtlicher wurden und einen Schatten auf sein viel bewundertes Lebenswerk warfen. Zweifelsfrei ist Peck ein VfL-verrückter im besten Sinne und immer ein väterlicher Freund für die VfL-Mitglieder. Günther Peck ließ sich am Freitagabend überraschend zum Vizepräsidenten wählen - bei seinem VfL Hüls, der klaren Nummer eins in seinem Dasein - selbstverständlich neben der Gattin Rosemarie, seinem Sohn und Enkelkindern.

Die Frage, welche Gründe ihn umgestimmt haben, beantwortete er diplomatisch mit einem Achselzucken. Sein Comeback ist für viele VfLer eine Riesenüberraschung, die Gründe sind es aber nicht.
Ein Brüns als Präsident ist nicht mit Günther Peck zu vergleichen. Ihm allein kann man die negative Entwicklung allerdings nicht ankreiden.

Es sind Probleme, die Versammlungsleiter Jürgen Pospiech auf den Punkt brachte. "Ich weiß nicht, ob man mich dafür beglückwünschen muss, denn es ist keine leichte Aufgabe, die ich hier durchzuführen habe. Normalerweise geht man als Versammlungsleiter hin und spricht über das vergangene Geschäftsjahr. Meistens hat man was zu loben und kann dann ganz schnell zu den Wahlen oder der Entlastung übergehen", sagte Pospiech.

Die Immobilie Bieling, Günther Pecks Baby, habe leider nicht funktioniert, so der Versammlungsleiter. Zu der Zeit fing das also an, dass "wir Probleme bekamen. Aus vielen Gründen, die Geschichte möchte ich hier aber nicht aufarbeiten", erinnerte Pospiech. Danach hat sich so einiges zerstritten im Präsidium.

Der Gipfel: Die Rücktritte der Präsidiumsmitglieder Gisela Köhler und Michael Bähr. Pospiech: "Das letzte Jahr im Präsidium war nicht so gut gezeichnet. Und ich kann nur von meiner Seite aus sagen, dass ich froh bin, dass wir heute das Lutherhaus haben. Das ist eine gute Entscheidung gewesen".

Das Lutherhaus am Marktplatz in Marl-Hamm wurde im vergangenen Jahr von der Turnabteilung übernommen und größtenteils in Eigenregie umgebaut. Brüns: "Das Ambiente spricht für sich und wir werden hier sicherlich eine angenehme Versammlung abhalten." Der Präsi ging nach einem kurzen Versprecher ("Ich begrüße Sie zur Delegiertenversammlung 2014") direkt über zur Tagesordnung.

Der Kurzbericht des Vorstandes war nicht so umfangreich und ausufernd wie im Vorjahr. Brüns bemühte sich um knappe Worte. "Auch wenn der VfL Hüls sich wie alle Vereine in unserer Stadt dem demografischen Wandel beugen und auch der geänderten Sportlandschaft stellen muss, so sind wir immer noch trotz aller Widrigkeiten der größte Sportverein der Stadt mit dem größten Sportangebot. Wie in den Jahren zuvor hat unser Verein die Marler Sportlandschaft entscheidend geprägt."

Der VfL Hüls bietet mit seinen 15 Abteilungen über 40 verschiedene Sportarten an. Die versierten Übungsleiter, Trainer und sportliche Helfer haben im vergangenen Jahr mehr als 11.000 Übungsstunden geleistet. Brüns: "Wir haben die Stadt Marl bewegt."

Als erfolgreiche PR für den Verein bezeichnete der Präsident die Teilnahmen am Evonik-Kinderferienprogramm und dem Volksparkfest. "Dort konnten wir ein bisschen Werbung für uns machen."

Brüns: "Das Sportliche in unserem Verein wird natürlich in den Abteilungen geleistet. Wettkämpfe, Breiten und Leistungssport - all das funktioniert reibungslos, dafür sorgen die Helfer und die Abteilungs-Vorstände."
Fast jede Abteilung habe Sommer- und Mannschaftsfeste gefeiert, um den Mitgliedern des VfL auch außersportlich eine Stätte der Begegnung zu bieten, so Brüns.

Der Vereins-Boss bedauerte, dass das Erscheinen des Vereinsblättchens "VfL aktuell" im vergangenen Jahr aus Kostengründen eingestellt wurde und versprach, zukünftig wieder mindestens eine Ausgabe pro Jahr.

Wegen des frühen Termins im Jahr für die Delegiertenversammlung lag noch kein Jahresabschluss vor. Patrick Brüns, der das Amt der zurückgetretenen Gisela Köhler übernimmt, erklärte: "Das heißt, dass es einen Kostenbericht, den wir eigentlich gewohnt sind, heute leider nicht gibt." Die Entlastung des Vorstands soll im Kürze folgen.

Bei den Wahlen erhielt Jürgen Brüns eine überwältigende Mehrheit bei nur drei Gegenstimmen und einer Enthaltung. Brüns: "Ich nehme das Ergebnis als Vertrauensvorschuss. Ich hatte im vergangenen Jahr schon als Stellvertreter des zurückgetretenen Präsidenten die Leitung des Vereins und will nicht verhehlen, das Meinungsunterschiede im Präsidium das Arbeiten schwer machten."

Zum stellvertretenden Präsidenten wählte die Runde Dieter Kopsicker. Als weitere Vizepräsidenten bestimmten die Delegierten Siegfried Metter aus der Turnabteilung und den bereits angesprochenen Günther Peck.