Pampel ohne Muse - Chargers suchen einen Spielmacher
26.05.2010 | 17:11 Uhr 2010-05-26T17:11:00+0200
Recklinghausen.Fußball ohne Stürmer? Das geht irgendwie. Handball ohne Rückraumspieler? Ist möglich. Basketball ohne Center? Warum nicht? American Football ohne Quarterback, ohne Spielmacher? Unmöglich! Das ist wie Pampel ohne Muse Das geht nicht.
Diese Erfahrung machen sie gerade bei den Recklinghausen Chargers. Sie machen sie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Team ist gerade erst in die German Football League 2 aufgestiegen. Da bräuchte es gerade jetzt einen Spieler, der die entscheidenden Pässe wirft, der den Weg vorgibt, der die richtigen Entscheidungen trifft, der Punkte sichert, der der ganzen Mannschaft Selbstvertrauen gibt. So einen Spieler aber haben die Chargers gerade nicht. Auch deshalb hat der Aufsteiger erst einen Punkt und gilt bereits, die Saison ist erst wenige Spieltage alt, wieder als Absteiger und kommender Regionalligist.
Präsident Dietmar Müller weiß das. Er wusste auch, dass sein Team einen starken Arm braucht. „Wir dachten ja auch, dass diese Baustelle geschlossen ist.“ Mit Nicola Scaglia hatten die Chargers einen italienischen Spielmacher getestet und dann verpflichtet. Das Problem: Als es in die abschließende Saisonvorbereitung ging, fehlte Scaglia – und tauchte nicht mehr auf. Trainer Heiko Czarnotta musste improvisieren, musste Spielmachertalent Thomas Iking bringen und Tobias Schmidt, der eigentlich eine andere Position im Angriff besetzen sollte, umfunktionieren. Es waren Maßnahmen, die nicht griffen, die nicht greifen konnten, weil Iking mit einer Verletzung spielen musste, weil Iking und Schmidt die nötige Erfahrung fehlt und weil das Team nicht genug an sie glaubte. Eben weil der Posten des Quarterbacks so eine Strahlkraft hat und weil die Spieler der Chargers glaubten, hofften, dass ihn zum Spiel gegen Lübeck ein gelernter Mann ausüben würde. Müller und seine Mitstreiter im Vorstand hatten Czarnotta nach Rücksprache mit den Sponsoren grünes Licht für die Verpflichtung eines neuen Anführers gegeben. Czarnotta entschied sich für einen US-Amerikaner. Der sagte zu, stieg dann aber nicht in den Flieger. „Seine Mutter hat es ihm verboten“, sagte Müller, der die Folgen des Flugverbotes in Lübeck miterlebte. „Die Mannschaft hat so gespielt, als würde sie darauf warten, dass der Heiland vom Himmel heruntersteigt.“ Gänzlich aufgegeben hat Müller das Thema Klassenerhalt dennoch nicht. „Wir brauchen einen Quarterback und sind bei diesem Thema am Ball. Zwei Mannschaften müssen wir hinter uns lassen. Das ist immer noch zu schaffen. Es wäre schade, wenn wir direkt wieder absteigen würden. Es ist hier so viel entstanden, schade, wenn dieses Kapital ungenutzt bliebe.“

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