Olschewskis große Freiheit

Häufig hält sich Christian Olschewski in der Regel nicht im Strafraum des Gegners auf. Der blonde Mittelfeld-Hüne des FC 96 ist ein Mann für die Standards, die er einzuköpfen gedenkt. Der 23-Jährige kann aber auch anders, sich klein machen nämlich. So muss es Olschewski getan haben in der alles entscheidenden 88. Minute des Derbys gegen die Spvgg. 95/08. Blank stand er am zweiten Pfosten, und lange bitten hat er sich auch nicht lassen und den 2:1-Siegtreffer für den FC 96 erzielt.

Recklinghausen.. Ein Freistoß des FC 96 nahe von der Seitenauslinie war dem 2:1 vorausgegangen. Tim Faßbender schlug den Ball flach in die Mitte. Gleich vier 95-Akteure ließen die Kugel passieren und der ungedeckte Olschewski am langen Pfosten netzte ein. "So ein Tor kurz vor Ende darf nicht fallen", ärgerte sich 95/08-Coach Maik Steffen über den späten Punktverlust. Zumal er seiner Defensive bis dahin eine ordentliche Arbeit attestierte. "Wir müssen die Zuteilung aber 90 Minuten halten."

Vergessen war damit der Blitzstart, den die Ludwiger hingelegt hatten. Neuzugang Tolga Nari aus der A-Jugend von BW Westfalia Langenbochum vollendete einen gelungenen Angriff zur Gäste-Führung (2.). Doch so viel Freiraum bekamen die Ludwiger nicht ein zweites Mal. Der FC 96 mühte sich ins Spiel. Wie beim späteren 2:1 war es ebenfalls eine Standardsituation, die dem 1:1 vorausging. Robin-Marc Albrecht flankte einen Freistoß in Torraumnähe. Die am Strafraum postierte 95-Hintermannschaft ließ Ridvan Öztürk allein. Sein Kopfball saß zum Ausgleich (30.). "Das war unser erstes Gastgeschenk, da passte die Abwehrstaffelung überhaupt nicht", meinte Trainer Steffen.

Nach der Pause bestimmte der FC 96 das Geschehen, ohne dabei jedoch den Weg in die Gefahrenzone zu finden. "Uns fehlte die Zielstrebigkeit", erkannte auch FC-Coach Thomas Wiener. "Da müssen wir einfach schneller den Abschluss suchen. Uns fehlt neben Ridvan ein zweiter Vollstrecker." Die große Langeweile breitete sich im weiten Stadionrund aus. Bis plötzlich der Weg für den frisch eingewechselten Erhan Yalcin frei war, der Ludwiger jedoch am herauslaufenden 96-Keeper Daniel Jasmund scheiterte (82.).

Die Hektik nahm nun zu. Unrühmliche Zweikämpfe mehrten sich im Derby-Schlussspurt. Und es deutete alles auf ein Remis hin. Wenn da nicht Christian Olschweski den Tarnmantel übergestreift und zum 2:1 getroffen hätte. "Wir haben es unnötig spannend gemacht", sagte 96-Trainer Wiener. "Aber wir haben die drei Punkte, und das zählt. Weil sein Team mehr Torchancen und mehr Spielanteile hatte, sei der Sieg auch verdient. "Jetzt haben wir nach der Auftaktniederlage die Chance, mit einem Sieg am kommenden Sonntag noch einen vernünftigen Start in die Saison hinzubekommen."